Web-TV im Handel: Erklärbären und Erlebnis-Programme
In einer nicht allzu fernen Zukunft werden sich wohl die Online-Händler im Web zu multimedialen TV-Shopping-Sendern wandeln. Web-TV macht sich zunehmend breiut bei Otto und Co. Kein Wunder, soll doch das Bewegtbild bis zu zweistellige Umsatzzuwächse bei den jeweils gezeigten Artikeln generieren. Die Umsetzung ist indes vielfältig und reicht von simpler Produkterklärung wie bei eine Kirmes-Promotion bis zum anspruchsvollen Voll-Programm. Ein Überblick.
Das derzeit wohl ergeizigste Projekt verfolgt der Outdoor-Ausrüster Globetrotter. Bei 4 Seasons TV gibt es News, Dokumentationen, Informationen über Reiseziele sowie Hintergrundberichte. Marken kommen zuweilen vor. Im Mittelpunkt stehen aber Berichte und die Erfahrungen von Mulitplikatoren, bis hin zu Präsentatoren wie Arved Fuchs. Branded Entertainment mit Rucksack und Wanderschuhen. Werbung gibt es aber auch. Unter anderem Sponsoring-Ads und zusätzliche Video-Ads. Zum Teil sind die Bewegtbilder mit dem Shop verknüpft. Lästig nur das Sponsor Volvo immer wieder vor den Globetrotter-Beiträgen geschaltet wird.

Beispiel Otto: Drei Monate lang waren bis Ende März Trendvideos mit Katalog-Cover-Girl von Sylvie van der Vaart auf der Website integriert. Nun gibt es im Shop bewegte Bikini-Tipps, die allerdings noch etwas uninspiriert wirken.

Spannender ist da schon, was Otto im “Magalog” Brandneu bietet. Da fliegen die Klamotten aus dem Film, der ein wenig versteckt auf der eigentlichen Site integriert ist und an der kleinen Filmklappe erkennbar ist, an den Rand der Website und können dann per Mausklick bestellt werden.

Ganz klar Marken- und Produktorientiert liefert in wöchentlichem Turnus Douglas Erklärbärvideos rund um Kosmetikprodukte und bietet dafür sogar einen RSS-Feed fürs Abo an und liefert einen Link zur Weiterempfehlung. Die Funktionalität ist nachahmenswert.

Myby, der Versuch von Karstadt-Quelle und Springer, sich als Online-Elektronik-Fachmarkt zu etablieren, erklärt vor allem TVs und Navigationsgeräte. Wenn es denn funktioniert. Das gut sichtbare platzierte Myby-TV (Direkt-Link) hakt zuweilen, zeigte sich aber mit einem Programm zur Cebit zumindest schon einmal trendbewusst.

Erklären, erklären, erklären: Darauf fokussiert sich auch Tchibo, während die Kaffeekette ihre Produktfilme gerne noch so hinstellt, als sei das alles nur ein Test. Derzeit werden vor allem technische Produkte von den Moderatoren vorgestellt und ich frage mich, warum Tchibo nicht auch intensiver die Chance nutzt, das textile Angebot erlebbarer darzustellen.

Das ist ohnehin ein Manko einiger dieser Web-TV-Angebote. Es fehlt an einer Umsetzung, die die Produkte ohne diese Tele-Shopping-Attitüde erlebbar und vorzeigbar macht und sie auch stärker emotionalisiert. Aber vielleicht ist dieser QVC-Stil auch für die Zielgruppe genau das richtige. Kann ja nicht jeder Musikvideos zeigen so wie Amazon.
Eine Bitte noch: Vielleicht kann sich einmal jemand bei Karstadt-Quelle erbarmen und den zu früh aber ehrgeizig gestarteten Web-TV-Ableger von Neckermann unter Neckermann.TV wieder reaktivieren. Der Red-Dot-Award-Gewinner von 2007 ist nur noch eine alte Konserve, hatte bei seinem Start trotz einiger Schwächen wie der fehlenden Vertriebsanbindung eine Menge Erlebnispotenzial.
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Ein spannendes Thema! Die Zeit scheint langsam reif dafür. Und es “konvergiert” in vielen Bereichen. Zum einen lohnt auch der Blick ins TV (siehe Ansatz zum WOM Music Shop auf Viva), zum anderen in den Bereich der “viralen Videos”, besonders gelungen bei Pleo, wo man Passanten beim Erstkontakt mit dem Robo-Dino filmte. Das hat das Produkt enorm emotionalisiert. Da sollten Hersteller noch mehr mit arbeiten. Nicht zuletzt entstehen neue Internet- Magazine, die gleich multimedial starten und immer die Transaktion im Auge haben.
Wir sind schon sehr dicht am “Internet auf dem (LCD) TV”, dann bekommen diese Formate sicher einen echten Schub.
Danke für den interessanten Artikel! Ich habe bei vielen Angeboten derzeit noch das Gefühl, das die Intetion “Wir brauchen jetzt was mit Video” überwiegt, und es wenig durchdachte Konzepte gibt. Aber der Trend ist unübersehbar!
-Simon@Movingweb