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Markendiktat für i-Dötze?

5. Mai 2008
von Olaf Kolbrück

Zu einer Zeit, als das Tragen kurzer Hosen für mich noch keinen optischen und modischen Offenbarungseid bedeutete,malkasten.jpg gab es im Leben nur eine zentrale Markenfrage: Geha oder Pelikan? Die Wahl des Füllers war auch eine Frage des Standpunkts – so wichtig wie heute die Entscheidung zwischen Apple und PC. Lamy kam erst weitaus später auf den Markt und die Montblanc-Fraktion zeigte sich erst mit dem Beginn des Popper-Milieus.

Heute fällt die Markenentscheidung angesichts eines zerfaserten Marktes weitaus schwerer und beginnt obendrein schon bei der Suche nach der richtigen Marke für den Malkasten der Grundschulkinder. Gut, dass da die Schulen heute ihre gesamte pädagogische Kompetenz in die Waagschale werfen und die Eltern darüber informieren, dass die Entscheidung für verantwortungsvolle Erziehungsberechtigte im Grunde nur eine Optionen für den passenden Kasten Wasserfarben kennen kann: Pelikan.

Die Schule verweist dabei auf ihre langjährige Erfahrung. Sozusagen eine im Jahrzehntelangen harten Alltag der Erstklässler gestählte Form der Stiftung Warentest. Natürlich mag so ein Ort, der aufgeklärte mündige Bürger heranziehen will, die Wahl der Marke nicht zum Zwang erheben. Nutzer von Handelsmarken-Deckmalkästen oder i-Dötze mit Produkten anderer Hersteller werden nicht vom Unterricht ausgeschlossen, lautet die beruhigende Information.

Doch es gibt ein großes Aber: Bei der Nutzung von Marken anderer Hersteller – und man muss sich selbst hier nochmal daran erinnern, dass es um 6-Jährige und um Wasserfarben geht – könnte die “malerische Qualität” leiden.

Nicht auszudenken, was dies alles bedeuten kann. Womöglich wird gar der spätere Bildungsweg durch eine falsche Malkasten-Entscheidung in jungen Jahren verbaut. Vielleicht fehlt es später an den nötigen Zensuren für den Numerus Clausus, weil schon zu Beginn bei der malerischen Erziehung geschludert wurde. Aber ich sollte dennoch nicht zu Schwarz malen. Es hat auch ein gutes, Kinder frühzeitig daran zu gewöhnen, welche Relevanz Marken im Leben haben, um sie zu guten Konsumenten zu erziehen.

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Kommentare zu “ Markendiktat für i-Dötze? ”

  1. pingu666 am 5. Mai 2008 um 12:46 Uhr

    Meine Nachbarin berichtete mir, dass ihre Tochter, die ein katholisches Gymnasium besucht, grundsätzlich eine Liste mit Material erhält, das dann die Eltern zu besorgen haben (meistens innerhalb von 2-3 Tagen) Und das Schulmaterial ist natürlich nur Pelikan und Co. Immer nur das beste für die lieben Kinder. Wenn man argwöhnisch denkt, dann kommt man auf folgende Idee:
    Kinder aus sozial schwachen Problemfamilien werden dadurch abgeschreckt, denn die haben garantiert nicht das Geld, um solche Forderungen zu erfüllen. Also hat man weniger Probleme auf der Schule und braucht sich nicht so sehr darum sorgen, dass die Noten schlecht sind, denn Eltern mit Geld werden alles tun, um ihre Kinder möglichst gut zu fördern. Denn die sollen später auch viel Geld verdienen. Und wenn die Kinder bessere Noten haben, als die auf den staatlichen Schulen, dann kann man sich aus dem Fenster hängen und so tun, als wäre man eine Eliteschule. Und Elite, das wollen sie ja alle sein und haben. Das ist Sozialdarwinismus.
    So könnte man denken, wenn man argwöhnisch ist. Aber wer mich kennt, der weiß, dass ich so nie denken würde. *lol*

  2. Monika am 5. Mai 2008 um 12:59 Uhr

    Nun Pelikan tut ja einiges für die Lehrer: Eigene Rubrik, welche Materialien vornehmlich für den Schreib- und Kunstunterricht zur Verfügung stellt….Verbilligte Pelikan-Qualität zum Testen….

    Und da kaum ein Lehrer einmal die recht guten Aldi-Deckfarbkästen getestet hat…muss man unbedingt bei Pelikan bleiben ;-) )))))
    Außerdem lassen sich leere Farbnäpfchen nachfüllen – nach dem Preis fragen wir lieber nicht….und das geht ja bei Aldi-Farbkästen nicht…..

  3. Pixel am 5. Mai 2008 um 13:33 Uhr

    Zu meiner Zeit (junge, junge, wie das klingt …) gabs noch das Argument der Giftigkeit der Farben. Da waren die Markenhersteller wesentlich unbedenklicher. Gilt das heute immer noch? Wär interessant zu wissen, wenn ich mal Kinder hab …
    Vor allem: gibt’s das Ganze auch in Bio?

  4. Christian Maria Fischer am 5. Mai 2008 um 13:59 Uhr

    Sicherlich ist es nicht in Ordnung, wenn Lehrer bestimmte Marken empfehlen. Da sieht man mal, was man so mit PR erreichen kann. PR in der Schule? Ist das grundsätzlich etwas Schlechtes. Oder gibt es da auch positive Beispiele. Ich meine Herlitz ist eins. Die standen laut Brand Eins im Jahr 2003 kurz vor der Pleite. Marketinggelder fehlten. Herlitz entschloss sich damals, soziale Verantwortung zu übernehmen und gründete Bildungscent e. V.. Der Verein sendet Herlitz-Schul-Coaches für bis zu vier Monate in die Schulklassen, wo sie gemeinsam mit den Schülern Gärten anlegen oder Zeitungen konzipieren. Alles Dinge, für die Lehrer wenig oder keine Zeit haben. Herlitz machte sich nützlich, gewann Vertrauen und Sympathien. Dennoch ist das Thema Werbung und PR sicherlich ein zweischneidiges Schwert.

  5. pingu666 am 5. Mai 2008 um 14:09 Uhr

    Ich finde es sehr bedenklich, dass Firmen mittlerweile immer mehr das übernehmen, was vom Staat geleistet werden muss. Die Privatschulen tragen dazu bei, dass die Gesellschaft gespalten wird. Und das ganze mündet dann in das “gute alte Zeit” Weltbild, einige oben und der Rest unten. Und Tschüß Demokratie. Wann werden Waffenfirmen die Polizei sponsern? Bei jedem Schuss erklingt dann ein munteres “Diese Kugel wurde von Heckler und Koch gesponsert. Wir wünschen Ihnen noch einen schönen Todeskampf.”

  6. Vroni am 5. Mai 2008 um 14:59 Uhr

    Schulkinder, bereits 6jährige, sind kleine Konformisten.

    Das wissen Markenfirmen und nutzen das weidlich aus. Ich halte es für krampfig und für übertrieben etepetete von den Pädagogen, da Marken-”Empfehlungen” abzuliefern: denn es fördert nicht die vorurteilsfreie Klassengemeinschaft. Jedes Kind, das dann einen anderen Malkasten hat, fühlt sich sofort als Außenseiter. Man müsste sich überlegen, wie pädagogisch Pädagogen wirklich sind – in diesem Fall sind sie es nicht, sondern bekloppte Werbe-PR-Marionetten.

    Denn:
    Es ist für die Malkünste und den Eifer eines 6jährigen komplett wurstegal, welche Wasserfarben er nimmt oder ob er Nonames nimmt. Fast wichtiger wären die Pinsel. Wenn die beim ersten Malen in die Grätsche gehen und ihre Haare auf dem Papier verlieren, dann ist Schluss mit dem lustigen Malspass. Dann schmeißt der/die Kleine die Flinte, den Pinsel ins Korn. Dies sollte man den Eltern vermitteln. Nicht der teure Malkasten ist das A&O, sondern der Pinsel. Evtl. auch das Papier, es muss mindestens eine mittlere Qualität haben. Wenn es zu dünn ist, sich zu sehr wellt oder fusselt, das wird nichts außer Frust.

    BTW: Hatte als Kind von sparsam leben müssenden Eltern mit Billig- und nicht mit Markenfarben gemalt. Aus mir ist auch was geworden. Sogar ein Designer. Kannste mal sehen. Ich hätte sogar als 6jährige mit Erde, Tee und mit selber geraspelten Pigmenten gemalt. Geht alles.

    Mein Fazit: Übertriebenes Getue. Much ado about nothing, wahres Talent kann nix aufhalten. Superehrgeizige Eltern aber und überbeflissene Pädagogen, die sich vor Marken-Werbekarren spannen lassen, sind für Kinder was ganz Schreckliches. Schauder.

  7. Pixel am 5. Mai 2008 um 15:22 Uhr

    Da fällt mir ein:
    was ist denn mit der beliebten Scout-oder-No-Scout-Ranzen-Debatte?
    (Die wurde schon bei mir vor über 20 Jahren erbittert geführt)
    Auch alles nur MarkenPR oder doch das beste, was man für den Rücken der Kinder tun kann?
    Hab ja tatsächlich inzwischen Kids gesehen, die einen Trolley hinter sich herziehen wegen der schweren Bücher …

  8. pingu666 am 5. Mai 2008 um 15:26 Uhr

    @ Pixel: Je schwerer der Ranzen ist, um so größer der Lerneffekt: Von klein auf Buckeln, um voran zu kommen *lach* Denn:
    Früh krümmt sich, wer ein Häkchen werden will…

  9. ramses101 am 5. Mai 2008 um 15:58 Uhr

    Ich hatte einen Pelikanmalkasten und bin Texter geworden. Meine Scribbles sehen aus wie Sau.

    (Wenn ein anderer Malkastenhersteller das liest und gerne für eine Anzeige nutzen will: geschenkt.)

  10. Pixel am 5. Mai 2008 um 16:25 Uhr

    Frage an den Spießer:
    Ob Jonathan Meese wohl auch (k)einen Pelikan-Malkasten gehabt hat …?

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