Shopping Clubs: Der schöne Schein der Exklusivität
Es muss nicht immer der letzte Schick sein, mit dem sich Geld verdienen lässt. Reste, geschickt vermarktet, können noch bessere Rendite versprechen. Die Anbieter würden natürlich eher von Überbeständen und Testprodukten sprechen. Wie auch immer. Allein ein Anbieter wie Brands4friends will damit in diesem Jahr 2 Millionen Kunden erreichen und bietet gerade mal wieder Markenprodukte mit 70 Prozent Nachlass. Aber der Reihe nach. Denn noch ist das Konzept eher bei den Early Adoptern bekannt.
Vente Privee oder Private-Shopping-Clubs gelten als einer der vielversprechendsten Modelle in Sachen Online-Shopping. Quasi exklusiv sollen Kunden dort Markenwaren einkaufen können. Zugang gibts nur auf Einladung. Theoretisch. Praktisch reicht häufig auch eine Registrierung bei Vente Privee, Buyvip, Private Outlet oder Brands4friends. Die Pseudo-Vip-Welt besteht sortimentstechnisch zumeist tatsächlich aus Überbeständen der Markenhersteller, die deutlich reduziert angeboten werden sowie aus Testprodukten.
Manchmal gibt’s Top-Marken, manchmal auch B-Marken. Was die überfüllten Hallen der Hersteller so hergeben.
In Frankreich, versandtechnisch als Markt mit Deutschland nur bedingt zu vergleichen, rockt die aufgejazzte Factory-Outlet-ähnliche Ware. Vente Privee ist dort mittlerweile der drittgrößte Online-Modeversender. Umsatz: 300 Millionen und mehr.
Vom einzigen ur-deutschen (blödes Wort) Anbieter Brands4friends habe ich einige aktuelle Zahlen (Übrigens der einzige im hierzulande aktiven Quartett, der auf meine Presseanfrage inhaltlich antwortete).
Derzeit hat das Berliner Unternehmen, in das auch Lukasz Gadowski (Spreadshirt) und Ehsan Dariani (StudiVZ-Gründer) Geld gesteckt haben 300.000 Mitglieder. Nicht schlecht für die kurze Existenz. Start war im September 2007. Pro Woche sollen derzeit bis zu 10.000 neue Mitglieder hinzukommen. 60 Prozent Frauen. (Haben vielleicht eher ein Schnäppchen-Gen oder es liegt schlicht am Sortiment)
Ehrgeizig sind die Brands4Friends-Macher: Ziel: 2 Millionen Mitglieder bis Ende 2008. Könnte klappen. Immerhin werden auch StudiVZ-Mitglieder zum Angebot gelotst. BuyVip kommt dafür mit RTL und den Lokalisten im Schlepptau.
Wo da noch am Ende die exklusive VIP-Welt bleibt, ist mir aber schleierhaft? Es wird also wohl darauf ankommen, das Gefühl der Exklusivität trotz der Masse weiter am Leben zu erhalten. „Ein Spagat“, sagt Marktkenner Jochen Krisch (Exciting Commerce), den ich für den Beitrag in der Printausgabe zum Thema befragte. Vielleicht ist es den Leute aber auch letztlich gleichgültig, wie exklusiv ihr Einkauf wirklich ist. Hauptsache Marke und Hauptsache billig. Und die VIP-Welt dient am Ende nur der Beruhigung des klassischen Handels, dass hier keine Umsätze an ihm vorbeigelotst werden.
Wie der Spagat aussieht, das ist aber ohnehin erst die zweite Frage. Erst mal wachsen. Nachfrage schaffen. Denn das Angebot ist groß genug. Schließlich klagt kaum eine Branche derart über Überhänge wie die Textilindustrie. Gute Zeiten also für Möchtegern-VIPs. Und wenns läuft werden Otto und Co sicher intensiv über eigene Exklusiv-Welten nachdenken, die über bestehende Modelle wie VIP-Boni bei Tchibo oder die VIP-Card bei Breuninger mit speziellen Angeboten hinausgehen.
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exklusivität erreicht man eh nicht indem man auswählt wer als kunde in frage kommt..
das erreicht man dauerhaft nur über den Preis
Erst recht, wenn ich dann als Marke noch so begehrt und limitiert bin, dass ich mir die Kunden aussuchen kann.
Wer sich das nicht leisten kann gibt sich aber vielleicht mit “gefühlter” Exklusivität zufrieden.
Wozu überhaupt diese Scheinexklusivität? Wenn es da interessante Dinge wirklich günstiger gibt, braucht’s das doch eh nicht als Verkaufsargument.
Ich denke die Exklusivität gilt hauptsächlich der Beruhigung der Hersteller, die ihre Markenwaren nicht in der Ramsch-Ecke sehen wollen.
Den Käufern dürfte es egal sein, solange es stark rabattierte Produkte gibt und auch noch ein gewisser Zeitdruck vorhanden ist (gerade bei B4F sind die Angebote ja recht schnell ausverkauft).