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Spießer Alfons: psychologischer Kaufzwang…?

2. April 2008
von

Für die Entscheidung, ein Produkt zu kaufen, gibt es Gründe, die wir aus der Werbung entnehmen können. Wenn wir zum Beispiel nicht irgendein Bier kaufen, sondern eine bestimmte Marke, dann stillen wir damit nicht nur unseren Durst, sondern wir helfen auch beim Aufforsten der Regenwälder. Und wenn wir lieber dazu beitragen wollen, dass Bolzplätze für Kinder entstehen, dann müssen wir zu einer anderen Biermarke greifen. Möchten wir aber Kindern in Kriegsgebieten helfen, dann sollen wir einen sogenannten “Friedensschinken” kaufen, während Kindern, die hierzulande in Armut leben, geholfen wird, wenn wir einen Handy-Vertrag mit einem bestimmten Anbieter abschließen. Wollen wir dagegen Kinder in Äthiopien vorm Verdursten retten, dann sollen wir ein diesbezügliches Mineralwasser trinken.

So weit, so hilfreich.

Und jetzt kommt der nächste Helfer: Dallmayr Kaffee, der Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe “Menschen für Menschen” Dallmayr_1.jpgunterstützt. Wenn wir die Sorte “Dallmayr Ethiopia” kaufen, dann wachsen Bäume in Äthiopien, und zwar werden “pro verkaufter Packung 5 Baumsetzlinge gepflanzt” — siehe die Anzeige!

Spießer Alfons rekapituliert: Wenn wir als Verbraucher die Firmen nicht unterstützen, dann unterstützen die Firmen auch nicht die angeführten Aktionen. Doch wer die “Gutes tuenden” Produkte nicht kauft, der muss ein schlechtes Gewissen haben, weil er hungernde und kranke Kinder im Stich lässt und nichts tut gegen Hunger und Armut in der Welt.

Was für eine Heuchelei! Da stellen sich die Unternehmen dar als hilfreiche Samariter und geben nur das weiter, was sie von ihren Kunden bekommen. Und Spießer Alfons fragt in diesem Zusammenhang: Unter welchem Gesichtspunkt wurde der Endverbraucherpreis für “Dallmayr Ethiopia” kalkuliert …?

Zusatzfrage: Was sind “Public Relations”, kurz PR? Als Spießer Alfons noch in der Ausbildung war, da wurde PR wie folgt definiert: “Tue Gutes und rede darüber!” Heute ist es anderes rum: Die Firmen reden darüber, bevor sie etwas Gutes getan haben. Und Alfons fragt: Warum spendet Dallmayr nicht unabhängig von den Kaffeekunden an die Aktion “Menschen für Menschen” und erzählt das den Konsumenten, statt diese in psychologischen Kaufzwang zu versetzen …?

Selbst Hühner gackern erst, nachdem sie ein Ei gelegt haben. Daran sollten Werbungtreibende sich ein Beispiel nehmen!

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Kommentare zu “ Spießer Alfons: psychologischer Kaufzwang…? ”

  1. ramses101 am 2. April 2008 um 17:00 Uhr

    Ist doch betriebswirtschaftlich gesehen eine ganz große Nummer: Erst ganze Landstriche mit Monokulturen zugrunde richten und dann den Konsumenten wegen des Wiederaufbaus in die moralische Pflicht nehmen – irgendwie ist er ja auch mitschuldig.

  2. Pingu666 am 2. April 2008 um 20:15 Uhr

    Ich erinnere mich an Transfair-Kaffee und so weiter… Nur mal so als Tipp:
    http://www.transfair.org/
    Da erhält der Produzent oder Bauer einen fairen Preis für sein Produkt und Projekte verschiedenster Art werden unterstützt…

  3. funkygog am 3. April 2008 um 01:52 Uhr

    Vielleicht ist der Kunde über die Art Spenden ganz dankbar.
    Das Vertrauen in viele Spenden-Organisation ist gesunken.
    Und so ist kann das Spendengeld einem Unternehmen des Vertrauens übergeben werden. Dallmayr dürfte dabei gut abschneiden. Evtl. sollte Persil so etwas auch einführen. (Weiße Wäsche für eine saubere Umwelt, unterstützt wird dann ein Projekt zur Reinigung der Städte)

  4. Pingu666 am 3. April 2008 um 08:35 Uhr

    Noch besser wäre es, wenn Persil die schmutzigen Westen der Politiker und Firmenbosse reinigen würde. Das hatten wir ja schon einmal. Dann bekommt jeder dieser Damen und Herren einen “Persilschein”, dass er brav seine Steuern bezahlt hat, keine Prostituieren ins Hotel holt, keine Drogen nimmt und nicht zutiefst korrupt ist. Dies könnte unsere Demokratie schützen…
    http://de.wikipedia.org/wiki/Persilschein

  5. Spießer Alfons am 3. April 2008 um 08:39 Uhr

    @ Pingu666

    Ööööhhhh – da krieg’ ich ja nie ‘n Persilschein…!

  6. Pingu666 am 3. April 2008 um 08:42 Uhr

    Du, dann mußt Du ganz stark sein, im Fernsehen ein wenig heulen und sagen, dass Dir alles gaaaaaaaaaanz viel leid tut und dass Du das nieeeee wieder machst, dann ist das alles vergeben und Du bekommst eine eigene Fernsehsendung. Und danach haben Dich alle wieder ganz doll lieb ;o))

  7. Dierk am 3. April 2008 um 08:57 Uhr

    Noch besser, wenn Alfons schon keinen Persilschein erhalten kann – und darum sicherlich in die Hölle kommt -, dann braucht er nur eine Jesus-Erscheinung und wird zum Wiedergeborenen Christen. einmal laut sagen, dass einem die Fehler der Vergangenheit nicht anzulasten seien, da man ja jetzt Gott entdeckt hätte.

    Geht nur dann schief, wenn ausgerechnet die Christen falsch liegen …

    PS: Ich stelle bei mir immer mehr fest, dass Werbung oft kontrapoduktiv wirkt. Wenn mir einer mit Gutmenschentum auf meine Kosten kommt, weigere ich mich dessen Produkte zu erwerben. Kein Krombacher, kein Dallmayr.

  8. Pingu666 am 3. April 2008 um 09:26 Uhr

    Besonders auffällig ist das bei den Anbietern von Flugreisen etc. Da wird angeboten, für einen gewissen Betrag die Ökobilanz zu verbessern. Nur sind die angeblichen Bilanzen nicht unbedingt nachvollziehbar. Letztens habe ich einen Bericht darüber gesehen, wie viel Schmu damit getrieben wird. Es erinnert an den Ablasshandel: Wenn der Taler im Säckel klingt, die Seele aus dem Feuer springt..

  9. Sachar am 3. April 2008 um 09:31 Uhr

    Endlich sprichts mal einer laut aus.

  10. Bernd@ Gartenmöbel am 3. April 2008 um 14:25 Uhr

    Ich glaube kaum, dass die großen Konzerne, die oben im Beitrag erwähnt wurden, überhaupt etwas unternehmen. Das ist doch alles nur heiße Luft. Wer wirklich etwas gutes tun will, sollte (wie hier in den Kommentaren schon erwähnt) FairTrade-Produkte bevorzugen. Diese sind zwar teuerer als die meisten anderen Produkte, aber man kann wirklich sicher sein, dass diese Hilfe an der richtigen Stelle ankommt.

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