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Die Hitler-Inflation und eine Rüge vom Werberat

17. April 2008
von

Was geht eigentlich in den Köpfen der Kreativen vor? Machmal gar nichts? Oder sind sie schlicht zu jung,hitlerverwandt.jpg zu unbedarft – Gnade der späten Geburt? Jedenfalls wirbt es sich mit Hitler dieser Tage inflationär. Die Webwerbung des ohnehin kritisch zu betrachtenden Unternehmens Ahnenforschung Ltd. in Griesheim war dem Werberat angesichts eines großkopfertes Hitlers nun immerhin eine Rüge wert. Die Begründung des Werberats spricht für sich selbst und könnte und sollte so oder ähnlich auch für die übrigen Beispiele der vergangenen Tage hier und hier gelten:

“Laut Protesten aus der Bevölkerung und der Auffassung des Werberats entspreche es nicht der gesellschaftlichen Grundüberzeugung in Deutschland, Hitler in der kommerziellen Werbung als Zugpferd zu benutzen. Vor dem Hintergrund seiner Verbrechen wirke der Zusammenhang mit Ahnenforschung besonders zynisch und treffe insbesondere Menschen, die unter dem Rassenwahn des Nazi-Regimes zu leiden hatten. Auch die bildliche Gleichsetzung mit bedeutenden Personen der Zeitgeschichte sei indiskutabel.”

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Kommentare zu “ Die Hitler-Inflation und eine Rüge vom Werberat ”

  1. pingu666 am 17. April 2008 um 13:23 Uhr

    Und ich dachte, meine Idee, dass VW mit Hitler wirbt, wäre schon satirisch genug, auf obige Idee wäre ich wohl nie gekommen. Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer. Oder noch schlimmer, Werbung mit Hitler.

  2. paule am 17. April 2008 um 14:38 Uhr

    meine herren. jetzt kackt euch nicht ein. klar war h. der schlimmste. aber solange es ironisch ist – find ich es ok. oder hättet ihr auch den cahrlie chaplin film gerügt, weil h. als hauptdarsteller darstellt (und persifliert)?

    viell. ist es ja auch eine generationsfrage. für die jungen kreativen wilden ists ok? für die älteren herren ein no go?

  3. Warren am 17. April 2008 um 14:57 Uhr

    @paule:

    Dein Vergleich ist unzutreffend.

    Chaplin persifliert Hitler. Das hat mit Kommerz bzw. mit dem Verkauf eines Produktes rein gar nichts zu tun, sondern es ist kunstvolle Kritik an einem verbrecherischen System.

    Das wollen weder Comedy Central, noch der Hutladen, noch der Reiseführer aus dem letzen ADC-Jahr. Die wollen einfach nur Produkte verkaufen und bedienen dafür das Image eines Diktators. Und genau das ist moralisch fragwürdig.

    Zugegeben, die Ideen an sich sind sauber und gut umgesetzt. Allerdings gibt es auch in der Werbung (Geschmacks-/Moral-)Grenzen. Und bei Massenmördern ist die bei mir überschritten.

    Ich bin übrigens weit in den 70ern geboren worden – und kann mich trotzdem nicht über Hitler in der Werbung beömmeln.

  4. Yolk am 17. April 2008 um 14:57 Uhr

    Die Ahnenforschungsanzeige ist wirklich dumm.
    Aber ich finde ich nicht, dass die Begründung des Presserats auch für die anderen beiden Beispiele gelten kann.
    Abgesehen von der offensichtlichen Gemeinsamkeit bestehen in Haltung und Aussage der Anzeigen doch riesengroße Unterschiede!

    Die Ahnenforschungsanzeige zeigt Hitler so, wie er sich wahrscheinlich selbst gern gesehen hat. Als respektgebietenden Machtmenschen und prominenteste Person der Geschichte. Die Anzeige könnte ich mir gut gerahmt im Büro eines NPD-Politikers vorstellen.

    In der Comedy Central Anzeige dagegen wird Hitler als erbärmliches Strichmännchen gezeigt, das so verachtenswürdig ist, dass man sich auch noch über seine Imtimfrisur lustig machen darf. Dafür wäre man im Dritten Reich wohl ins KZ gewandert.

    Ich finde, diese Unterschiede MUSS man machen, wenn man über das Thema “Hitler und Werbung” redet.

  5. pingu666 am 17. April 2008 um 18:12 Uhr

    @ Paule: Ich weiß nicht, ob ich mit 41 Jahren wirklich ein alter Mann bin, aber Werbung mit Massenmördern finde ich einfach nur dämlich. Auch wenn sie sich als Satire tarnt.
    Was mich an der Frau irritiert: Staunt sie vor Freude, dass sie den GröFaZ im Stammbäumchen hat oder will sie ihm einen blasen?

  6. OlafKolbrueck am 18. April 2008 um 00:33 Uhr

    natürlich kann man Hitler persiflieren, karakieren. Man muss auch lachen dürfen. Aber beim kommerziellen Einsatz, sprich Werbeinsatz von Massenmördern hört für mich einfach der Spaß auf. Da bin ich gerne im Zweifelsfall zu sensibel.

  7. Genseleiter am 18. April 2008 um 08:16 Uhr

    Nicht mit zweierlei Maß messen. Die NS Beiträge einiger “Werber”
    verkaufen kein Produkt, sondern sind zweifelhafte Selbstdarstellungen, Festival-Fakes ohne wirtschaftlichen Nährboden und Effekthascherei. Das sich der ADC auf dieses Niveau herab lässt ist eine andere Sache.

  8. nils am 18. April 2008 um 08:42 Uhr

    ist es nicht irgendwie schlimmer, dass webseiten wie die oben genannte 50 euro und mehr für ihre dienste beanspruchen und dutzende von kunden damit in die irre geführt haben und verbraucherschutzzentralen vor dem gebrauch solcher seiten warnen?

  9. pingu666 am 18. April 2008 um 09:33 Uhr

    @ Nils: Eine Webseite, die mit Hitler wirbt, ist für mich keine Gefahr, weil ich die nie nutzen würde. Somit warnt sie vor sich selber ;o)
    Man könnte aber auch sagen, dass es nicht unbedingt schlecht ist, wenn Menschen, die hoffen, mit diesem Hüttler verwandt zu sein, abgezockt werden ;o))

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