Spießer Alfons: Superwurst fürs Klo
Unter dem Etikett „Bio“ lässt sich alles prima und zeitgemäß verkaufen, genauso wie mit dem Label „Öko“. Manchmal jedoch ist gar nicht das drin in der Verpackung, was die Werbung dem Konsumenten mit schönen Worten verspricht.
So ist da zum Beispiel Ökoland. Und Ökoland wirbt damit, dass seine Superwurst CO2-neutral hergestellt wird. Was sich in Zeiten der begonnenen Klimakatastrophe verkaufen lässt wie geschnittene Wurst.

Und wenn eine Wurst CO2-neutral hergestellt wird, dann kann es nur bedeuten: In der Pelle ist kein Fleisch. Sondern Tofu etc. Denn was den CO2-Ausstoß und das noch viel schlimmere Methangas betrifft, so ist die Massentierhaltung bekanntlich von größtem Übel für die Natur. Von einer aufgeklärten Tierfreundin erfuhr der Spießer, dass angeblich allein durch die Rindfleischerzeugung soviel CO2 freigesetzt wird wie vom gesamten Autoverkehr. Und was den Umweltschutz betrifft: Um 500 g Steak zu produzieren, wird soviel Wasser verbraucht wie wir ein Jahr lang zum täglichen Duschvorgang benötigen. Das jedenfalls behauptet die Tierfreundin. Weshalb der Spießer schon überlegt, ob er nach jedem Steakhaus-Besuch das Duschen sein lässt, um wenigstens sein schlechtes Gewissen oberflächlich zu reinigen.
Aber kommen wir zum Casus belli: Die besagte Wurst von Ökoland ist keine Soja-, sondern eine Fleischwurst. Und wie diese CO2-neutral hergestellt wird, das möge uns der Schlachtermeister von Ökoland bitte mal erklären! Oder Margret Drobek, die für das Unternehmen marketingmäßig zuständig ist und hinter dem Claim steht: „Superwurst rettet die Welt!“
Mit solcher Marketing-Strategie soll der Kunde zum Hans Wurst gemacht werden. Und keiner sagt was dagegen – oder wie? Oder was…?
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Ich war bei denen letzten Freitag zufällig am Stand, als ich auf der BioFach war. Die investieren in CO2-Projekte, die das ausgleichen sollen. Quasi ähnlich wie bei Atmosfair. In “Unser Land” im BR war am Samstag auch ein Bericht dazu.
Wen interessiert die CO2-Bilanz, viel wichtiger ist für mich:
Warum erinnert mich die Anzeige an South Park?
was die co2 bilanz mit dem wasserverbrauch oder dem methangasausstoß zu tun hat, weiss nur der spiesser.
fragwürdig ist hier allerdings der versuch, mit einer ausgeglichenen co2 bilanz dem verbraucher zu suggerieren, diese wurst würde, ich nenne das jetzt mal “umweltneutral”, hergestellt. da könnte die copy großes zur aufklärung leisten
Also ich verstehe grad nicht richtig, worüber sich hier alle aufregen. o.O
Diese Werbung sagt was von CO2 neutral. Da steht nirgends was von Methan oder anderen Treibhausgasen. Ja Methan ist ca. 20x treibhauswirksamer als Kohlendioxid. Trotzdem ist CO2 das Gas, was in der Öffentlichkeit am ehesten mit dem Treibhauseffekt assoziert wird. Was sollte denn eurer Meinung nach auf dem Plakat stehen? Treibhausgasneutral? Klimaneutral? Für mich alles unglaublich sperrige Begriffe, die sehr nach Beamtendeutsch klingen. Werbung braucht nun mal kein Beamtendeutsch.
Hat sich abgesehn davon schon mal jemand den Hintergrund der Sache angeschaut? Ökoland arbeitet nach den Vorgaben von Stop-Climate-Change. Das ist eine Ausgründung aus der Uni Göttingen. Von einem einigermaßen gesicherten wissenschaftlichen Hintergrund kann man also durchaus ausgehen. Auf deren Webseite ist dann auch das entsprechende Schema zu finden, welches Unternehmen durchlaufen müssen, um ein das entsprechende Siegel zu erhahlten. Da werden über den gesamten Lebensweg der Produkte die _Treibhausgase_ erfasst. Das dürfte dann auch Methan einschließen. Für diese Treibhausgase werden dann Emissionszertifikate gekauft (über einen Treuhänder) und (wiederum über ein Partnerunternehmen) in clean developement mechanism- bzw. joint imlpementation-Projekten eingesetzt. Ob diese Projekte immer vollständig geeignet sind THG-Emissionen zu kompensieren, sei mal dahin gestellt. Der Ansatz ist auf den ersten Blick (hab mich halt nur mal fix durch die entsprechenden webseiten geklickt) imho auf jeden Fall einer der Besten, die mir in letzter Zeit untergekommen sind.
Andere Unternehmen lassen einfach Bäume pflanzen und gut ist oder tun gar nichts. Über die regt sich hier niemand auf…
Ach ja, ich habe weder direkt noch indirekt irgendetwas mit den beteiligten Firmen zu tun. Nicht, dass hier jemand fälschlich losflamt
@martin: bravo, gut gesprochen.
Ich sehe hier einen ganz anderen Ansatz für Kritik: Durch dieses “Ökosiegel” wird dem Kunden suggerriert, es sei eine gute Tat, dieses und andere, so gekennzeichnete Produkte zu konsumieren.
Tatsächlich handelt es sich aber um einen Nullsumme: Auf der einen Seite werden diese Produkte hergestellt, transportiert und vermarktet und selbstverständlich werden dabei, wie bei allen nichtarchaischen Methoden, Umweltschäden verursacht. Diese werden dann mit Zertifikaten “neutralisiert”.
Der einzige wirkliche Gewinn für die Umwelt wäre aber, den Konsum insgesamt herunterzuschrauben und besonders umweltschädliche Produktionen nach und nach einzustellen.
Natürlich läge das nicht im Interesse der Marktbeteiligten.
Wir werden auf längere Sicht nicht darum herumkommen, unsere eigenen Konsumgewohnheiten auf den Prüfstand zu stellen…
Stimme XiongShui absolut zu…
und @Martin: “CO2-neutral” ist also weniger Beamtendeutsch als “klimaneutral”?
@XiongShui: Nehmen wir mal an, dass unterm Strich durch Produktherstellung, -vermarktung und -verbrauch auf der einen und über Zertifikate finanzierte Klimaschutzmaßnahmen auf der anderen Seite wirklich ein treibhaustechnisches Nullsummenspiel herauskommt (was ich persönlich nicht glaube, aber egal). Das würde doch bedeuten, dass alle entstandenen Treibhausgase an einer anderen Stelle eingespart bzw. neutraliesiert würden. Der negative Effekt auf das Weltklima wäre ebenfalls null. Warum sollte es keine gute Tat sein, das zu unterstützen, anstatt mit herkömmlichen Produkten den Treibhausgasausstoß weiter zu fördern? Sicher wird diese Wurst deswegen keinesfalls die Welt retten.
Was die Einstellung der umweltschädlichen Produktion angeht…wen zählst du da zu den Marktbeteiligten? Eine Nullproduktion ist aus Umweltsicht immer die optimale Alternative, nur leider nicht praktikabel!
@M.: Nicht unbedingt, aber CO2 ist in den Köpfen der Leute als Klimakiller angekommen. In der Werbung geht es ja vor allem um die schnelle Aufnahme von Informationen seitens der Kunden. Für mich schafft das “CO2-neutral” eindeutig besser als “klimaneural”.
Das ist aber eine andere Frage. “CO2-neutral” ist definitiv sperriger. “Beamtendeutsch” ist halt so ein Totschlag-Argument… und trifft es hier nicht mal.
Und was die Nullproduktion angeht: wieso soll es nicht praktikabel sein, etwa auf den Fleischkonsum und damit die Fleischproduktion zu verzichten…?
Ok, die Sache mit den Begriffen scheint einfach Geschmackssache zu sein und Geschmäcker sind ja zum Glück verschieden
Sicher wäre die Nullproduktion in einigen Bereichen zumindest theoretisch denkbar. Aber wo willst du die Grenze ziehen? Und wer soll diese Grenze ziehen? Mag sein, dass du persönlich auf Fleischkonsum verzichten könntest, aber was ist wenn das auf Bereiche ausgedehnt wird, die dir wichtig sind und auf die du nicht verzichten möchtest? Würdest du freudestahlend deine Gewohnheiten umstellen? Genau diese Fragen erschweren nämlich eine praktische Umsetzung solcher Gedanken.
Ja, wir werden unsere Gewohnheiten ändern müssen. Im Endeffekt muss das Umdenken in den Köpfen der Menschen stattfinden und kann nur sehr begrenzt von außerhalb aufgewungen werden.
Ich habe nicht gesagt, man solle keine Öko/ Bio- Produkte kaufen und stattdessen konventionelle, sondern ich habe die Reklame mit dem Bio- Siegel krititsiert, weil es die Menschen nicht zur Konsumkritik bewegt, sondern den gesamten Konsum weiter anschwellen läßt – und so, ob nun klimaneutral oder nicht, für weitere Umweltbelastung sorgt.
Was in Frage gestellt werden muss, ist unser Konsumverhalten, d.h. z.B., ist es wirklich notwendig, jeden Tag Fleisch/ Wurst zu essen. Ernährungsphysiologen sagen nein, im Gegenteil, es sei schädlich und Mitverursacher der Zivilisationskrankheiten (Herz-, Kreislauf-, Zuckerkrankheit). Wir alle sind überernährt.
Allerdings kollidiert das mit den Bedürfnissen der Werbeindustrie und denen der Nahrungsmittelindustrie, der Logistik- und Transport-, sowie der Handelsunternehmen; am Ende sind Arbeitsplätze in Gefahr.
So wird die Klimafrage unversehens auch zur gesellschaftlichen Frage. Selbstverständlich gilt das Gleiche auch für alle anderen Wirtschaftsbereiche.
Plötzlich schlagen die Chancen und Vorteile der Globalisierung auch wieder auf den Einzelnen zurück: Er kann sich nicht mehr hinter seiner Anonymität verstecken, sondern so wie er erkennt, daß die Vernetzung der Welt mit seinen Bedürfnissen zusammenhängt, muss er sich der Verantwortung der Welt gegenüber stellen. Das mag pathetisch klingen, ist aber zum Schluss nur eine Binsenweisheit…
Vielleicht hab ich dich bisher falsch verstanden. Wenn die Wurst nunmal klimaNEUTRAL hergestellt wird, kann sich der Konsum verdoppeln und das wird trotzdem keinen Effekt auf das Klima haben. 2 x 0 bleibt immer noch 0. Dass andere Umweltprobleme mit steigendem Konsum zunehmen, da gebe ich dir völlig Recht. Allerdings sehe ich auch hier nicht das große Problem, da Ökoland, nach eigener Aussage artgerechte Tierhaltung mit Biofutter setzt.
Ich denke nicht, dass durch so eine Werbung pauschal jegliche Konsumkritik ausgeschaltet wird, nach dem Motto, das is öko, das kann ich in Massen kaufen. Im Gegenteil – wenn da so eine auffällig grüne Verpackung im Kühlregal liegt, kann ich mir gut vorstellen, dass die Leute überhaupt erstmal anfangen darüber nachzudenken, was sie bisher immer gekauft haben. Warum wird hier eine Firma an den Pranger gestellt, die offensichtlich versucht die Dinge besser zu machen, als andere?
Den genannten Industrien dürfte es im übrigen herzlich egal sein, ob wir Fleisch und Wurst essen oder nicht. Würden wir das nicht tun, würden sie sich drauf einrichten und uns mit anderern nicht tierischen Dingen fettfüttern. Diese müssten ebenso produziert, transportiert und verkauft werden, was wiederum Umweltprobleme zur Folge hätte. Und deiner Argumentation folgend würde das heißen, dass der Konsum ansteigen würde, da es sich ja nicht um böse Fleischwaren handelt. Die Umweltprobleme würden steigen…wir würden uns in einem Teufelskreis bewegen.
A propos Konsumverzicht…warum ist Fleischverzicht eigentlich immer eines der ersten Dinge, die dabei angeführt werden? Warum nicht Sachen, die wirklich weh tun? Wie wärs mit privatem Autoverkehr? Oder Urlaubsreisen über 500km?
Privaten Autoverkehr verbieten? Fände ich eine prima Sache. Aber ist wohl kaum vergleichbar mit dem Verzicht auf Fleisch, den ich persönlich deshalb sehr gerne regelmäßig als erstes anführe, da Fleisch essen für mich nichts anderes als sinnlosen Mord bedeutet. Darauf sollte unsere ach-wie-zivilisierte Gesellschaft ja durchaus ohne Probleme verzichten können? Gerade, weil es nicht “wirklich weh tut”? Wäre doch mal ein Anfang.
Neulich war ich durch Zufall in einem der obskuren Öko-Supermärkte: “Basic”. Dort hing ein Plakat mit hübsch angerichtetem toten Tier drauf. Drunter stand was von “Bio-Siegel”. Und drüber? “Mit jedem Bissen gutes Gewissen”.
Das ist wohl das, was XiongShui meint. Und – ist es was anderes als pervers? Die ganze Bio-Konsumbewegung ist in meinen Augen, jedenfalls zu weiten Teilen, nichts anderes als Ablasswirtschaft… Macht es Menschen sehr leicht, blinde Bedürfnisbefriedigung unter einem “sündenfreien” Deckmäntelchen weiter auszuleben.
Sorry für den predigenden Anfall
Aha, jetzt kommen wir der Sache doch endlich näher. Fleischkonsum ist grundsätzlich schlecht, böse und unmenschlich. Daher kann also auch keine noch so bemühte Firma, die in irgendeiner Form totes Tier verarbeitet auch nur im Entferntesten ökologisch orientiert sein?! Leider ist so eine Ansicht keine gute Basis für eine Diskussion. Schade drum!
oh, leute, da bringt es ein unternehmen nach überwindung vermutlich gigantischer hindernisse fertig, ein produkt auf den markt zu bringen, dass der umwelt nicht so weh tut wie all die anderen, und alles was uns dazu einfällt ist eine scheiss grundsatzdiskussion darüber ob die menschheit überhaupt das recht auf leben, nahrung und freude besitzt. geht doch nach hause.
nach hause scheint auch der spießer gegangen zu sein. erst bricht er ohne hintergrundwissen ein thema vom zaun, und dann hält er sich schamhaft raus.
Ach ja, es ist schon dumm, wenn man etwas vermietet hat und der Mietvertrag nimmt kein Ende…!
Um 500 g Steak zu produzieren, wird soviel Wasser verbraucht wie wir ein Jahr lang zum täglichen Duschvorgang benötigen. Das jedenfalls behauptet die Tierfreundin.
da möchte ich mal wissen, wie die rechnung aussieht.
badet man rinder? 24/7/12?
wenn dann verbrauchen fische soviel (;
Was mich bei diesen “Wasserverbrauchszahlen” immer ein wenig irritiert, ist die Tatsache, das Wasser ja nicht wirklich verbraucht wird. Es wird allenfalls verunreinigt. Es wird wohl auch an Orte transportiert, an denen es vorher nicht war.
Die Welt besitzt eine gegebene Menge Wasserstoff, der uns in verschiedenen Aggregatszuständen begegnet, unter anderem im Trinkwasser. Wir machen dann Abwasser daraus, dieses landet über die verschiedensten Umwege entweder in der Atmosphäre als Wolken, oder im Meer, um von da aus wieder in die Wolken zu verdampfen.
Nun halten Wolken nicht ewig, sondern tropfen als Regen herab und das meiste Wasser versickert wieder im Boden. Von dort pumpen wir es als Trinkwasser zurück.
Was ein Problem darstellt, ist die Tatsache, daß das Wasser durch die Klimaänderungen in andere Weltgegenden transportiert wird. Aber einen wirklichen “Verbrauch” kann es nicht geben.
@ Martin, ich glaube nicht, daß “die Leute” durch ein BIO- (oder sonstwas) Siegel zum Nachdenken gebracht werden.
Nachdenken tun die, die es sowieso tun.
Die anderen kaufen eben das, was gerade hip ist, oder was der Geldbeutel, im anderen Fall der Geiz zulässt. (Und bei eben den “Hippen” setzte meine Kritik an.)
Die Sichtweise, Menschen durch Siegel oder Kampagnen zum Nachdenken zu bringen, halte ich für sehr idealistisch.
Was meiner Meinung nach wesentlicher wäre: Bauern wieder dazu zu bringen, den regionalen Bedarf zu befriedigen, auf natürliche Weise zu produzieren, etc. Auf diesem Gebiet wird ja auch schon viel getan (jeder Bauer wir übrigens einsehen, das es ökonomischer ist, den eigenen Mist und Gülle zu verarbeiten, als teuren Kunstdünger zu kaufen. Jeder Bauer wird auch einsehen, daß es vorteilhafter (für seinen Geldbeutel) ist, zufriedene Kunden zu bedienen, die seine Waren schätzen, als einfach eine Industrie zu beliefern, die ihm dann Daumenschrauben anlegt (wir hatte ja gerade einen Bauernprotest aus diesem Grund).
Aber dazu gehört auch, und damit kommen wir zu einem meiner Lieblingsthemen, daß die Politik aufhört unsinniges zu subventionieren (besser noch, alle Subventionen würden gestrichen). Es ist ein Unding, die oben erwähnten Rinder in Polen großzuziehen, nach Holland zu Schlachten zu transportieren, um sie in Italien zerlegen zu lassen, damit Deutsche sie essen können. Aber solcher Unfug hat seine Ursache in Subventionen. (Allerdings ist das hier O.T.)