Spießer Alfons: Grüezi und Glückwunsch, Günter Netzer!
Günter Netzer hat soeben den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen bekommen. Warum? Die Staatskanzlei: „Weil Netzer in seiner Zeit als Spieler bei Borussia Mönchengladbach prominentes Aushängeschild des nordrhein-westfälischen Fußballs gewesen ist.“
Okay, das könnte man gelten lassen, obwohl es verdammt lange her ist. Danach hat Günter Netzer auch bei Real Madrid gespielt und anschließend für die Grasshoppers in Zürich gekickt. Außerdem ist er am Ende seiner Karriere im Vereinsgeschäft noch Manager des Hamburger Sportvereins gewesen und war danach für kurze Zeit Berater bei Schalke. Stehen somit noch weitere Verdienstorden aus!
Mehr weiß wieder einmal des Spießers geliebte BILD-Zeitung, wo Günter Netzer heute auf der Titelseite zum „Gewinner“ wird mit den redaktionellen Begleitworten: „Gradlinig und bescheiden und deshalb ein Vorbild im Mediengeschäft! Mit dieser Begründung wurde Fußball-Ikone und BILD-Kolumnist Günter Netzer (63) mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet.“ Und „BILD meint: Dieser Orden ist verdient!“
Vorbild im Mediengeschäft, natürlich. Wenn BILD das schreibt, dann wird es wohl auch so sein. Verdienste hat Netzer bestimmt. Außerdem bekommt der Ex-Kicker in diesem Jahr auch noch den „Medienpreis für Sprachkultur“ verliehen, vermutlich nicht zuletzt wegen seiner kulturellen Sprachbeiträge in BILD. Auch den Orden wider den tierischen Ernst hätte Netzer verdient, und zwar für seine zahlreichen Auftritte im Mediengeschäft, wo er in den Medien als Anlageberater auftritt. Vormals für DIT-Fonds der Dresdner Bank, jetzt in Folge für die Allianz. Zu diesem Testimonial schrieb der „stern“, Heft 42/2007:
„Seine Karriere als Finanzberater begann mit dem Produkt “dit-Euro Bond Total Return”, ein Investmentfonds, der in Zinspapiere investiert. Der legte in der Anfangszeit der Werbekampagne auch kräftig zu. Als der Markt für Zinswerte erste Schwächen zeigte, sattelte Netzer um.
Nun warb er für einen Fonds, der das Geld seiner Kunden in Aktien aus der Eurozone steckt. Auch dieser Tipp zahlte sich für Anleger aus, der Fondswert stieg deutlich. Doch etwa um die Zeit, in der Europas Aktien im Frühjahr dieses Jahres einen historischen Höchststand erreichten – der Dax-Index kratzte an der 8.000-Punkte-Marke – wechselte Netzer erneut die Werbung. Seit einigen Monaten rät er zu Zertifikate-Fonds. Solche Fonds versprechen bei “jedem Börsenwetter” die “richtige Strategie” – also auch im Abschwung. Fussball-Exzentriker Netzer scheint zum Börsen-Profi geworden zu sein, stets mit dem richtigen Tipp zur rechten Zeit. Doch die Rechnung ging nur für Anleger auf, die ihm sofort gehorchten. Tipp eins, der mit den Zinspapieren, fuhr nämlich nach dem Ende der Werbekampagne Verluste ein. Heute nennt die Dresdner Bank diesen ersten Netzer-Fonds in ihrer Kundenbroschüre “Börsenkompass” sogar “unattraktiv”.“![]()
Ja, und witzig ist auch, dass Günter Netzer seine Kohle in Deutschland verdient und in der Schweiz ausgibt. Will meinen: Wie Beckenbauer, Schumacher und andere Konsorten gehört auch dieser gradlinige, vorbildliche und bescheidene deutsche Vorzeigebürger zu den Promis, die unserem Lande schnöde den Rücken gekehrt haben, weil das Wetter in den angrenzenden Ländern schöner ist. Dafür bekommt Günter Netzer auch von Spießer Alfons einen Orden: den Malteser-Orden in flüssiger Form. Prosit, Günter, man gönnt sich ja sonst nix!
Twittern











