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Facebook: Die Freiheit nehm` ich mir

22. April 2008
von Olaf Kolbrück

Eigentlich ist Facebook in Deutschland keine Zeile wert. Es ist schließlich ein Nischenthema. Schlappe 244.000 Leute – oder doch vielleicht über 500.000 User – (ohne Gewähr, siehe Kommentare) erreicht man hierzulande, wenn man versucht mit Facebooks Hilfe eine Werbung zu konstruieren. Da erreiche ich vermutlich bei Twitter mehr und wohl inzwischen auch bei MeinVZ (Oder, Herr Riecke?). Dennoch lohnt ein Blick auf die Community. Ein scheeler Blick, weil sie immer wieder lehrmaterialtauglichen Murks produziert.

Nach der Werbe-Instrumentalisierung der User per “Beacon” (bei der einige Werbungtreibende eilends absprangen als die Praktiken ruchbar wurden) nun also die ungefragte Werbung mit den Namen von Nutzern bei Google per Adwords. Natürlich – oder besser gesagt vielleicht – alles durch die AGB abgedeckt. Ein Gehabe, dass nach ersten Protesten stickum wieder abgeschafft wurde. Erstmal.

Umso spannender, ob und wie es Johnny Haeusler gelingen will, da juristisch einen Punkt zu machen. Die Crux: Facebook kann womöglich allen unschäublerisierten Deutschen eine lange Nase zeigen, weil das Netzwerk hierzulande noch nicht einmal eine juristisch anständige Geschäftsstelle vorweist und im Zweifel nach eher laschem US-Recht schaltet und handelt. Das Facebook sich beim Datenschutz auf den Bundesstaat Delaware beruft macht die Sache nicht gerade vertrauenerweckender. Da ist nicht nur die Frage, wo liegt das, es gilt noch reichlich andere juristische Dinge abzuwägen.
Auch das muss noch kein K.O.-Kriterium für Facebook sei. Auch mit hiesigen AGB und Geschäftsstellen lässt sich fröhlich Schindluder treiben. Immerhin aber kann man auf Messen, ob nun in Köln oder Düsseldorf, eher mal einen deutschen Web-CEO durchschütteln oder auch mal an Berliner Türen klopfen. Allerdings werden sich Massen an Usern an kruden AGB genauso wenig reiben, wie an der Postadresse des Impressum, wenn es denn eines gibt.

Bedeutender erscheint mir aber, dass Facebook mit seinem Gehabe insgesamt zeigt, wes Geistes Kind da an den strategischen Hebeln sitzt. Und mag Facebook-Top-Manager Matt Cohler auch noch so sympathisch rüber kommen, auf der Next08 wird er sich dazu wohl einige kritische Fragen gefallen lassen müssen.

Die Antworten sollten sich vor allem Markenartikler sehr genau anhören. Denn sie werden es am Ende sein, die die Blessuren davontragen, wenn ihre Werbung auf den Easy-Going-Anything-goes-Prinzipien von Facebook durch die Web-Welt trudelt. Facebook verliert mit seiner Visa-Politik (Die Freiheit nehm` ich mir) bestenfalls ein paar Nutzer, die wissen, wie man sich schleunigst aus dem Staub macht. Alle anderen werden sich für den Netzwerk-Nutzen weiter ausnehmen lassen. Die Marken aber verlieren gleich an Profil, weil sie im Dunstkreis von Facebook wie Hersteller wirken, die nicht dem Konsumenten nutzen, sondern ihn ausnutzen. Das aber kann ein Nischengeschäft nicht wert sein. Das kann kein Geschäft der Welt wert sein.

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Kommentare zu “ Facebook: Die Freiheit nehm` ich mir ”

  1. Martin Oetting am 22. April 2008 um 19:03 Uhr

    Ach, der ist bei der Next? Hm, wäre ja ein Grund für mich, doch hinzugehen. (Dieses Jahr etwas andere Prioritäten…)

    (Die VISA-Sache haste lange ergrübelt, gib’s zu… ;-)

  2. OlafKolbrueck am 22. April 2008 um 19:52 Uhr

    Das ging schneller als der Text. Diesmal.
    Visa kam mit der muse und der assoziationskette.
    keine passende Überschrift – also passenden buchtitel, songtitel claim finden. Was gibt zum Thema: mit meinem guten namen?
    also zahle mit meinem guten namen. Ach ja Visa. passt aber nicht ganz. Da gabs doch noch was, das mit der freiheit. passt. In Claims denken ist irgendwie berufskrankheit.

  3. cedric am 22. April 2008 um 22:42 Uhr

    nein, es ist albern. sorry ;-)

    ich finde facebook ist neben xing das einzig brauchbare netzwerk.
    facebook wird sich sicherlich in deutschland etablieren.

  4. Hugo E. Martin am 23. April 2008 um 16:36 Uhr

    Mir zeigt das Tool soeben 542,080 Mitglieder an, die sich mit Sitz Deutschland geoutet haben … mach ich was falsch, oder gehts nach dem Motto ‘Frauen und Kinder” nicht mitgezählt?

    Und mal ehrlich, wer hat, will schon schon 500 000 Kunden? Die Frage ist doch sind es die Richtigen, wollen die meine Werbung sehen und (positiv) anerkennen …

  5. OlafKolbrueck am 23. April 2008 um 16:45 Uhr

    @hugo E. Martin. Ich glaube das buggt ein wenig: klicke ich gar nichts an beim Beziehungsstatus und beim Geschlecht und nehme “alter beliebig” komme ich auf deine Zahl.
    Klicke ich allein beim Geschlecht Männlich und Weiblich an sind es nur noch 362.860. Und der rest? Und so geht es weiter. Hängt vielleicht mit den Angaben in den Profilen zusammen? Von daher würde ich die Gesamtzahl tatsächlich mal in Gutem Glauben höher ansetzen.

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