9 1/2 Thesen von der Next08
Es ist immer schwierig, nach einem Kongress wie der Next08 eine Art Bilanz zu ziehen, die die wichtigsten Aspekte aus einem Sack voller Panels und Gespräche herauszieht und so etwas ähnliches wie eine grobe Leitplanke abgibt. Dennoch lassen sich aus meiner Sicht für Marketer und Werber, die sich nicht zu den “Edgelings” (Stowe Boyd) zählen, einige Kerngedanken herauskristallisieren, die immer wieder durchschimmerten.
1. Das tragbare Internet ist der kommende Markt. Alles muss mobil werden. Werbung, Communities. Es muss am Ende des Tages aber nicht das Handy sein. Denkbar sind auch tragbare Mini-PCs, Tablet-PCs oder Massenmarkt-Varianten des iPhone.
2. Marken, die die Lust der Kunden an der Kommunikation nicht für das eigene Empfehlungsmarketing und das Unternehmen selbst nutzen, werden bald ganz alt aussehen.
3. Kollaboration ist keine Frage des “Ob” sondern des “Wie”.
4. Die Wirtschaft braucht dringend valide Messverfahren für die Web2.0-Welt, sonst bleibt sie orientierungslos.
5. Widgets werden nicht nur für die Kommunikation, sondern auch für die Erlöse eine wichtigere Rolle spielen.
6. Unternehmen werden künftig Community-Manager innerhalb ihrer Marketing-Abteilungen benötigen.
7. Statt Massenmedien müssen Unternehmen eine Masse von Nischen-Medien nutzen.
8. Der Content zählt, nicht der Kanal.
9. In vielen Unternehmen verhindert die Cover-your-ass-Strategie einen offensiveren Umgang mit den neuen Medien.
9 1/2. Business-Kasper quasseln lieber anstatt zuzuhören. Manieren 2.0.























Zu Punkt 4.
Bitte hör mir auf mit neuen Meßverfahren. Warum müssen wir den Kunden belügen. Warum wollen wir ihm vortäuschen wir könnten etwas messen was nicht meßbar ist.
Ich kenne die Schweizer Bemühungen Aussenwerbung messbar zu machen und lächele immer leise. Wenn der Kunde eine Religion braucht. Dann bitte. Wenn wir Prediger dieser Religion sein wollen. Besser wäre es anders. Und ehrlicher.
http://www.duckhome.de/tb/arch.....giert.html
Der Werbekunde verlangt nun mal nach Zahlen. Zumindest für die Numbercruncher im Controlling. Zumindest ein Modell, das mehr bietet als eine gefühlte Näherungslösung, sollte also her. Klar gehört da immer auch ein Stück Glauben dazu. Das ist ja in der klassischen Kommunikation teilweise nicht anders. Aber ohne ein paar Gleichnisse, pardon Gleichungen, wird keiner Hosianna singen, der noch dem alten monotheistischen werbeglauben anhängt.
Wenn Social Media seine Stellung untermauern und relevante Erlöse aus dem Werbemarkt erzielen will, braucht es mittelfristig auch valide Zahlen und Messverfahren, die die bisherigen Daten ergänzen. Genau zu diesem Zweck, aber auch als Interessensvertretung für Social Media, hat sich vor kurzem die Arbeitsgemeinschaft Social Media (www.ag-sm.de) gegründet. Wer noch an künftigen Web2.0-Währungen mitarbeiten will, ist herzlich aufgerufen, sich aktiv zu beteiligen. Die erste Mitgliedervesammlung der AGSM findet am 28.Mai in Berlin statt. Wer nicht persönlich teilnimmt, kann die Sitzung als Mogulus-Livestream mitverfolgen.
Währungen/Meßverfahren für Social Media sind doch nicht unnötig – im Gegenteil. Die Werber schreien genauso danach wie auch die Agenturen. Wortnennungen können hier ein sehr spannender Ansatz sein. Wie oft wurde über meine Marke gesprochen? Das läßt sich leicht messen und ist ein guter Indikator für Werbewirkung. Habe ich meine Marke ins Gespräch gebracht? Und diese Währung erlaubt auch eine weitere, qualitative Analyse der Beiträge. Wir haben dies mit unseren Themenwochen bereits im Mai 2007 sehr erfolgreich durchgeführt und machen es heute noch.
Dieses Thema gewinnt an vielen Stellen an Momentum, so waren “Volume of Mentions” (Wortnennungen) beim imedia agency summit im März in London ein Thema als auch bei einer Studie von PWC, die diese Währung als Messlatte genommen hat. Das ist sicherlich die richtige Richtung.
@vasco: Das ist schon mal ein Ansatz, greift aber vielleicht ein bisschen zu kurz. Erinnert mich ein wenig an die Clipping-Zählerei, mit der die PR sowas wie Erfolgskontrolle versucht. Damit weißt Du immer noch gar nichts, wen Du mit Deiner Botschaft überhaupt erreichst. Von der neugegründeten Arbeitsgemeinschaft Social Media wird schon erwartet, ein paar weitergehende Erkenntisinteressen zu befriedigen.
@Jochen Hoff: Kein vernünftiger Mensch, der firm ist in Sachen Mediaplanung, betrachtet Reichweitenzahlen als absolute Wahrheit. Und der Vergleich mit den Bemühungen der Außenwerber hinkt nun vollends, denn über die Nutzerströme auf einer Website weiß man schon allein anhand der logfiles wesentlich mehr als über die Passanten und Verkehrsteilnehmer, die an einer Plakatstelle vorbeirauschen.
Ein paar Gedanken zum “Jugendswahn” der Next08-Referenten hier: http://www.opensourcepr.de/200.....ation-why/