Spießer Alfons: Ronaldo – an den Haaren herbeigezogen
Der Name Ronaldo klingt wie der eines Zauberkünstlers. Und das ist er auch, der Ronaldo, der beim A.C. Mailand in der Mitte stürmt. Ein Zauberkünstler mit dem Ball. Und ein Zauberkünstler in der Werbung. Werben tut er für eine „Schweizer Entdeckung“, nämlich Crescina, was „ein neues Produkt zur Förderung des Haarwachstums“ ist. Ein Zaubermittel, das Ronaldo angeblich aufgetragen hat. Ergebnis laut Reklame: „Der Haarschopf von Ronaldo ist ein Schweizer Meisterwerk“ — siehe die Abbildung!
Noch lustiger: Das Schweizer Unternehmen hat die Information bekommen, dass der Fußballer einen Vertrag abgeschlossen hat. Mit wem? Mit dem Schweizer Unternehmen, das die Information bekommen hat, dass Ronaldo einen Vertrag mit dem Schweizer Unternehmen abgeschlossen hat. Woher stammt diese Information des Schweizer Unternehmens? Sie stammt angeblich von der Internetseite goal.com, wo “die in Brasilien bekannt gewordene Nachricht” zu finden ist, dass Ronaldo „als Testimonial für das Kommunikee zum neuen Crescina R5 ausgewählt“ worden ist.
So drollig ist der komplette Annoncentext. Fehlt bloß noch der Hinweis, dass Ronaldo zuvor eine Vollglatze gehabt hat, denn sein voller Haarschopf ist ja, wie angezeigt, „ein Schweizer Meisterwerk“.
Das Inserat steht heute unten auf der Titelseite von BILD. Oben drüber packt eine Hure aus. Da darf natürlich auch Crescina auspacken, dass das Unternehmen umfangreiche Investitionen für die internationale Werbung bereit gestellt hat. Das soll wohl die Wirkung des Wundermittels beweisen. Und wenn Ronaldo die dicke Kohle dafür bekommt, dass er seinen Kopf ins Bild der haarigen Reklame hält, dann muss sich das ja auch irgendwie wieder auszahlen.
Spießer Alfons ist Klosterschüler. Was meint: Er hat vor vielen, vielen Jahren von Helmuth Klosterfelde, dem legendären Anzeigenchef des Hauses Springer, gelernt, dass der Verlag sich vor Veröffentlichung einer Anzeige mit dem Inhalt beschäftigen muss. Da genügt es gar nicht, gleich zweimal das Wörtchen „Anzeige“ drüber zu schreiben: Ist der Inhalt offensichtlich an den Haaren herbeigezogen, haftet auch der Verlag. Jedenfalls war es früher so, in der Klosterschule der deutschen Werbung.



















So sollte es auch heute sein.
Also mal ehrlich…
Der komplette Text ist ja hanebüchen! Der ist doch in Brasilien durch eine Übrsetzungsmaschine gelaufen, oder? “In Crescina R5 die 3 Kernwirkstoffe sind jetzt 5 geworden: (…)” Dann hieß das Produkt wohl vorher Crescina R3?
Diese Anzeige erinnert mich spontan an das Krebsgeschwür von E-Mail: Spam. Nur eben gedruckt.
Zu meiner Zeit als Verlagskaufmann hätte ich den Auftraggeber dieser Anzeige zumindest dahingehend beraten, den Text rund zu schreiben. Und so noch ein bisschen Geld verdient… Aber bei der Bild sind die Strukturen da wohl zu eingefahren.