Krücken – oder die Gangart von StudiVZ, Zoomer und Medien2
Drei Wochen lang habe ich meinen Bandscheibenvorfall (für Leidensgenossen, L1/L2, keine OP) in der Reha bestens gepflegt (Danke) und dabei jede Menge Leute an Krücken gesehen. Eigentümlicher Weise kamen mir dabei jedesmal die Gehversuche der Verlage im Web 2.0 in den Sinn.
Etwas an dem Bild, das zunächst so negativ wirkt, hat mich auf den zweiten Blick immer gestört. Denn natürlich ist so manches Angebot immer noch vor allem ein zaghaftes Humpeln. Und selbst Zoomer, jüngstes Kind der Verlagsgruppe Holtzbrinck, wirkt so, als könnte es noch die eine andere Therapieanwendung vertragen. Aber je länger ich darüber nachdenke, dass der Verlag damit vor allem eine bild-orientierte und visuell geschulte Generation ansprechen will, erscheint mir das Projekt durchaus zukunftsfähig.
Genauso scheint es mir der richtige Weg, das Marcus Riecke die VZ-Markenfamilie aus SchuelerVZ und StudiVZ nun mit einer weiteren Community für großen Rest der Republikbewohner erweitert und so auch den älter werdenden Mitgliedern aus StudiVZ eine weitere Heimat bietet, wenn sie der prae- und postpubertären Spielerei bei StudiVZ entwachsen sind. Ob das Ding nun eher das Schild FreundeVZ und doch eher MeinVZ am Eingang stehen hat, ist zweitrangig. Entscheidend ist, dass die Brand Extension nicht durch zuviel Web-Hippness verschreckt, sondern eher wie ein alltagstaugliches Volumenmodell wirkt (Genau, Robert: Golf-Klasse) und seine Zielgruppe nicht mit geschmacklosem Pennäler-Unfug aus StudiVZ-Zeiten verschreckt. Das kann gelingen, wenn Riecke nicht auf zuviel Negativ-PR durch halbseidene Skändälchen mit schnurrigen Gruppennamen, voyeuristische Datenpannen und alberne Nackedeis setzt.
Mit dem Bild der Krücken ist es denn auch so eine Sache. Eines Tages laufen nämlich auch die Leute in der Reha wieder ohne Krücken. Manchmal sogar besser als vorher. Man muss halt nur genug Geduld haben. Das könnte also auch bei den Verlagen so sein.
Dumm kann es lediglich sein, wenn sie dann vor die Tür der Reha-Klinik gehen und dort springt ein junger Hüpfer zwischen den Krokussen durch den Kurpark, der womöglich auf den Namen Medien2 hört. Und nach allem was da über die Vorbereitungen von Dirk Manthey geraunt wird, könnte es sein, dass sich noch vor dem Frühlingserwachen manch ein Verlag auch ohne Krücken plötzlich wieder ganz alt und krumm fühlt.
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Hm, medien2. Da musste man – klinisch gesprochen – ja zwischenzeitlich schon Sorge haben, ob dieser Hüpfer überhaupt den Weg durch den Geburtskanal findet, um dann endlich mal in die Gänge zu kommen. Nun muss es ja nicht so laufen wie bei derwesten.de, wo nach elend langer Projektphase mit Riesenerwartungen fast zwangsläufig die große Enttäuschung folgte. Vielleicht war die Online-Kur von Dr. Lyssa und Professor Hombach zu radikal für den Zeitungsriesen?
Wie auch immer: gute Genesung!
ich vermute mal, dass das Ding nicht mehr lange im Kreißsaal liegt. Frage ist nur, ob da am Ende nur der Berg kreißt und eine Maus gebiert oder ob es angesichst der Geburtsdauer nicht doch wohlgenährte Mehrlinge sind.
Und: Danke
Wer gestern den Artikel in der FTD über die Eitelkeit der Medienmacher gelesen hat, wird sich auch sagen, dass es nie zu viele Medien-Medien geben kann. Insofern wird auch Medien2 sein Publikum finden.
Zu den VZs: Ich habe weiterhin meine Zweifel, ob sich das alles durchsetzen wird. Ich kann es mir nicht vorstellen. Wie viele Skandale (Stichwort: Datenschutz) kann ein Betreiber eigentlich wegstecken bzw. verzapfen?
Und natürlich wünsche auch ich weiterhin gute Besserung.
Wenn Dir beim Anblick von Menschen mit Krücken wirklich die Verlage in den Sinn kommen, solltest Du dringend mal Urlaub machen! Gute Besserung