Der Geldhahn für Start-ups wird abgedreht
Es ist vielleicht ein wenig verdichtet, wenn FAZ-Netzökonom Holger Schmidt schlagzeilt “Das große Start-up-Sterben hat begonnen”. Richtig aber ist indes: es gibt für manche Gründer im Web 2.0 weniger Geld, für einige gar kein weiteres fremdes Geld und in der Folge ein leisen Hinsiechen im Koma. Daran wird auch die fröhliche und lockere Stimmung auf der Next08 nichts ändern. Das liegt wie Schmidt zurecht bemerkt unter anderem daran, dass inzwischen genauer nach den Businessplänen und den Erlösmodellen gefragt wird.
Vor allem aber höre ich aus vielen Gesprächen mit Investoren und Venture Capitalists, gegenwärtig sei bei ihnen Konzentration auf das Wesentliche gefragt. Es gib ja schließlich auch noch andere Sorgen als das Internet.
Will heißen: Von den teilweise dutzenden Unternehmungen mit Web-2.0-Bebber, die von einzelnen VCs oder Investoren jeweils mal eben angeschoben wurden, haben sich wenige bis gar keine als Selbstläufer erweisen. Also wird dem schlechten Geld nicht weiter das gute Geld hinterhergeworfen und stattdessen jenen Gründern weiter oder sogar intensiver Händchen gehalten, die noch mit den vielversprechendsten Aussichten im Markt unterwegs sind. Wenn die übrigen dennoch schwimmen sollten – gut. Wenn nicht, dann sollen die ein bis zwei auserwählten entwicklungsfähigen und vor allem erlös-fähigen Startups wenigstens für eine schönere Bilanz sorgen.
Das alles ist nicht weiter tragisch: Thats Markwirtschaft.
Schade ist es nur für jene Start-ups, die jetzt womöglich mit guten Ideen und nicht mit dem 4711ten Copycat am Markt antreten. Ihnen wird es schwer fallen, gegen die Investitionsunlust anzuargumentieren.
Richtig traurig aber ist obendrein, dass diese Investionsunlust dazu führt, dass den laufenden guten Lösungen nur minimal und mit konservativ bemessenen Investments unter die Arme gegriffen wird. Mehr Krämerseelen als Pionieergeister tragen da die Geldkoffer. Die Folge: Zu viel zum sterben, zu wenig zum Leben und erst recht zu wenig finanzielle Ausstattung, um sich gegen internationale Mitbewerber postieren zu können.



















Ich habe manchmal den leisen Verdacht, das allzu viele Web2.0 irgendwas Geschichten gerade an zuviel Geld leiden. Eine Copycat oder eine nicht ausgegorene Idee wird verhökert und dann in der Folgezeit kriechend über den Asphalt geschoben um die Investoren bei Laune zu halten.
Es wird ja nur immer wieder der gleiche alte Teebeutel neu aufgegossen, weil die Investoren altbewährtes verstehen und nur das finanzieren was sie verstehen.
Der ganze Kram ist vielleicht deshalb nicht innovativ weil nur mit Blick auf die Sponsoren gedacht wird.
Ich habe das in letzter Zeit mit ein paar Ideen erlebt, bei den sich sogar gestandene Blogger abwandten, nicht weil es nicht machbar sei, sondern weil es nicht finanzierbar sein. Wenn wir aber die Entwicklung eines neuen Produktes, den Prototyp nicht mehr selber Entwerfen und mit diesem Verkaufen gehen wollen, was bitte schön soll dann noch Innovation sein.
Wenn jemand mein Geld ausgeben will, erwarte ich doch auch einen Prototypen, dazu einen Überblick was die Entwicklung bis zur Serienreife kostet und welche Marktziele erreichbar scheinen. Ich will ja gar nicht den Gewinn im ersten Jahr nach dem Start wissen, weil es den nicht geben kann.
Wir müssen zurück in die Garage. Raus aus der bel étage in der die Auswahl der richtigen Kaffeemaschine mehr Zeit frisst als das Produkt.
Es wird in meinen Augen auch zu viel darüber nachgedacht, wie man mit neuen Schläuchen in einem bekannten Markt reinkommt, und zu wenig überlegt, wie vielleicht ein neuer Markt aussehen könnte, den man dann eben mit einem Produkt alleine und erstmals besetzt und aufbaut.