Re:Publica: Die normative Kraft der kritischen Masse
In der Physik versteht man, und ich war darin immer unterdurchschnittlich, unter kritischer Masse eine Menge an Gewicht die erhebliche Folgen haben kann. Und so hat nach meinen Gesprächen auf der Re-publica08-Konferenz in Berlin, die mit dem Untertitel “Die kritische Masse” daherkommt, dieser Titel eben nicht nur etwas mit kritischer Gegenöffentlichkeit zu tun.
Für die alte Frage “Blogger versus Journalisten” sind die Macher längst zu selbstbewusst. Es ist nicht mehr die Frage, ob sie sich als Medienkanal etablieren, sondern wie. Und hier geht der Weg durchaus mit publizistischer Freiheit und finanziellen Erlösen einher. Und mit Geduld.
Auf Seiten der Unternehmen ist vor allem interessant, wie intensiv dort die Gedanken gewälzt werden, wenn es um die Umsetzung eigener Blogs, eigener Wikis und eigener Bookmarking-Dienste geht. Die Corporate-internen Vorbehalte beginnen unter der Einsicht zu bröckeln, das die neuen kommunikativen Techniken eine normative Kraft des Faktischen ausüben und – über kurz oder lang – zu einer offeneren Kommunikation nach innen und außen zwingen. Das ist – auch in den Verlagen – noch weit weg von einem Brückenschlag, aber ein Anfang.
Fest steht aber auch, wer sich nicht öffnet, der verliert den Anschluss. Auch den Anschluss an seine Kunden.
Vielleicht entwickeln sich in der Zwischenzeit auch die Blogs auf eine andere Ebene weiter, wie Don Dahlmann anregt. Das US-Vorzeigemodell Huffington Post ist ja selbst dieser Evolutionsstufe längst entwachsen und zum Online-Newspaper mutiert.
Klar aber auch, das zeigt die Masse der Gäste bei der Re:Publica in Berlin: Blog, Community, Twitter und Co zum trotz ist die beste Kommunikation immer noch das direkte Gespräch. Allein deswegen ist die von vom Weblog Spreeblick organisierte Veranstaltung mit ihren 800 (?) Teilnehmern ein Erfolg.
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Genau das war auch mein Gedanke gestern bei der Podiumsdiskussion: Wieso gibt es kaum deutsche Blog-Magazine. Turi hat doch vorgemacht, wie es geht und dass es geht. Was nicht Alles möglich wäre: Sport, Entertainment, Politik, Kultur und noch viel mehr. Aber die Zeit wird wohl noch kommen. Hoffe ich.