Erinnerungen an den Dotcom-Crash: Umsatz interessiert Facebook nicht
Heute morgen hatte ich ein Déjà-vu. Beim Blick in die “FAZ” kamen Erinnerung an die schlimmsten Zeiten kurz vor dem Dotcom-Crash hoch, als mit Verve das Geld verbrannt wurde und Begriffe wie Erlöse und Gewinne aus dem Wörterbuch der Absurditäten zu kommen schienen. Matt Cohler, Vizepräsident von Facebook, macht jedenfalls keinen Hehl daraus, dass ihn Grundprinzipien des Wirtschaftes derzeit wenig interessieren. “Facebook ist zurzeit nicht an Werbung oder Umsatz in Deutschland interessiert“, zitiert ihn die “FAZ”.
So verklausuliert man das Eingeständnis des Scheitern. So reagieren kleine Kinder, wenn das erhoffte Weihnachtsgeschenk ausbleibt: Will ich doch eh nicht. Die alleinige Fokussierung auf das Wachstum der Nutzerzahlen gleicht denn auch dem Versuch, Potemkinische Dörfer als Ziel der Städteplanung zu verkaufen. Es ist zugleich der Versuch, kritische Fragen nach dem Geschäftsmodel für Deutschland abzubügeln. Eine Haltung, die man sonst nur von blauäugigen Start-ups vor der nächsten Finanzierungsrunde hört. Nicht aber von einem Unternehmen erwartet, dass als einer der Marktführer den Markt mit voranbringen muss.
Offenbar hat Facebook in Deutschland weitaus mehr Probleme Fuß zu fassen, als zugegeben wird. Denn global gesehen ist der Community der Umsatz nicht gänzlich gleichgültig. Sonst würde der 2007er-Umsatz von rund 150 Millionen Dollar nicht für 2008 mit rund 300 Millionen Dollar in die Höhe prognostiziert.
Es könnte sich zugleich als strategischer Fehler für den hiesigen Markt erweisen, dass sich Facebook gegenüber Unternehmen und Agenturen nicht als kompetenter Partner für die Markenbildung in Communities positioniert. Denn Optionen für die Werbung in Communities und damit Erlösmöglichkeiten gibt es auch jenseits langweiliger Banner genug.
Beispiele:
Gebrandete Widgets und Applikationen
- Sponsoring von Gruppen
- Presented Entertainment
- Online-Events und VIP-Gruppen
- Verkaufskanäle und virtuelle Marktplätze (Social Shopping)
- Dienstleister bei der Umsetzung kollaborativer und dialogorientierter Elemente
Das sind in Teilen auch Elemente, die Facebook in den USA anbietet. Das Desinteresse, diese Optionen auch hierzulande voranzubringen und den Kunden werberelevant zugeschnittene Zielgruppen und professionell paketierte Lösungen zu präsentieren, kann letztlich also nur eines bedeuten: Facebook versteht den hiesigen Markt und den hiesigen Kunden nicht. Ohne ein Office und gar ohne ein Werbeteam in Deutschland wird es das auch nie. Es hilft eben nicht, die User nur regional nutzbare Applikationen programmieren zu lassen.
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