Web 2.0: Reduce to the Max
Schon schlimm, wenn ich nach dem Urlaub direkt wieder in Slogans denke. Schlimmer aber, was mir in dieser Zeit beim Couch-Surfen durch die Weiten der Web 2.0-Angebote die Netzhaut reizte. Verschmerzbar allerdings. Denn ich bin überzeugter denn je, dass die große Masse der Dienste einen leisen und stillen Tod sterben wird und das Web 2.0 die Flop-Rate der Produkte in den Handelsregalen locker egalisiert. Und das liegt nicht einmal an den Inhalten. Denn den Content bekommen viele Nutzer gar nicht erst zu Gesicht — und wenn doch wird er für sie nicht erfahrbar.
Einer der Kernfehler dieser Communities, Applikationen und Dienste ist es, dass sie nicht mit einem klar fokussierten Leistungsversprechen aufwarten können. Stattdessen spürt man bei vielen Projekten, dass sie von Nerds und Geeks für Nerds und Geeks entwickelt wurden und folglich auch nur in jenen Kreisen hochgelobt werden. Überleben werden aber nur jene, die die Sprache des Mainstream beherrschen.
Dafür muss sich ihr Konzept zunächst einmal klar in einem kurzen Satz, besser noch mit wie Worten erklären lassen und nicht erst mit einem Schwanz von Relativsätzen verständlich werden. Dazu gehört es auch, dass diese Konzepte vom Nutzen her angedacht sind, und nicht von einer angepeilten Zielgruppe und einem erhofften Marktsegment her definiert werden.
Wenn der (relevante) Nutzen klar ist, findet sich der Markt von selbst.
Um ein Beispiel aus der klassischen Markenwelt zu bemühen. Oetker wäre sicherlich nie so erfolgreich geworden, wenn August Oetker 18hunderttobak zunächst einmal die anzupeilende Zielgruppe und das Marktsegment definiert hätte, anstatt erst einmal einen klaren Nutzen anzubieten: Hilfe beim Backen.
Einfaches Denken in Nutzwertkategorien erleichtert auch einen weiteren wettbewerbsrelevanten Ansatz: die Usability. Zu viele Dienste sind schlichtweg zu sehr auf das technisch machbare und wünschenswerte ausgerichtet und nicht für eine einfache und leicht verständliche Einsatzweise gebaut, die die Einstiegshürden auf Null-Level legt. Denn ebenso wie bei einem Rendezvous dauert auch bei einer Website die Entscheidung hopp oder top nur Sekunden. Und anders als bei Date im Cafe ist der User im Web noch schneller gelangweilt, noch schneller genervt, noch schneller weg. Wer da nicht mit einem Google-esken Auftritt seinen Nutzen auf den ersten Blick klar darstellen kann, bekommt nur seltensten eine Chance für einen zweiten Eindruck. Und nun Musik.



















Ja, viele der jetzigen Angebote aus dem Bereich Web2null werden sich wohl einfach totlaufen. Aber nur die, die den Mashup-Gedanken des Web2nulls nicht verinnerlicht haben. Gerade die vielen kleinen Anwendungen, haben die Chance z.B. als eine Art Widgets weiterzuleben. Kann ich mir die für mich relevanten Bestandteile meiner Communitys auf meine persönliche Startseite holen, dann kann ich viele davon nutzen und ggf. auch interagieren lassen.
Für mich ist das Web2null vor allem ein großes Experimentierfeld und ein Türöffner, da sollte man nicht so kritisch mit umgehen.
Wie wahr! Statt von den Bedürfnissen der Zielgruppe her zu denken, wird der Fokus auf das technisch Machbare gelegt.
Einerseits bewundere ich die Macher der unzähligen Web 2.0-Angebote, aber es ist schon schade, wenn von so viel Mühe am Ende so wenig bleiben wird. Wann soll man das auch alles nutzen? Daher bin ich sehr gespannt, was vom Web 2.0 Hype am Ende bleiben wird. Manches schon.
@Matthias: Web 2.0 als Experimentierfeld: So relaxt sehen das die Macher wohl eher selten. Die sehen ihr sinnfreies Angebot als “the next big thing”. Solange sie ihr eigenes Geld verbrennen: ok.
Einfachheit ist entscheidend. Das sehe ich auch so.