HORIZONT.net HORIZONTjobs HORIZONTpeople HORIZONTstats

Spießer Alfons: Tut der ADC wirklich weh…?

6. Februar 2008
von

nagelprobe.jpgPer E-Mail bekam der Spießer heute die Anfrage eines spießigen Lesers, der aus verständlichen Gründen ungenannt bleiben möchte. Hier der Wortlaut:

„Geschätzter Spießer Alfons,

vielleicht ist das auch mal ein schönes Thema zur Diskussion:
Wir sind eine kleine Agentur (10 Mann) aus dem Süddeutschen. Alljährlich pilgern wir nach Berlin, um wenigstens durch die ADC-Ausstellung ein bisschen Werbewelt zu schnuppern. Dieses Jahr sollte aber alles anders sein: Wir haben dick eingereicht und rechnen uns ernsthaft Chancen auf einen Nagel aus.

„Aber jetzt die Crux: 250 Euro (!!!) pro Besucher für die Award-Show. Kurz mal gerechnet:
ca. 2.000 Euro Einreichungsgebühren
ca. 3.000 Euro Flug und Übernachtung
ca. 1.000 Euro, weil man seine Mitarbeiter ja auch zu Wein und Gesang einladen möchte. plus 2.500 Euro Eintritt für die Show.

Uns würde das Wochenende also geschätzte 8.500 Euro kosten. Ist die Hoffnung auf einen Nagel oder der im Idealfall nachfolgende kurze Ruhmesblitz diese Summe wert? Und erzeugt der horrende Eintrittspreis nicht noch mehr das Gefühl, Gast eines elitären Clubs zu sein?

Sollen von einer 10-Mann-Agentur vielleicht nur die Chefs hingehen? (Was das Ganze ja nur noch elitärer machen würde?)
Ich lasse mich jetzt nicht noch über den Dresscode ‚Black Tie/Cocktail’ aus. Aber ich frage mich doch – vielleicht berechtigt – ob eine Preissteigerung um 66% in irgendeiner Weise nachvollziehbar ist.

Ich grüße anonym, da ich unsere Chancen auf einen Nagel nicht verschlechtern möchte.“

Spießer Alfons antwortet:

Ihr wollt also nach Berlin „pilgern“, liebe Werbebrüder und -schwestern? In des Wortes ursprünglicher Bedeutung meint “pilgern”: Ihr möchtet als Gläubige eine Wallfahrt machen ans Grab an den Sitz des Heiligen ADC. Das ist zwar ein langer Weg, der aber weniger beschwerlich ist als beispielsweise der Jakobsweg, den Hape Kerkeling gegangen ist, der damit viel Geld verdient und noch mehr Applaus bekommen hat. Und Ihr Werber wollt eine Erlösung erlangen, indem Ihr Euer irdisches Tun an die Wände in den heiligen Hallen des ADC aufhängen lasst, wofür Ihr einen Ablass zahlen sollt, der Euch in seiner Höhe nicht behagt, weil Ihr wisst, dass dieses Geld bei “Brot für die Welt” besser aufgehoben ist als bei Kaviar für den ADC.

Bedenket aber, liebe Jünger der Werbung, dass Geld allein nicht alles ist! 8.500 Euro — dafür bekommt Ihr bei einem angesagten Fotodesigner noch nicht mal ein vernünftiges Werbefoto mit 10 Personen drauf, vom Buyout gar nicht zu reden. Und was sind 8.500 geschätzte Euros gegen das, was Euch in Berlin erwartet?!

Selbstverständlich seid Ihr Gäste eines „elitären Clubs“. Denn der ADC versteht sich als elitärer Club. (Notabene: Der Sprecher heißt aus gutem Grund nicht „Preiswert“, sondern Preiswerk!) Und wenn Ihr Werke für 2.000 Euro einreicht, dann habt Ihr für die eingereichten Arbeiten von Euren Kunden bestimmt auch einen Obolus, sprich: Honorar, erhalten, oder? Natürlich könntet Ihr für diese 2.000 Euro stattdessen in der Süddeutschen Klassenlotterie spielen. Ob Ihr dort allerdings einen Nagel gewinnen werdet und einen Eintrag ins Heilige Buch der Werbung bekommen könnt, wagt der Spießer ernsthaft zu bezweifeln.

Was Flug und Übernachtung betrifft: Habt Ihr im Süden des Landes noch nie etwas vernommen von Auto, Bus und Bahn…? Und von der Möglichkeit, in einer Jugendherberge zu übernachten? Bei wikipedia erfahrt Ihr dazu u. a.: „In größeren Städten nehmen auch Geschäftsleute wie beispielsweise Messebesucher das Angebot der Jugendherbergen in Anspruch. Gründe dafür sind die günstigen Übernachtungspreise im Vergleich zum Hotel, aber auch der nähere Kontakt zu anderen Gästen und ein geselliger Umgang unter den Gästen.“ Womit Ihr als Werber Euch dahin begeben würdet, wo das Volk ist, um dessen Geld Gunst Ihr Euch doch tagtäglich bemüht.

Okay, Wein und Gesang müssen sein, das weiß der Spießer aus eigener Erfahrung! Aber genauso, wie es in Berlin hervorragende Currywurst-Buden gibt, so lässt sich dazu auch ein hervorragender Tropfen aus dem Hause Aldi trinken. Und singen können die Damen und Herren Eurer Agentur hernach ja wohl selber, oder?!

Ja, die 2.500 Euro für den Eintritt, die sind natürlich schwerlich zu umgehen. Da ich Euren Worten aber entnehme, dass Ihr nicht Mitglieder des ADC seid, spart Ihr auf der anderen Seite ja die Mitgliedsbeiträge. Insofern bezahlt Ihr einerseits nur, was Ihr andererseits gespart habt.

Ob der „kurze Ruhmesblitz“ die Sache wert ist? Mann, was für eine Frage! Wenn Ihr wirklich geile Sachen eingereicht habt, dann lassen sich beim ADC schon mit einer einzigen Spitzen-Idee vier Nägel gewinnen, wenn diese Idee als Zeitungsanzeige, Zeitschriftenanzeige, Fachanzeige und Plakat eingereicht und prämiert wird — vom Internet gar nicht zu reden! Und mit vier Nägeln seid Ihr im kreativen Ranking ganz weit oben. Was sich hernach dann wieder auszahlt bei der Akquise um neue Kunden!

Langer Rede kurzer Sinn: Abgesehen von der Motivation der Agenturmitarbeiter, so ist jeder Euro für den ADC als Return on Investment zu verstehen. Falls Ihr das nicht so seht, solltet Ihr allerdings daheim bleiben, in den ADAC eintreten und singen: “ADC, scheiden tut weh. Aber Dein Scheiden macht, dass mir…!”

Facebook und Co: Teilen und aufbewahren Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • Facebook
  • TwitThis
  • LinkedIn
  • del.icio.us
  • email
  • MisterWong
  • Y!GG

Ähnliche Artikel

Tags: , , , , ,

Kommentare zu “ Spießer Alfons: Tut der ADC wirklich weh…? ”

  1. cedric am 6. Februar 2008 um 17:28 Uhr

    es gibt da natürlich ordentliches essen und trinken ohne ende. also schon einmal ein bisschen licht am horizont…

  2. Vroni am 6. Februar 2008 um 17:45 Uhr

    Also, die kleine Agentur hat Sparmöglichkeiten.

    Statt Flug die Agentur-Mitfahrzentrale. Zu sechst pro Auto, das muss gehen. Berlin ist nicht Sydney.

    Verpflegung außerhalb des ADC-Buffets: Dönere gutt in Berlin!

    Statt Ü im Hotel: Übernachtung bei der Schwester vom Chef, die in Berlin eine EG hat. Oder deren Mann Zahnwalt ist. UNd gleich dort die Zähne machen lassen fürs Grinsefoto auf der Party.

    Die Einreichungsgebühren werden in harten Verhandlungen um die Hälfte nach unten gedrückt. Machen eure Kunden doch auch immer so.

    Dinnerkosten:
    Die Mitarbeiter bleiben in der Besenkammer. Wo kommt man als Unternehmer denn hin, wenn die auch noch beim Galadinner dem Chef die Krebsschwänze wegschnappen

    Und schon sind 6500 gespart.

  3. Bernd Billbach am 6. Februar 2008 um 18:07 Uhr

    Also hier paar Tipps:

    Hinkommen am Besten mit einer Busgesellschaft, ist bei 10 Leuten bestimmt lohnenswert.

    Übernachten in den sehr günstigen Appartments von Hostels. zB empfehlen kann ich http://www.helterskelterhostel.com/ die haben 10er und 16er Appartements für 150 bzw. 190 Euro und das nicht schlecht, auch von der Lage.

  4. Koenich.Johann am 6. Februar 2008 um 19:22 Uhr

    Macht es Euch einfach: Wartet ab ob ihr am Tag vor der Veranstaltung einen Anruf bekommt und umsonst auf die Bühne kommt, oder bleibt einfach zu Hause und gebt jedem Mitarbeiter einen Bonus von 850 Euro.

  5. Marita am 6. Februar 2008 um 20:35 Uhr

    Gott, ja, das Leben ist hart. Fiese Kunden, die um 16.00 das Haus verlassen, sich dauernd ändernde Briefings, unbezahlte Überstunden, unfaire Preisvergaben bei Awards, schlechten Kaffee bei Kundenmeetings, unbezahlte Pitch-Präsentationen, blablabla? Das Leben ist halt kein Ponyhof. War da was?

  6. Vroni am 6. Februar 2008 um 21:31 Uhr

    O mein Gott, sie homs ernst gnommen.
    Den Smiley vergessen und scho is bassierd.

  7. OlafKolbrueck am 6. Februar 2008 um 22:03 Uhr

    Ob ein Smiley da hilft? Wenn deutsche Werber Spaß verstünden, dann hätte die Werbung doch mehr Humor. ;-) Ich gebe zurück ins Glashaus.

  8. Hm am 6. Februar 2008 um 23:33 Uhr

    Ich bin ein bisschen unsicher, wer hier was ernst meint und wer nicht, wollte aber mal was loswerden:

    Ich finde die ADC-Eintrittskarten auch unverschämt teuer. Ich frage mic h auch seit Jahren, warum das so ist. Zumal ja nicht gerade internationale Stargäste im Rahmenprogramm auftreten oder so. Und ich habe auch schon mal eine After-Award-Party erlebt, bei der das Bier um eins alle war, und das geht natürlich bei diesen Preisen überhaupt nicht (da würde ich eher einen privaten Schampus-Mundschenk erwarten …)

    Aber an der horrenden 8500 Euro-Rechnung der kleinen Agentur aus dem Süddeutschen ist ja nun nicht der böse ADC komplett schuld. Dass Berlin so weit weg vom Standort der Agentur ist, dass man keine Fahrgemeinschaft bilden kann, sondern fliegen muss, ist bedauerlich, aber nicht Schuld des Veranstalters.
    Dass die Leute dann auch irgendwo übernachten müssen, auch nicht (und ja, Vroni, wenn man jemanden da kennt, kann man auch privat übernachten. Ich weiß nicht, wieso das so fürchterlich amüsant sein soll. Hab ich auch schon gemacht) .
    Und dass der Cheffe der Agentur sich dann verpflichtet fühlt, auch noch 1000 Euro für Essen und Trinken für alle springen zu lassen, ehrt ihn, ist aber auch nicht wirklich Schuld des ADC (Vroni: auch hier verstehe ich nicht, wieso Döneressen in Berlin auf der Rangliste der Absurditäten für dich gleich hinter “zu sechst pro Auto” kommt).

    Die Frage, ob der “kurze Ruhmesblitz 8500 Euro” wert ist, ist insofern ziemlich albern. Und auch ein bisschen spät, denn 2000 Euro davon (Einsendegebühren) sind ja auf jeden Fall sowieso schon bezahlt.
    Wie Koenich Johann schon schreibt: Preisabholer kriegen die Karte umsonst. Wie wär’s denn, wenn Flug + Übernachtung für den (oder die? wenn’s denn hoffentlich klappt) Preisabholer dann als Belohnung von der Agentur bezahlt werden und der Chef bleibt zu hause oder zahlt privat. Wär ja schon mal was. Natürlich wäre ein fettes Berlin-Wochenende für alle 10 mit Saufen, Fressen und schönem Hotel die feinere Sache, das Recht darauf ist aber auch nicht im Grundgesetz verankert.

    Und warum jetzt die Eintrittskarten so verdammt teuer sind, würde mich immer noch interessieren. Dich, Spießer, anscheinend nicht wirklich. Für dich ist das Schreiben der Agentur nur willkommener Anlass, zu einem blindwütigen Rundum-ADC-Bashing auszuholen.

    :

  9. Spießer Alfons am 7. Februar 2008 um 06:53 Uhr

    @ Hm

    Hä…?

Trackbacks

  • [...] eigenen Arbeit. Warum so pathetisch, werden einige fragen? Die Antwort auf diese Frage findet ihr hier. Denn wer sollte es besser erklären als Spießer [...]

    ok-blog » ADC. Muss das sein? — 6. Februar 2008 @ 17:36 Uhr
ivw