Spießer Alfons: Marginalien von der Leipziger Buchmesse
Das Wochenende verbrachte Spießer Alfons in Leipzig, der Geburtsstadt seines Mentors Hans Reimann (u. a. Autor von „Die Feuerzangenbowle“), um dessen neu erschienene Bücher „Ordnung im Bücherschrank“ und “Possenspiel des Lebens” (Verlag Lehmstedt) zu begutachten. Darüber hinaus wollte Alfons auf der Buchmesse auch nachschauen, ob das gedruckte Wort im Internet-Zeitalter immer noch gefragt ist im Lande der Dichter und Denker. Und siehe hier: Am Samstag war es in den Messehallen rappelzappeldickevoll. Die Besucher kamen aus allen Altersgruppen, wobei erstaunlich viele Jugendliche zu sehen waren.
Wer von Euch jemals mit dem Gedanken gespielt hat, selber ein Buch zu schreiben, um dieses auch noch verlegen zu lasssen — Finger weg! Es gibt schon ausreichend Gedrucktes. Und obwohl die Buchhandlungen mit Gegenwartsliteratur bis in alle Regale restlos gefüllt sind und die klassischen Werke ebenfalls vorhanden oder lieferbar sind, werfen die Verlage trotzdem tonnenweise neue Buchprodukte auf den Markt. In Leipzig waren mehr als 2.300 Verlage mit Ständen und Büchern präsent.
Und dann gibt es da noch diese gewissen Verlage, die ständig Autoren suchen, und zwar viele. Und je mehr, desto besser. Besser für die Verleger, wohlgemerkt! Denn die Autoren dieser Verlage bringen Geld in die Verlagskasse, bevor sie überhaupt ein Buch verkauft haben. Die Damen und Herren müssen nämlich die Produktion ihrer Bücher erst mal selber finanzieren. Dafür bekommen sie für ihr Druckwerk auch eine eigene ISB-Nummer und können es in ihren Bücherschrank stellen zwischen die Gesammelten Werke von Goethe und Schiller und sich täglich daran erfreuen. Und sie werden ihre Freunde, Nachbarn und den Briefträger mit ihrem Buch beglücken und erzählen, dass man es über jede Buchhandlung bestellen kann und ebenso bei Amazon. Schöner noch: Die Autoren dürfen sogar öffentlich aus ihrem Werk lesen. Zum Beispiel auf der Leipziger Buchmesse.
Klingt das nicht irre: Autorenlesung auf der Leipziger Buchmesse?! So, wie Günter Grass und Martin Walser hier lasen, so dürfen auch Trude Engelhuber und Bruno Dünskirchen dort aus ihren Werken vortragen. Am Stand der Frankfurter Verlagsgruppe Holding Aktiengesellschaft Aug. v. Goethe, wo „Manuskripte willkommen“ sind, gab’s alle 20 Minuten eine Autorenlesung von Schriftstellern, deren Name kein Feuilletonredakteur jemals gehört, geschweige denn, deren Bücher gelesen hat. Die eine oder andere Ausnahme mag die Regel bestätigen. Und der Spießer beobachtete eine ältere Autorin vor dem Mikrophon. Die Dame las mit brüchiger Stimme vor sich hin, und kein Mensch hörte zu. Als sie fertig war, gabs Applaus. Vom Standpersonal. Obwohl diese Damen und Herren nur mit halbem Ohr dabei waren und Besucher der Messe so gut wie gar nicht — siehe die Abbildung!

Ein ähnliches Bild am Stand von R. G. Fischer bzw. edition fischer, wo ein Herr mit Namen Matthias Plack gelesen hat aus seinen Werk, betitelt: „Begegnungen im Leben“. Woraufhin die Mitarbeiter des Verlages überaus freundlich Beifall gespendet haben. Für den Autor, ihren Kunden.
Am Stand der besagten Verlagsgruppe Holding Aktiengesellschaft Aug. v. Goethe war auf weiteren Schildern zu lesen: „Weimarer Schiller Presse“. Und: „Cornelia Goethe Akademie für Autoren“. Und: „August von Goethe Literaturverlag“. Soviel Goethe macht natürlich immensen Eindruck, schafft Vertrauen bei allen Möchte-Gern-Goethes — es muss ja nicht gleich Johann Wolfgang sein!
Also: Wenn jemand von Euch sich ein sehr persönliches Geschenk machen möchte, dann ist das eigene Buch in der Tat etwas sehr Exklusives. Genauso wie eine Autorenlesung auf der Leipziger Buchmesse, wo ein Autor exklusiv für das Standpersonal lesen kann.
Je nun, auch große Schriftsteller haben klein angefangen. Und vielleicht denkt eines Tages beim Namen Matthias Plack ja auch niemand mehr an Plaque.
Ergänzung:
Aus einem Flyer vom Cornelia Goethe Literaturverlag zur Autorenlesung von cri Kashti-Kroch: “Die vorliegenden episodenhaften Geschichten und Anekdoten zeigen uns Menschen innerhalb ihrer Alltagswelt. Sie schildern Begebenheiten, die so oder ähnlich überall und jeden Tag vorkommen, die jedoch erst dem Leben besondere Würze verleihen.”
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naja, wenigstens hast du der dame auf dem bild nun etwas aufmerksamkeit verschafft. hättest ihr einfach noch zehn minuten podcast mit draufgepackt und 189,50 euro für dieses gesammtpacket verlangt
@cedrical, eine sehr hübsche Idee – leider zu spät
!