W wie Wasser oder V wie Verpackung
Es war während einer Übernachtung im Onealdwych in London, einem jener Hotels, in denen selbst eine Londoner Hotelpreise gewohnte Kreditkarte ein leises Seufzen von sich gibt, dass ich die sublime Wirkung von Design wieder einmal spürte. Das lag – in dem sonst eher unaufdringlich eleganten Interieur, weniger an dem Philippe-Starck-lastigen Baddesign, das hübsch aussieht, aber am Waschbecken schon beim Händewaschen zu völlig eingenässter Kleidung führt, sondern ausgerechnet an einer simplen zylinderförmigen Flasche Wasser in der Minibar.
Die versprach mit ihrem klaren schnörkelosem Glas, an dem an der offensichtlich besonders beschichteten Oberfläche Kühlung versprechende Feuchtigkeit perlte, besonderen Genuss. Nicht das es besonders heiß gewären wäre, oder die Air Condition Probleme machte. Ich befinde mich schließlich im Onealdwych – da kennt man solche Probleme nicht – vom Wachbecken abgesehen. Jedenfalls irgendwie schmeckte das Wasser dann auch tatsächlich wie ein eiskalter Bergbach, vielleicht ein wenig nach Neuschnee und vor allem nach einem durstigen Schluck aus einem Gletschersee.
Eigenartiger Weise kam das Wasser auch in etwa genau daher. In der puristischen Optik vom ehemaligen Chefdesigner von Calvin Klein, Neil Kraft, steckt Wasser aus einer norwegischen Quelle, die, so verspricht es das Marketing der Marke Voss, seit Jahrtausenden geschützt unter Eis und Fels liegt. Das soll dann auch einen Preis pro Flasche rechtfertigen, für den man gefühlt auch locker einen Kasten Volvic kaufen kann. Je nach Shop vielleicht sogar zwei. Nach dem Preis in der Minibar im Oneoldwych in jedem Fall. Dafür harmoniert die Flasche aber auch besser mit einem Anzug als jede PET-Pulle.
Das eigentümliche ist aber, dass dieses Wasser tatsächlich einen exquisten Geschmack hat und es mich nach einem Blindvergleich mit Volvic nicht mehr wundert, dass es für diese Wässerchen im Super-Premium-Bereich, jenseits von Evian und Co, tatsächlich auch noch einen Markt gibt, obwohl Voss im besten Sinne nach nichts schmeckt.
Denn es gibt locker ein Dutzend Marken, die sich in diesem Segment tummeln und teilweise noch hübschere Designs vorweisen können als Voss, deren Flaschenform zuweilen auch Assoziationen an Haarspray wecken kann.
Beispiel Antipodes aus Neuseeland, in dessen Bottle sich auch Whiskey ganz ordentlich machen würde oder Fin aus Japan, in dem auch Calvados eine gute Figur abgegen könnte.
Der erste Höhepunkt der Exklusivität ist dann aber mit einer 08/15-Verpackung erreicht, bei der allein der Content zählt: Alaska Glacier Cap, kommt in einer Bonaqa-blauen Billig-Optik daher, bietet aber Wasser aus dem ewigen Eis Alaskas in den Chugach Mountains.
Der echte Kenner greift da dann lieber zu 10 thousand BC. Da war das Gletscher-Wasser aus Kanada, der Name sagt es bereits, das letzte mal flüssig. Getrunken wird es heute aus einer Flasche, in der man auch brauchbaren Wein anbieten könnte. Der Preis für den Liter ist jedenfalls ähnlich. Dafür macht das Wasser aber keinen Kater.



















Apropo sublime Wirkung – ich hatte bei dem Wasser immer einen leichten Beigeschmack von Rasierwasser oder Prafum im Rachen