Spießer Alfons: Zwischendurch mal Politik
Weil sich hier bei off-the-record sehr viele gescheite Leser einschalten, was man aus diversen Kommentaren ablesen kann, kommt der Spießer mal auf die Kommunikation der politischen Parteien zu sprechen. Dazu Folgendes:
Angenommen, bei einer Wahl stellen sich dem Wähler 5 (fünf) Parteien, nennen wir sie mal A-Partei, B-Partei, C-Partei, D-Partei und E-Partei. Und nachdem der viel umworbene Bürger dann vor der Urne gestanden und seine Stimme abgegeben hat, ergibt sich das folgende endgültige Wahlergebnis: A-Partei = 43,4 Prozent, B-Partei = 29,3 Prozent, C-Partei = 17,6 Prozent, D-Partei = 8,9 Prozent, E-Partei = 0,8 Prozent.
Weil nun die A-Partei zwar die meisten Stimmen, nicht aber die erforderliche absolute Mehrheit zum Regieren hat und keinen Koalitionspartner unter den anderen Parteien findet, schalten sich die B-, C- und D-Parteien notgedrungen zusammen zwecks Regierungsbildung. Zuvor waren sie allesamt zerstritten, aber nun sagen sie: Es ist der Wille des Wählers, dem wir Rechnung tragen, denn schließlich hat der uns drei Parteien die absolute Mehrheit gegeben und damit den Auftrag, die Regierung zu bilden.
Spießige Frage an die Blogger-Gemeinde: Ist diese Schlussfolgerung Eurer Meinung nach richtig? Haben die Bürger das tatsächlich mehrheitlich mit ihrer Stimmenabgabe gewollt? Oder will man uns Kreuzchen-Macher bloß verarschen, nach dem Motto: “Ihr habt ja selber Schuld, Ihr Dödel, warum verteilt Ihr Eure Stimmen auf so viele kleinere Parteien, so dass die Partei, die von den meisten Bürgern gewählt und gewollt ist, nicht regieren kann!”…?
Sachdienliche Kommentare bitte hier:
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Das Geplapper nach der Wahl gehört doch zum Schönsten, was die Politik so zu bieten hat. Parteien, die vor der Wahl Blödsinn erzählt haben und daraufhin abgewatscht werden, fabulieren etwas davon, man habe “dem Wähler offensichtlich nicht deutlich machen können, welche Ziele man eigentlich habe.” Auf den naheliegenden Schluss, der Wähler habe es durchaus verstanden – nur eben nicht gewollt – kommt da niemand.
Und natürlich ist es Quatsch, von “dem Wähler” zu reden, der “das und das” wollte. So gesehen könnte man ja auch argumentieren, der Wähler hätte eine große Koalition aus Partei A, B, C, D und E gewollt. Wenn das keine scharfsinnige Analyse ist, weiß ich es auch nicht.
Andererseits: Hat “der Wähler” Partei A in die Macht gewählt oder war es nicht viel mehr eine Minderheit von 43%? Ganz so einfach ist es mit den Prozenten eben doch nicht. Denn mal angenommen, Partei A will X und die Parteien B, C, D und E wollen alle Y mit unterschiedlichen Schwerpunkten, bei denen aber Einigkeit möglich ist – immerhin ist Y das große Ziel. Dann haben sich tatsächlich 57% gegen Partei A mit dem Ziel X ausgesprochen. Und in dem Fall kann man durchaus sagen, die Mehrheit der Wähler wolle wohl Y. Und das geht in diesem Fall eben nur mit einer Koalition aus B, C, D und E.
Verrissvorlage: Ich musste Texter werden, weil ich irgendwann eingesehen habe, dass Statistik irgendwie nicht so meins ist.
Nö, E geht gar nicht – zum Glück
Mir war nicht bewusst, dass ich eine Wie-auch-immer-Prozent-Hürde in das Theoriegebilde aus Partei A-E hätte einbauen müssen. ich dachte, wir reden hier von rein fiktiven Dingen.
Sollte sich aber Partei E bei näherer Betrachtung als, mal sagen, Parte HH in einer vielleicht nicht ganz fiktiven Stadt herausstellen, dann kann ich mich dem “zum Glück” nur anschließen
Dann sind wir uns ja einig
zum Glück!
Wenn ich nun mal von mir auf alle Wähler schließen darf, dann würde ich mal sagen, dass der Wählerwille der ist, dass die eigene Partei 100 % der Stimmen bekommt und dann ihr Programm durchzieht.
Aber da nicht alle, wie ich, progressiv für die 0-Stunden-Arbeitswoche bei vollem Lohnausgleich und scharfe Sekretärinnen, Krankenschwestern und Polizistinnen für alle sowie Verpflichtung zur Einnahme von Rauschmitteln jeglicher Art eintreten, gibt es eben verschiedene Parteien und unterschiedliche Stimmanteile.
Also ist – außer in Russland oder in der Ex-DDR – jedes Ergebnis ein Kompromiss, und nur prozentual Ausdruck der Wählerwillen.
Also ich kann dieses ganze Wählerwille-Gelaber nicht mehr hören. Was soll hier heißen, die Wähler haben es so gewollt? Ich bin ich und wähle die Partei, die meinen Vorstellungen mit ihrem Programm am nächsten kommt. Dabei spielen strategische Überlegungen zu später möglichen Koalitionskonstellationen maximal eine absolut untergeordnete Rolle. Daher stimme ich Pixel zu. Die Partei, die ich wähle soll möglichst viele Stimmen kriegen und das wars.
Wenn am Ende ein Ergebnis rauskommt, mit dem die Parteien nicht einverstanden und der Meinung sind, keine Regierung bilden zu können, ist mir das als Wähler herzlich egal. Ginge es nur danach so zu wählen, dass für die Parteien angenehme Koaltionen rauskommen, könnten wir uns auch gleich auf ein Zweiparteiensystem beschrenken. So würde der demokratische Schein der Wahlmöglichkeit aufrecht erhalten und gleichzeitig sollte eine Partei im Normalfall immer die absolute Mehrheit erreichen (und sei es durch den Einsatz elektronischer Wahlmaschinen ^^).
Selbstverständlich ist die Schlussfolgerung falsch, schon weil eine wie auch immer geartetet Koalition überhaupt nicht zur Wahl stand. Aber wen interessiert das eigentlich wirklich? Ich bin zufrieden damit, dass unsere Parlamente reichlich Platz bieten, dass diese Heinis [und Ernchens] von der Straße sind.
Bezogen auf das Grundthema dieses Blogs – Produkt- und Unternehmenskommunikations, vulgo Reklame/Werbung – lässt sich nur festhalten: Politiker und Parteien sind nicht ernsthaft genug, dass man Ihnen zuhören sollte und nicht albern genug, dass es Spaß machte.
Eine Partei, die sich zur Wahl stellt, möchte möglichst großen Einfluss auf die Politik erhalten. Entweder als starke Opposition, oder wenn möglich, als regierende Kraft. Um dieses Ziel zu erreichen, wird bei fehlender Mehrheit ein “Mehrheitsbeschaffer” gesucht. Einer, dem möglichst wenig Zugeständnisse gemacht werden müssen. Und der dem eigenen Bestreben möglichst dient. Auf diese Weise wird dem Wählerwillen mehr oder weniger entsprochen, dessen Partei regiert. Dies wäre also das Ideal.
Leider funktioniert das mit dem Ideal nur selten, da die Bürger sehen, dass vorher etwas ganz anderes versprochen wurde, als schließlich durchgesetzt wird. Im extremen sieht man das an der Erhöhung der “Märchensteuer” von 16 auf 19 Prozent… Und das ist m.E. der Auslöser für Wut und Frustration der Wähler, nicht die Koalitsionsgeplänkel an sich.
“Dierk 29. Februar 2008 (15:59 Uhr)
Selbstverständlich ist die Schlussfolgerung falsch, schon weil eine wie auch immer geartetet Koalition überhaupt nicht zur Wahl stand”
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das sehe ich ganz genauso…letztenlich wurde hier nur die zusammensetzung des parlaments gewählt….und dieses soll dann die regierung stellen, nachdem ein “regierungsvorsitzender” gweählt wurde….nur scheibar ist das nicht machbar, sich einfach zur wahl zu stellen