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Spießer Alfons: Requiem auf eine alte Sexberaterin & Klatschtante

19. Juni 2008
von

Die REVUE, die anno dunnemals mit NEUE ILLUSTRIERTE vereinigt worden war zu NEUE REVUE und das NEUE vor nicht langer Zeit wieder abgelegt hat — diese REVUE gibt’s nicht mehr. Das Ableben berührt den Spießer ein bisschen mehr als bei anderen Titeln, weil Alfons diese klassische Illustrierte weit über ein Jahrzehnt lang werblich betreut und sogar seinen eigenen Kopf als Testimonial im Rahmen einer Fachkampagne hingehalten hat — siehe die Abbildung!nr.jpg

(Zur Erläuterung der Anzeige: Der STERN hatte damals geworben, dass Werber, wenn sie sich gegenseitig ärgern wollen, im STERN inserieren müssen. Woraufhin NEUE REVUE den Unterschied zwischen Point of Nail und Point of Sale angezeigt und geworben hat: Wenn Sie 3,7 Millionen Konsumenten bewegen wollen, das zu tun, was Ziel und Zweck der Werbung ist, dann inserieren Sie in NEUE REVUE und ärgern damit lieber Ihre Wettbewerber an der Ladenkasse!)

Waran ist die REVUE gestorben? Kurz gesagt: am Image. Das Image dieser Boulevard-Illustrierten, die als Oswalt-Kolle-Sex-Blatt berühmt wurde und Erika Berger entdeckt hat, die Gattin des damaligen Chefredakteurs Richard Mahkorn, diese klassische Illustrierte ist seit gut einem Jahrzehnt in den Keller gerutscht, weil man nach der Sex-Welle nie mehr so recht wusste, wohin. Der Weg zum KlatschPeople-Magazin war richtig, aaaber: Das alte Image stand im Wege. Und eine Werbekampagne, die ein über Jahre gewachsenes Image, verändern soll, kostet immens viel Kohle und lohnt sich nur, so lange sich das Anzeigengeschäft lohnt. Und das war bei NEUE REVUE schon lange nicht mehr der Fall.

Die genialste Werbeidee für sein Blatt hatte Verleger Heinz Bauer himself: Im Jahre 1987 ließ er André Heller das Kunstprojekt „Luna-Luna“ in Hamburg für NEUE REVUE inszenieren. Ein Super-Event, ganz speziell für das Anzeigengeschäft. Aber es war leider nur eine Aktion für begrenzte Zeit, die keine Fortsetzung gefunden hat.

Besser wäre es gewesen, das Magazin schon einzustellen vor dem Antritt von Chefredakteur Peter Bartels, dem alten BILD-Haudegen, der mit seinen Kumpels von früher nur die eigene Vergangenheit bewältigt und das Blatt vollends runtergewirtschaftet hat. Der Verlag hätte damals mit derselben Redaktionsmannschaft unter einem passenden Chefredakteur ein ähnliches Klatschkonzept machen können, wie BUNTE es schon seit Jahrzehnten erfolgreich fährt. Allerdings: mit neuem, unbelasteten Namen! Und mit einer guten Einführungswerbung, hätte man vor einem Jahrzehnt nicht nur Leser-, sondern auch Anzeigenkunden erreichen und überzeugen können.

Nun ja, hinterher ist man immer klüger. Bloß: Alfons hat das schon immer vorher gesagt.

Mit den neuen Titeln „inTouch“ und „Life & Style“ geht Bauer nun einen Parallelweg auf dem Klatsch-People-Markt. Ein bisschen spät, aber besser als gar nicht.

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Kommentar zu “ Spießer Alfons: Requiem auf eine alte Sexberaterin & Klatschtante ”

  1. Peter am 22. Juni 2008 um 14:22 Uhr

    Revue wird am Kiosk ersetzt durch die Lücke, die diese Zeitschrift reißt ;)

ivw