Das Laster der Ungeduld und die Konsolidierung der Communities
Wenn DonAlphonso mit der Ungeduld eines Börsenanalysten an den Zahlen des frisch gestarteten Netzwerks MeinVZ rumäkelt und insgesamt der Schwanengesang auf den Community-Hype durchschimmert, dann wären die Zahlen und sein Text damit vielleicht ein wenig überinterpretiert. Vielleicht. Doch ich glaube, dass wir 2008 erleben werden, wie sich die Ungeduld nicht nur im Süden der Republik weiter verbreitet. Der “Todesfall” Cyworld zeigt, wie kurz der Atem hierzulande ist. Kaum richtig geöffnet, ist die Community für hippe, urbane junge Typen schon wieder beerdigt. Trotz T-Venture im Rücken und obwohl es eine der Vorzeige-Communities in Asien ist. (Höre ich jemanden Facebook sagen?) Es zeigt sich damit aber nicht das Desinteresse an den Communities, sondern nur, dass nicht jeder Export in die deutsche Kullturlandschaft, bzw. zur deutschen Zielgruppe passt.
Ick kann trozdem nicht soviel Opimismus aufbringen wie Mark Pohlmann, der in sinkender Verweildauer einen Trend zur Mikrosegmentierung erkennen möchte. Denn die Verweildauer bei den großen Netzwerken geht insgesamt eher nach unten. Und ob die Mikro-Netzwerke das auffangen kann, geben die Nielsen-Zahlen der FAZ nicht her.
Trotzdem, kein Grund schon nach dem Pfarrer zu rufen. Denn die Reichweite der Netzwerke wächst zumeist weiter nach oben. Die Diskrepanz mag weniger mit der tatsächlichen Community-Entwicklung zu schaffen haben, als vielmehr damit, wo die Netzwerke in der Vergangenheit ihre Schwerpunkte gesetzt haben. Nämlich in erster Linie in der Schaffung von Reichweite und erst in zweiter Linie dem Ziel verbunden, die Nutzungsdauer zu erhöhen. Zu Recht: Denn – ob man es richtig findet oder nicht – die Werbewirtschaft schaut bei den Communities 2008 vor allem auf die Reichweite.
Es lässt sich daher nicht leugnen, dass wir einen Exitus wie bei Cyworld in diesem Jahr noch häufiger erleben werden. Weil den Investoren die finanzielle Luft ausgeht, weil den Start-upern die Lust vergeht, weil die Investoren ausbleiben, weil die Werbung nicht kommt, bevor die Taschen leer sind oder auch weil die Investoren einfach ihre Interessen umschichten.
Denn dies scheint mir noch der sicherste Trend, den ich aus einer Reihe von Gesprächen destillieren konnte: Konsolidierung. Gerade die Investoren werden 2008 genau hinschauen, welche Projekte noch weitere Fleißarbeit lohnen, welche als Investitionsruine von der Steuer abgesetzt werden können und welche man einfach so aufgibt. Schlicht, um im dicken Dutzend der Web-Beteiligungen wieder mehr Überblick zu bekommen und sich nur noch mit jenen wenigen (dann wirklich und intensiv) zu beschäftigen, die den Aufwand lohnen. Einen dann geduldig betriebenen Aufwand.
Nachtrag 21.33: Schlauer Gedanke: Verweildauer sinkt wg besserer Usability. (Naja, bin kein Mathematiker, weiß nicht, ob das als Erklärung ausreicht)


















