Peter Kabel und die Gebrauchtwagen
Peter Kabel, einstiger Star der New Economy und eine der Reizfiguren des Web 1.0 (Kabel New Media), dessen Name auf einer Rednerliste in den abflachenden Hype-Jahren Gerüchten zufolge schon einmal für eine Bombendrohung auf einem Kongress sorgen konnte, macht nach einer Zwischenstation bei Jung von Matt mittlerweile in Gebrauchtwagen. Unter anderem. Carsablanca nennt sich das Projekt in dem sich Oldtimer-Freunde zusammenfinden und in dem auch Kabel investiert hat.
Sozusagen eine Versammlung chromblinkender Jungenträume im Web 2.0. Geschäftsführer ist Robert Kocher.
In dieser Nischenwelt, die kaum mit gigantischen Nutzerzahlen beeindrucken dürfte, entwickelt sich der Zwitter aus Magazin und Community langsam aber stetig wie die Aufrüstung schmucken alten Blechs. So gibt es immerhin jetzt ein Verzeichnis mit rund 300 Clubs und einen Autor der interessante Fahrzeugangebote aus Mobile, Ebay und Co vorstellt. Ganz intelligent zudem die gegenseitige Kaufberatung.
Das ist jetzt nicht das Next big thing. Zeigt aber, dass sich auch in der Nische interessante Projekte entwickeln können, insbesondere wenn in dieser Nische ein eher solventes Publikum vermutet werden kann. Und außerdem gibt es schlechtere Weg als Oldtimer, um Geld zu verbrennen. Geblieben sind aus den alten Tagen die großen Ankündigungen (“größtes Oldtimertreffen der Welt”). Ohne solches Großsprech könnte man das Projekt – auch optisch – inzwischen durchaus sympathisch finden.
Das gilt für Werbekunden derzeit offenbar noch weniger. Außer Google-Anzeigen ist gegenwärtig nichts zu sehen. Vielleicht auch deshalb sucht Carsablanca momentan vorwiegend Praktikanten für das Team.
Aber vielleicht ist das Projekt auch einfach noch zu frisch. Denn gerade in solchen Nischen von der Golfer-Community bis zum Business-Lounge-Bewohner-Portal sehe ich eine der noch hochgradig unterschätzen Umfelder für die Werbung. Eine kleine, aber feine Zielgruppe, konsumfreudig und mit genug Geld ausgestattet, um das auch auszuleben. Die mit Werbeplätzen erreicht werden kann, deren Kosten wahrscheinlich so gering sind, dass sie im Marketingetat unter Diverses verschwinden und die Chance, die attraktive Zielgruppe überaus direkt anzusprechen. Natürlich nicht zwingend mit dem deckungsgleichen Thema der Community, sondern mit Marken und Angeboten, die zum Interessensumfeld passen.
Woran es hakt? Wahrscheinlich daran, dass derartige Werbebuchungen mehr Mühe machen, eine genauere Kenntnis des Umfelds verlangen und nicht so sexy klingen wie eine Buchung bei Facebook. Eine Herausforderung für Media-Agenturen? Ich weiß nicht. Womöglich zuviel Kleingeld. Wahrscheinlich landen solche Angebote am Ende eher bei der Restplatzvermarktung. Nicht die eleganteste Lösung. Die Unternehmen sollten sich daher vielleicht auch selbst mehr auf den Hosenboden setzen und sich im Zweifelsfalls das Knowhow irrlichtender freischwebender Web-Pfadfinder einholen, die ihnen sagen, wo sie jenseits der großen Häuser am besten bedient werden.











