Die Absetzer: Warum die TV-Sender Flops brauchen
Serie abgesetzt, Serie abgesetzt, Serie abgesetzt, Simpsons und anderes gut Abgehangenes bei RTL, Sat1 und Pro Sieben stattdessen verstärkt versendet. Der “Wahnsinn” hat Methode. Die “Anwälte”, “Herzog”, “Familienhilfe”, “Volles Haus” und “Dr. Who”, “Alles typisch” – alles weg, verschoben, aufgehoben, weggepackt und zugetütet (und wahrscheinlich habe ich noch welche vergessen. Das Fernsehlexikon führt besser Buch). Das ist, weil die Programmmacher ja schließlich ihre Zuschauer kennen müssen, kein Bug in der Programmplanung. Sonst müsste man ja glatt glauben, sie hätten den Kanal voll. Nein, es ist ein Feature. Ein Null-Ouvert-Spiel, bei dem die Sender die Karten in der Hand haben. Ein Zéro-Spiel mit Sendervorteil und acht guten Gründen. Mindestens. Die ganze Staffel nach dem Klick.
a) Die Sender verzichten auf umständliche Zuschauerpanels und Pre-Tests (Etats eingespart) und entgehen somit der Gefahr Serien schon vor der Erstausstrahlung in den Giftschrank zu packen. Wäre ja auch zu blöd: Die ganze Co2-Bilanz nutzlos vergeigt.
b) Mit der einmaligen Austrahlung lassen sich auch die bilanzrettenden Nebengeschäfte aufrechterhalten, die bei einem völligen Sendeverzicht verloren wären: CDs (Anwalts-Lounge – Die Punk-Collection zur Scheidung), Ratgeberbücher (Familienhilfe – Ich geh dann mal eben Zigaretten holen und 99 andere Tipps gegen den Stress daheim) und Mode (Herzog – Ein Plädoyer für dein Styling).
c) Buzz-Effekt: Das Image vorzeitigen Sendeschlusses neuer Serien erhöht den Reiz bei der ersten Folge zuzuschauen. Folge: Höhere Quoten, höhere Werbepreise bei der Premierenfolge.
d) Abgesetzte Serien lassen sich später immer noch gut als DVD-Box-Set vermarkten: “Die komplette Staffel. Exklusiv auf DVD: Folgen, die nie im TV zu sehen waren”.
e) Zwischenlösung: Bei alternativer Austrahlung an einem anderen Sendeplatz (bspw. Nachtschiene) wird der nullhundertneunzigundsechsmaldiedrei-Werbeblock inhaltlich aufgewertet. Folge: Höhere Werbepreise.
f) Die Sender unterstreichen mit der schnellen Reaktion auf die Quoten ihre Nähe zum Zuschauer und beweisen, dass sie den Gedanken von der “Wisdom of the Crowd” bereits inhaliert haben.
g) Umso glaubwürdiger können sie als Web 2.0-Anbieter antreten und die abgesetzten Serien auf ihren Webportalen und Videocommunities vermarkten: “Die komplette Staffel. Exklusiv auf diesem Portal: Folgen, die nie im TV zu sehen waren”.
h) Im Management sind keine Karrieren (durch Fehlentscheidungen nach Panelbefragungen) in Gefahr (CYA*-Strategie).
Dennoch machen die Sender natürlich noch Fehler, lassen die Sender Chancen ungenutzt. Jugendsünden der neuen Ära. Unter anderem folgende:
- Das Potenzial einer eventechnischen Umsetzung des vorzeitigen Serienendes wird noch nicht ausgenutzt. (Public-viewing-Partys zur zweiten/letzten Folge. Erneute Austrahlung zusammen mit der ersten Folge (Doppelfolgen). Möglich auch: Serien-Tod-Nacht: 3×2 Folgen jeweils aktuell abgesetzter Serien. Folge: Spezielle Staffel-Rabatte für Werbepartner)
- Zu wenig kurzfristig wechselnde Sendeplätze bei neuen Serien, die den Zuschauer zu einer aktiven Auseinandersetzung mit der Programmgestaltung animieren.
-Mangelnder USP: Es tritt zunehmend ein Gewöhnungseffekt ein. Ein möglicher Ausweg: die Serie mitten während der Ausstrahlung der Folge abbrechen und stattdessen alte Folgen von Petrocelli oder Barbapapa senden: Vorteil: Höhere Interaktivität der Zuschauer.













genial und auf den punkt!