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Spießer Alfons: Anruf von Klaus

17. Februar 2008
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Gestern Abend, kurz nach der Tagesschau, hat es beim Spießer geklingelt. Es war das Telefon. Am anderen Ende der langen Leitung: Klaus, besser bekannt unter seinem Nachnamen Zumwinkel. Und der hat, wie wir inzwischen alle wissen, ein Problem. Kein postalisches, sondern ein persönliches. Es geht um Geld, Job und Ruf. Ersteres hat Klaus Zumwinkel zwar immer noch reichlich, weshalb er seinen Job getrost an den Nagel hängen kann. Aber es bleibt noch der Ruf, der ehemals gute. Der ist ruiniert. Und deshalb hat der Ex-Postchef den Spießer angerufen.

Klaus: „Alfons, Du kennst Dich doch in der Kommunikation aus — was muss ich tun, damit eine weitere Demontage meines Namens aufgehalten wird?“

Alfons: „Du musst Dich erst mal entspannen, Junge! Die Zeit arbeitet für Dich!“

Klaus: „Wie meinst Du das…?“

Alfons: „Nun, von jetzt an werden weitere prominente Steuersünder auffliegen, Tag für Tag, Woche für Woche. Und je mehr, desto besser für Dich!“

Klaus: „Was haben die anderen denn mit mir zu tun?“

Alfons: „Sie lenken von Dir ab. Zuerst die Medien und die Politiker und schließlich das Volk.“

Klaus: „Aber wie wasche ich mich in den Augen all derer wieder rein, für die ich zuvor ein guter Mensch gewesen bin?“

Alfons: „Mich kannst Du nicht dazu zählen! Schließlich habe ich es Dir zu verdanken, dass mein geliebtes Postamt in meiner Straße dermaleinst geschlossen wurde. Und mein nächster Briefkasten ist jetzt auch einen halben Kilometer weit entfernt!“

Klaus: „Du, das tut mir echt Leid…!“

Alfons: „Zu spät! Aber in Sachen Steuerdelikt kann ich Dich trösten: Alles ist nur eine Frage der Zeit. Die Menschen vergessen schneller als sie denken. Erinnere Dich: Boris Becker hat mehr Steuern unterschlagen als Du! Und Paul Schockemöhle und Friedrich Karl Flick noch viel mehr. Und die Sangesbrüder Udo Jürgens und Freddy Quinn und Patrick Lindner und und und! Sie alle haben versucht, den Fiskus zu prellen. Und? Singen und laufen sie nicht auch heute noch fröhlich durch die Lande? Wenn das leidige Thema mit der Steuer nicht jetzt grad wieder durch Dich zum aktuellen Thema geworden wäre, wäre es für die anderen Steuersünder überhaupt kein Thema mehr!“

Klaus: „Wie aber kriege ich das Thema für mich so schnell wie möglich wieder vom Tisch?“

Alfons: „Indem Du ehrlich erzählst, wie es wirklich gewesen ist!“

Klaus: „Wirklich? Wie das…?“

Alfons: „Na, es war doch so, dass es sich hier um ein Versehen Deinerseits gehandelt hat!“

Klaus: „Versehen…?“

Alfons: „Klar! Du warst doch als Oberpostbote des Landes auch Herr über alle Briefkästen, oder…?“

Klaus: „Überspitzt gesehen, schon…“

Alfons: „Na also! Und dann erzählst Du der Frau Staatsanwältin, dass alles nur ein Versehen gewesen ist: Du wolltest das Geld doch bloß zur Sicherheit in einem Deiner Briefkästen deponieren. Dabei hast Du es aber durch ein Versehen befördert und es ist gelandet in einem Briefkasten, der Dir gar nicht gehört!“

Klaus: „Genau! Und zwar in einem Briefkasten in Liechtenstein!“

Alfons: „So ist es! Und als das Geld dann im Ausland war — wie hättest Du davon hierzulande Steuern zahlen können?! Von nix geht nix, ist doch logisch, oder?!“

Klaus: „Völlig nix … äh … ja, logisch…!“

Alfons: „Na siehst Du! Das ist genauso wie bei Franz Beckenbauer und Michael Schumacher: Deren Kohle landet ebenfalls im Ausland kann deshalb nicht in Deutschland versteuert werden.“

Klaus: „Aber mein Wohnsitz ist doch in Deutschland…!“

Alfons: „Ja, natürlich. Und deshalb rufst Du jetzt in Liechtenstein an und sagst der Briefkastenfirma dort, sie mögen den Irrläufer umgehend weiterleiten an den deutschen Fiskus, weil dort die Kohle schon vermisst wird! Und wenn das Geld bei Deinem zuständigen Sachbearbeiter eintrifft, ist erst mal die größte Luft raus aus der Anklage gegen Dich!“

Klaus: „Das klingt glaubwürdig! Wie aber sage ich dem Volke, meinen ehemaligen Mitarbeitern inklusive der Brüder Gottschalk, dass alles nur ein postalischer Irrläufer gewesen ist?“

Alfons: „Ich denke, dass Thomas Gottschalk viel Geld durch Dich verdient hat. Und eine Reihe von Werbeagenturen ebenfalls. Nun sollen die sich mal ein bisschen dankbar zeigen und fix etwas eigene Kohle für Dich freischaufeln und eine Anzeige kreieren, in der Gottschalk als Testimonial auftritt und den Steuerzahlern des Landes sagt: ‚Jeder, der schon einmal einen Bewirtungsbeleg unrechtmäßig abgerechnet hat, soll sich jetzt bitte bei seinem zuständigen Finanzamt melden — oder für immer schweigen!’“

Klaus: „Und was mache ich derweil…?“

Alfons: „Du machst erstmal Urlaub auf Deiner Burg am Gardasee und wartest auf Deine Pensionsgelder aus Deutschland! Dein Gehalt von der Post läuft ja auch weiter, denn Du hast dieses Unternehmen ja nicht geschädigt!“

Klaus: „Alfons, könntest Du mir noch einen Gefallen tun…?“

Alfons: „Aber gern doch, Klausi! Was möchtest Du denn?“

Klaus: „Könntest Du die Werbeagenturen briefen, weil ich … äh … damit Probleme habe. Die könnten glauben, ich wolle ihnen nur ein Märchen erzählen!“

Alfons: „Keine Bange, mein Guter! Nach den vielen Märchen, die Werbeagenturen dem Volk über die Post erzählt haben, kommt es auf eines mehr oder weniger doch gar nicht an!“

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