Spießer Alfons: Scheinheilige Saftsäcke
Alfons entdeckte Neues im Kühlregal: 250-ml-Fläschchen aus Kunststoff, in denen „innocent“ verkauft wird. Unterzeile: „Smoothie: Obst zum Trinken“. Und die innocent GmbH, Hamburg, vermerkt auf der Rückseite ihrer Getränkefläschchen: „Wir versprechen, dass unsere Smoothies Dir immer gut schmecken werden. Wir versprechen, dass wir niemals Konzentrate in unsere Smoothies mischen. Sonst kannst Du es unseren Müttern verraten.“
Spießer Alfons hat „Mango & Maracuja“ gekauft mit der kleinen Unterzeile: „mit Apfel, Banane und Organge“. Außerdem: „Brombeere, Himbeere & Boysenbeere“ mit der kleinen Unterzeile: „mit Apfel, Banane und Weintrauben“.
Daheim hat der Spießer festgestellt: Bei „Mango & Maracuja“ sind 45% gepresste Äpfel drin, aber nur 23 % „gemahlene Mango“, wie immer diese Mango auch gemahlen sein mag. Und Maracuja, eine der Lieblingsfrüchte des Spießers, ist nur zu 5 % drin. Fünf Prozent!!! Dagegen ½ pürierte Banane = 13 % und ½ frische gepresste Orange = 12 %. Wäre das Etikett auf der Vorderseite ehrlich, dann müsste dort draufstehen: „Apfel & Mango“ und dann die restlichen Früchte in kleineren Lettern.
Ähnlich bei dem anderen Saft: 36 % gepresste Äpfel, 18 % pürierte Banane, 15 % gemahlene Himbeeren, 10 % gemahlene Boysenbeeren, 8% gemahlene Brombeeren, 7 % gepresste weiße Weintrauben, 4 % Orange. Ergo hätte auf dem Etikett groß stehen müssen: „Apfel & Banane“ und kleiner dann der Rest.
Fazit: Hier wird die edlere Frucht nach vorn gebracht, um das Besondere zu suggerieren und den Preis zu rechtfertigen. Damit wird die Abbildung auf dem Flaschenetikett bestätigt: Scheinheiligkeit. Und deshalb verrät der Spießer den Müttern der Jungunternehmer: Hier handelt es sich um einen Etikettenschwindel.
Spießiger Hinweis für alle Saftverkäufer: Nur, wo Hustensaft drauf steht, muss kein Husten drin sein!



















Find’ ich gut, wie du das in Günter-Wallraff-Manier aufgedeckt hast.
Vor allem, da mir der trendige Begriff “Smoothie” gehörig auf den Zeiger geht. Überall eröffnen Saftläden – per se schon ein Schimpfwort.
Wikipedia sagt: “Es gibt weder in Deutschland noch in den USA eine lebensmittelrechtliche Definition, welche Getränke als Smoothie bezeichnet werden dürfen und welche nicht.”
Und viel interessanter: “Die Banane bildet dabei häufig eine Grundzutat.” Klar, koss’ billig.
Was hat der gesunde Marketingspaß eigentlich gekostet?
Aber wer ächtet mal den Getränkehändler “trinkgut”. Der hat doch allen Ernstes als Slogan “Voll gut”. Da sag ich mal prost Bierchen!
http://www.trinkgut.de
@Chris
Hab’ den Kassenbon leider schon weggeworfen. Und ich kann mir Zahlen schlecht merken. Wenn ich wieder im SB-Markt bin, gucke ich mal nach – interessiert mich jetzt selber
Oh jee jetzt wird es wirklich spießig.
Dann müsste also auf Nutella nicht Haselnuss-Nougat-Creme stehen sondern Fett & Zucker?
Hilfe!
@ Patrick Breitenbach
Ja, und auf den Bierflaschen müsste “Wasser” stehen.
Du vergleichst Äpfel mit Rüben.
Ich bin jetzt kein Experte in Sachen Lebensmittelrecht.
Aber die Frage ist doch, wie es schmeckt:
Schmeckts nach Äpfeln steht Apfelsaft drauf, auch wenn alles aus Bananensaft gemacht wird.
Schmeckts nach Maracuja-Mango steht halt Maracuja-Mango drauf.
Bedenklicher ist doch, dass überall geworben wird, wie toll Smoothies sind – dabei ist das doch reine Geldmacherei und Kundenverallerwerteste:
http://www.abgespeist.de/fruit.....x_ger.html
@ Pixel
Wenn’s aus Bananensaft gemacht wird und nach Äpfeln schmeckt, dann müsste aber “Retorte” drauf stehen!
Die Mischung “Brombeere, Himbeere & Boysenbeere” schmeckt vornehmlich nach Apfelmus. Auf der Rückseite des Etiketts steht übrigens: “Wir versprechen, dass unsere Smoothies Dir immer gut schmecken werden. Wir versprechen, dass wir niemals Konzentrate in unsere Smoothies mischen. Und dass wir niemals in der Nase bohren.”
Klingt doch wie ‘ne Verarsche, das mit dem Nasebohren, oder…?!
Ist doch bei Katzen- und Hundefutter z.B. genau so:
Die angegebene Sorte ist fast immer nur zu 4% zwischen den Schlachtabfällen versteckt…
Zum Nasebohren: Könnten ja auch draufschreiben, dass sie neimals NPD wählen oder zu Scientology gehen… (SCNR)
schmecken tun die trotzdem irgendwie. da kommt man nicht gegen an. preislich liegen die allerdings tatsächlich recht knackig. wollte die dinger mal an der tankstelle kaufen und habe ein wenig geschluckt.
Hallo in die Runde,
ich bin Christian und ich schreibe für innocent einen Großteil der Texte. Das mit dem Nasebohren hab ich geschrieben. Und dass wir niemals zur NPD oder Scientology gehen würden, wissen doch schon alle. Wir wollen den Leuten schon etwas Neues erzählen.
Wir benennen unseren Smoothie nach den Zutaten, nach denen er auch schmeckt. Alles andere wäre doch Etikettenschwindel. Unsere Küche versucht, ausgewogene Rezepte zu mixen. Deshalb kommt in die Smoothies auch immer eine ganze Menge von unterschiedlichen Früchten rein. Um die Käufer über die Zutaten nicht im Unklaren zu lassen, gibt es diese kleine Unterzeile.
Ist doch voll logisch.
@ Christian
Das mit dem “Nase bohren” empfinde ich nicht als witzig, sondern als eklig, ganz besonders im Zusammenhang mit Lebensmitteln.
Ansonsten: Betexte die Etiketten ehrlich, nicht vorne “hui!” und hinten “pfui”, wenn Du weißt, was ich damit sagen will.
Und Du meinst, das mit dem “Nicht-in-der-Nase-bohren” wusste noch keiner im Gegensatz zu NPD und Scientology…?
@ Joewe
Und während in jedem Obstkuchen immer Obst ist, sind im Hundekuchen gar keine Hunde drin. (Entschuldige den Kalauer, aber mir fiel gerade nichts Besseres ein!
)
@ Alfons
Es mag sein, dass das mit dem Nasebohren nicht jeden anspricht. Deshalb habe ich auch nicht geschrieben “und dass wir nicht ins Schwimmbecken pinkeln”, was kurzfristig eine Option war. Eigentlich müssten wir diese Sachen gar nicht schreiben. Da könnte auch einfach stehen: “Dieser frisch-fruchtige, natürlich-spritzige Smoothie … bla … bla … bla”. Ich find’s super, dass wir sowas nicht machen.
Wie gesagt gefällt das nicht immer jedem. Ich mache einen Bogen um Zielgruppentypologien und den ganzen Sermon, aber wir bekommen eine Menge E-Mails, Post und Anrufe auf dem Bananafon wegen unserer Texte. Es ist halt etwas anderes, wenn man eine Firma einfach anrufen kann und eine Viertelstunde mit den Kollegen dort plaudern kann.
Auf die Sortenauslobung (wie das im Marketingsprech heisst) habe ich leider keinen Einfluss. Tatsächlich finde ich keinesfalls, dass wir da einen auf “hui” machen und “pfui” bieten. Ich persönlich kenne keine Firma, die so viel Aufwand treibt, um an gutes Obst zu kommen.
Du kannst ja gerne mal herkommen und Dir unseren Saftladen anschauen.
Liebe Grüße
Christian
Ich finde das wirklich gut getextet. “Und dass wir niemals in der Nase bohren” ist doch ziemlich humorvoll – das erwartet man einfach nicht. Das funktioniert bei jungen/sich jung fühlenden Zielgruppen.
@ ghdt – genau, die McDoofen! Noch witziger wäre: “Wir haben auch nicht in die Flaschen gepinkelt!” (Ich könnt’ mich nass machen!
… und zu DDR-Zeiten gab es immer Ananasmarmelade, wo dann unter Inhaltsstoffen stand: “auf der Basis von Kürbis”!
Tja, Not macht erfinderisch und später macht mensch Geld daraus.