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Spießer Alfons: Vom Aldi-Gegner zum Aldi-Gourmet

10. Februar 2008
von

Liebe Freunde der Werbung, vielleicht geht Ihr nicht mehr selber mit dem Einkaufswagen durch den Supermarkt, bzw. interessiert Euch nicht sonderlich dafür, was am Point of Sale so vor sich geht. Spießer Alfons schiebt seinen Karren noch eigenhändig an den Regalen vorbei, blickt hier und guckt dort und beobachtet, wie die Leute vor den Regalen so reagieren und welche Marken und Produkte sie so in ihren Einkaufswagen legen.

Was Alfons schon immer an den Tag gelegt hat, ist ein markenbewusstes Einkaufsverhalten. Speziell im Foodbereich. So hatte Alfons seine Kids von klein auf belehrt: Bekannte Marken können es sich nicht leisten, etwas Minderwertiges in die Packung zu tun, denn wenn das rauskommt, verlieren sie nicht nur ihre Produkte, sondern auch den Wert der Marke, den sie sich über lange Zeit mit sehr viel Werbegeld aufgebaut haben. Und der Markenwert eines eingeführten Produktes ist in aller Regel höher als der Wert der gesamten Fabrikationsanlagen. Wohingegen eine Handelsmarke, die heute unangenehm auffällt, morgen unter neuem Namen mit veränderter Verpackung ins Regal kommt. Und deshalb beinhaltet der höhere Preis für ein Markenprodukt eine Garantie, dass man etwas Gutes erwirbt.

Aus diesem Grunde hatte der Spießer immer einen großen Bogen um Aldi gemacht. Denn dort konnte er in seinem spießigen Markenbewusstsein nicht die Produkte finden, die ihn — nicht zuletzt durch die Werbung — befriedigt haben. Okay, da gab es eine Ausnahme: Aldi hat ein Olivenöl, das es anderswo in dieser Qualität zu diesem Preis nicht gibt. Bestätigt wurde der Spießer von der Stiftung Warentest. Und als Alfons damit einen Fuß bei Aldi in den Laden gesetzt hatte, las er irgendwo, dass auch der preiswerte Champagner von Aldi durchaus mithalten konnte mit den bekannten und sehr viel teureren Marken. Also kam neben dem Olivenöl auch der Schampus in die Karre. Später ebenfalls der spanische Rotwein mit der drahtigen Verpackung. Einen besseren Roten zu diesem günstigen Preis hat Alfons bis heute nirgendwo gefunden.

Inzwischen hat der Spießer schon lange kapiert: Bei Aldi gibt es wenig große Marken. Aaaber: aldi selber ist die Marke! (Und die treibt bekanntlich mehr Werbung als viele bekannte Marken zusammen.) Hinter der Marke Aldi steht: Value for Money. Und was will man mehr als Konsument?!
test.jpg
Alfons schreibt diesen Beitrag aus aktuellem Anlass, nämlich nach der Lektüre von „test“, dem Magazin der Stiftung Warentest. Hier wird im Februarheft Margarine getestet. Und wenn der Spießer an Margarine denkt, dann denkt er dabei synonym an Rama. Doch siehe hier: Im Test steht Rama erst an 12. Stelle von 23 vergleichbaren Sorten. Und auf Platz 1 im test-Qualtiätsurteil? Ihr ahnt es: Bellasan von Aldi (Süd). Und: Während der 500g-Becher von Rama durchschnittlich 0,99 Euro kostet, liegt der Preis von Bellasan bei 0,55 Euro!!!

Das ist kein Einzelfall. Sogar bei pflegenden Kosmetikprodukten lag Aldi schon mit Spottbilligprodukten vor den teuren Marken aus Paris und New York. Und wenn das mit der Teuerungsrate in diesem unserem Lande so weitergeht, dann müssen die großen Marken sich nicht wundern, wenn der Verbraucher vermehrt nach Value for Money guckt. Aldi, Lidl & Co sind sichtbare Beispiele dafür, dass der Konsument sich nicht allein vom großen Markenschein blenden und verführen lässt, zumal er längst darüber informiert ist, dass hinter vielen No-name-Produkten bei den Billig-Discountern bekannte Markenhersteller stehen.

Spießige Fragen: Wie sehen großen Marken wie Rama diese Entwicklung? Und wie wollen die Marketing-Strategen ihr begegnen…? Ist hier jemand im Blog, der sich da auskennt und den Spießer informiert…?

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Kommentare zu “ Spießer Alfons: Vom Aldi-Gegner zum Aldi-Gourmet ”

  1. Mart am 10. Februar 2008 um 11:01 Uhr

    Keine Ahnung wie das nun genau bei Rama ist, aber dass sich hinter vielen Handelsmarken bei Aldi & Co. in Wirklichkeit oft namhafte Hersteller verbergen, ist seit ca. 20 Jahren kein großes Geheimnis mehr. Mit anderen Worten: oft wird eine Herstellermarke für Aldi einfach mit neuer Verpackung versehen.

    Zu dem Argument mit dem du, lieber Spiesser deinen Kindern die großen Brands schmackhaft machst: auch wenn der Imagewert der Marke bei den Handelsmarken meist wirklich nicht so hoch ist, wie bei den “echten” Brands, so betreiben die Hersteller zumindest mit der Handelsmarkenverpackung immer noch einen immensen Aufwand und produzieren in riesigen Mengen. Da schmerzt ein Imageverlust, der zur Folge hat, dass man auf mehreren Lagerhäusern mit einem Produkt sitzenbleibt, mindestens genau so, wie bei den großen Brands. Deshalb kucken auch die Aldis dieser Welt gerne mal genauer nach, wenn es um die Qualität der Ware geht.

  2. Spießer Alfons am 10. Februar 2008 um 11:08 Uhr

    @ Mart

    Richtig. Aber genau das habe ich doch geschrieben: Dass ich heute vom Glauben abgefallen bin, weil ich gemerkt und begriffen habe, dass die Produkte bei Aldi die Marke aldi haben und auch einer strengen Qualitätskontrolle unterliegen.

    Schon vor Jahren habe ich einen Vortrag darüber in der MECH-Akademie vor Markenartiklern gehalten. Resonanz: Betroffenheit. Resultat: ???

  3. Pingu666 am 10. Februar 2008 um 11:46 Uhr

    Schon seit meiner Kindheit kaufe ich viel und gerne beim Aldi ein, erinnere mich noch mit Genuss an die Pepsi, die es dort gab und die mir noch heute besser schmeckt, als Coca Cola. Schon damals sagte ein Mathe-Lehrer “Wer bei Aldi kauft, muss rechnen oder er kann es.”
    Bei aller Begeisterung über günstige Preise und volle Einkaufswagen, es gibt doch ein paar Dinge, die ich bei Aldi nicht mehr unbedingt kaufen werde. Elektroartikel. Die sind manchmal grottenschlecht. Auch wenn bei “Feinkost Albrecht” äußerst großzügig umgetauscht und repariert wird, so habe ich da meine Erlebnisse gehabt, die sehr nervten. Denn scheinbar werden dort gerne die B-Waren auf den Wühltisch geworfen. Und da zahlt man mit Wut, Schweiß und Tränen, um W. Churchill ein wenig zu verallbern.

  4. Mart am 10. Februar 2008 um 12:05 Uhr

    @Alfons: Stimmt, das hast du auch so ähnlich geschrieben. Was mich etwas verwundert, ist vielmehr der Zeitpunkt deiner Erkenntnis.

    Den Satz “bei Aldi gibt es durchaus vernünftige und qualitativ gute Ware” habe ich in diversen Spielarten schon vor 20 Jahren gehört. Auch die Marketingschnöselfraktion hat spätestens seit dem DotComcrash gezwungenermaßen Aldi entdeckt. Und nun auch der Spießer … :-)

  5. Spießer Alfons am 10. Februar 2008 um 12:10 Uhr

    @ Mart

    Richtig, ch habe schon vor Jahren darüber geschrieben, als das in einer Werbefachzeitschrift noch keiner gemacht hat. Warum ich das heute noch einmal an dieser Stelle getan habe? Aus gegebenem Anlass, wie ich oben vermerkt habe. Und mit der Frage, wie die Marketing-Strategen darauf reagieren, bzw. reagiert haben.

  6. Mart am 10. Februar 2008 um 14:05 Uhr

    Ok, dann antworte ich einfach mal auf die Ausgangsfrage:

    Ich habe diverse Aldiverpackungen für einen großen Markenartikler gemacht, der sich längst mit der Macht von Aldi abgefunden hat. Denen ist es relativ egal, ob sie die Waren als Eigenmarken verkaufen (höherer Verkaufspreis, aber dafür auch deutlich mehr Kosten für Werbung/Marketing) – oder aber zum Schnäppchenpreis bei Aldi anbieten und dafür *nur* eine neue Verpackung basteln lassen müssen.

ivw