Auf die Ohren
Wenn es um den Kampf um Werbegelder geht, dann wird überwiegend der Clinch zwischen dem Web in der einen Ecke
des Rings sowie Print und TV in der anderen Ecke beschrieben. Radio aber, das sich derzeit noch in gemütlichen Zahlen betten kann, scheint gelassen an den Seilen stehen zu können. Vielleicht zu unrecht. Denn jenseits einen vielgelobten sozialen Musiknetzwerkes wie Last.fm klettern leise aber hörbar Anbieter in die Kampfzone, die auch weniger technikaffine Nutzer mit simplen Lösungen begeistern könnten und zugleich jene erreichen, denen es vor allem ums Mitmachweb geht.
Beispiel Songza: Eine überzeugend einfache und überzeugend simple Juke-Box. Song suchen, abspielen und fertig. Teilen kann man die Songs mit Freunden auch. Instant-Radio für Technik-DAUs.
1000Mikes indes hat sich hierzulande die Renaissance der Wortbeiträge auf die Fahnen geschrieben und haucht dem alten Funkthema “Vom Telefon zum Mikrofon” neues Leben ein. Ziel: Liveberichterstattung per Telefon und Handy und damit eine neue Spielart des Bürgerjournalismus, schreibt DeutscheStartups. Sieht einfach aus und könnte nun all jene erreichen, denen Podcast zu kompliziert wirkt.
Dann ist da immer für Musikhörer auch noch Pandora, das zudem noch lernfähige Radio aus dem Web. Für deutsche Hörer der Rechte wegen abgenabelt ist es leise unter dem Projekt GlobalPandora auf der Rückkehr. Angeblich. Denn momentan ist Funkstille. Umwege zur Büchse soll es geben.
Bis dahin könnte man sich auch mit iLike anfreuden. Gerade von R.E.M. mit der dortigen Veröffentlichung der neuen CD Accelerate gepusht, lässt es sich obendrein in Facebook integrieren. Auf bereits sechs Millionen iLiker verweist zweinull.cc.
Noch zu umständlich? Noch nicht genug für die Ohren? Muxtape ist der neue Liebling der Webgemeinde. Völlig minimalistisch und damit durchaus Mainstream-tauglich, lassen sich virtuelle Musikkassetten bespielen. Diese kann man mit anderen teilen, wie es sich für Musikkassetten gehört.
Das Radio selbst wiegt sich indes noch in Sicherheit. Noch wachsend die Spendings (2007 + 6,8 Prozent auf 1301,7 Millionen Euro) und selbst 2008 wird noch ein Wachstum von 3 Prozent laut Zenith erwartet. Gutes Signal noch: Junge Hörer (14-29), die nach den aktuellen Eckdaten der Radionutzung aus der Media-Analyse Radio 2008 I zwei Minuten länger lauschen: 160 Minuten pro Tag. Mit offenbar guten Ergebnissen in Sachen Werbewahrnehmung.
Aber wie lange noch, bis das junge werberelevante Publikum nicht nur wie bislang in- je nach Sender – unterschiedlich starken Ausschlägen und mit leisen Sohlen abwandert, sondern in Scharen durch StudiVZ surft und dabei lieber gleichzeitig den virtuelle Musiksammlungen der Freunde lauscht? Es hört ja ohnehin schon jetzt vermehrt dem getöne in den Nischen zu. Und die gemütlichsten, weil passendsten Nischen bietet langfrsitig das Web. Der USA-Markt deutet bereits Frequenzstörungen für die Radiomacher an. Bannerwerbung überholt bereits das Radio. 2008 werden wird radio zwar hierzulande noch nicht auf taube Ohren stoßen. Spätestens 2010 aber dürfte das klassische Radio in der werberelevanten Zielgruppe so wohlklingend sein, wie die Volksmusikanten bei ARD und ZDF.
Was also tun? Besseren Content? Ach wie denn. Mobiler werden? Verlängert vielleicht die Galgenfrist. Also lieber selbst die eigenen Radioinhalte offensiv, umfassend und vor allem Mitmach-tauglich ins Web spülen oder die neuen Dienste gleich einkaufen, vevor die Dickschiffe noch weitere Hörer verlieren. Die Einkaufstour wäre vielleicht die sicherste Lösung, bevor die Verlage noch intensiver als bislang (Spiegel und last.fm, Bild und last.fm) hier eine weitere Content-Quelle auf dem Weg zum Medienkomplettanbieter entdecken.
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Es kommt Bewegung in das Audio-Internet! Gerade http://www.radio.de entdeckt. Die Plattform ermöglicht den supereinfachen Zugang zum (web-)radio. Einfach nur durch die Eingabe von http://ndr2.radio.de – das Programm startet sofort. Leider gibt es noch keine Podcasts. In jedem Fall einen Besuch wert.