Spießer Alfons: TUIfly.com und der Absturz im Kleingedruckten
Der Headline einer TUIfly.com-Anzeige entnehmen wir: „Bei uns fliegt die 1. Klasse mit 50 % Ermäßigung.“ Und dahinter steht ein Stern, was ja in der Werbung zumeist eine Einschränkung bedeutet.
Natürlich hat der Spießer schon beim Anblick der Kinderschar begriffen, dass nicht die Flüge in der 1. Klasse bei TUIfly.com den halben Preis kosten und somit preiswerter sind als Flüge 2. Klasse, sondern gemeint ist die 1. Klasse einer Grundschule, die angeblich mit 50 % Ermäßigung fliegt.
Und wir entnehmen dem Kleingedruckten: „Unsere kleinen Passagiere ab 2 Jahren bis zum vollendeten 7. Lebensjahr fliegen bei TUIlfy.com zum halben Preis.“
Womit sich das, was in der Überschrift so großspurig verkündet wird, als hohles Versprechen erweist.
Merke: Wenn das Kind seinen 7. Geburtstag feiert, dann hat es damit auch sein 7. Lebensjahr vollendet, ist bereits im 8. Lebensjahr. Und weil man davon ausgehen kann, dass die meisten Kinder gegen Ende der 1. Klasse ihr 7. Lebensjahr vollendet haben, dürfen sie nicht zum halben Preis fliegen, sondern müssen auf dem Boden der Tatsachen bleiben, sprich: voll zahlen.
Was also soll die bunte Seifenblase oben, wenn unten die dicke Nadel kommt und den Traum vom preiswerten Fliegen zerplatzen lässt?!? Somit wird aus dem fliegenden Klassenzimmer ein fluchendes Klassenzimmer.
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Die ganze Anzeige ist komplett eigenartig. Setzen die Werber der TUIfly auf die Zielgruppe Kinder? Oder wollen sie ihre Kunden verwirren? Fazit: Diese Anzeige ist rausgeschmissenes Geld, weil a) kein Elternteil sich sagen wird “Mein Kind ist jetzt noch 6, müssen wir doch schnell ein günstiges Ticket buchen” und b) die Aussage wirklich missverständlich ist.
Mit den 7 und 8 Jahren hat der Spießer einen Punkt. 1:0
Zur Zielgruppe:
Da tuifly sich vorwiegend als Ferien-und Schnäppchenflieger gebärdet (und von Logo her sofort begriffen werden kann), ist die Headline aber durchaus begreifbar. Sehe sich also anders als Sachar. Sie setzen auf die Zielgruppe Familie mit schulpflichtigen Kindern.
Haut aber schon bei der 2. (Grundschul)-Klasse nimmer hie
Dieses Headline-Konzept ist ein Mono und hat leider keine Mileage (= kann nicht mühelos weiter durchdekliniert werden.)
Wer Familie hat und mit ihr Schulkinder, weiß, dass er nur zur Sommerferienzeit weg kann und da wird es teuer (Hauptsaison). Das tuifly-Motiv reitet auf diesem Bedürfnis rum, mit der Familie dennoch Wegflieg-Urlaub machen zu können, bleibt aber des Gags/Kalauers mit der 1. Klasse wegen auf unredlichem halbem Weg stecken, weil es nur Schulkinder der 1. Klasse eben meint.
Als Familyman oder -woman, welche/r schauen muss, wo die Kröten bleiben – und die mit Kindern aus dem Haushaltsgeld und den Wünschen der Kleinen so schnell rausfliegen wie sie hart reinverdient werden müssen – würde ich mich von diesem pseudo-familienfreundlichen Angebot dann eben auch verarscht fühlen. Der “Große” aus der 2. Klasse soll wohl daheim bleiben oder was.
Ihr seht das vollkommen falsch, denn das ist sicherlich das Produkt eines Menschen, der schon Pisa-geschädigt war, bevor es Thema wurde.
Oder aber, er/sie war schon mit 4 oder 5 Jahren eingeschult worden, weil so hoch begabt, quasi ein Überflieger. Und für die Hochbegabten soll es nun dank TUI eine besondere Frühförderung geben. Hoffentlich nutzen die das nicht für ein One-Way-Ticket, um aus Deutschland zu verschwinden…
@ Vroni
Es ist noch drolliger, denn: Wenn Kinder mit 6 Jahren in die erste Klasse kommen, dann sind sie bereits im 7. Lebensjahr, und fast alle feiern schon in der 1. Klasse (!) ihren 7. Geburtstag! Sollte eine Klassenreise mit TUIfly.com stattfinden (gibt’s in der Grundschule natürlich nicht), dann muss diese Reise zu Beginn der Schulzeit stattfinden, da sonst nur eine Handvoll Kinder mitfliegen darf! Insofern ist das Foto in der Anzeige ein Phantombild.
@Â Pingu666
Ich vermute, die Leute von TUIfly.com können nicht rechnen, was ja auch das wirtschaftliche Ergebnis der Airline beweist. Und dass viele Kreative in einer Werbeagentur nur in sprachlichen Gags und bunten Bildern denken statt nachzudenken, ist bekannt. Insofern haben sich hier Agentur und Kunde gesucht und gefunden