Spießer Alfons: Die Sprüche des Dieter Bohlen
Wenn der Werbegestalter, der kreative, am Ende seiner Schöpfungskraft angelangt sind, weil die Vorstellungen des Kunden wieder mal identisch sind mit der Forderung, das Perpetuum mobile zu erfinden — ja, was machen sie dann, die Helden der Agentur, zumal wenn der Präsentationstermin kurz bevorsteht? Klar, sie schöpfen aus dem Vollen, indem sie einen Joker aus der Schublade holen. Und dieser Joker ist ein Prominenter, der als Präsenter herhalten soll, um a) den Kunden zu beeindrucken und b) was für die Marke zu tun. Letzteres kann, muss aber nicht der Fall sein.
Ein Promi, der für Werbungszwecke geeignet ist, muss grundsätzlich zwei Eigenschaften haben: 1. Relevant sein für das, wofür er seinen Kopf hinhält, und 2. sympathisch und glaubwürdig sein für die Zielgruppe, die von der Werbung angesprochen werden soll.
Dieter Bohlen ist ein Prominenter. Und „Becel pro-activ“ ist ein Produkt in der Zielgruppe: Menschen, die auf ihren Cholesterinspiegel achten. Das sind vorzugsweise Personen, die im Alter sind von Dieter Bohlen. Passt also. Und genau in dieser Alters- und Zielgruppe gilt der Popp Pop-Titan als überaus sympathisch, ist Vorbild für das eigene Tun. (Ausgenommen beim Bürgermeister von Bremen; aber der hat ja keine Probleme mit seinem Cholesterin!)
Wenn Dieter Bohlen also für „Becel pro activ“ werblich aktiv wird, dann werden alle Zuschauer von DSDS seine Werbesprüche geil finden und im SB-Markt nach der besagten Margarine greifen und nicht nach Rama oder Butter.
So einfach geht Werbung, man muss nur die richtige Promi-Idee haben.
Was den Spießer allerdings wundert: Warum ist sie noch nicht in BILD erschienen, die große Serie: „Dieter Bohlen verrät BILD-Lesern, wie er sein Testosteron Cholesterin gesenkt hat!“…? Stimmt da eventuell etwas nicht mit dem Wert…?












Es ist eigentlich sehr sehr sehr selten, dass eine Agentur eine “Promi-Idee” vorschlägt. In der Realität ist es fast immer der Kunde, der sich einen gewissen Promi wünscht.
So langsam…, ächz.
So langsam wünsche ich mir ein Blog, das nicht nur die Werber prügelt, ähm aufspießt, sondern ihre Abnicker und Auftraggeber. Immer nur die Werber/Texter/Kreativen, das ist langweilig. Das Ding ist System und es hat Methode. Alle in ein’n Sack, Amen.
Muss das nicht ’3-Wochen-Aktion’ heißen?
@ Dierk
Kommt auf die Betonung an: 3 Wochen Aktion. Oder: (eine) 3-Wochen-Aktion
@ Vroni
Spieße ich die Agentur auf, dann treffe ich den Kunden – so oder so.
Spieße ich den Kunden auf, dann treffe ich die Agentur – so oder so.
Aus Agentursicht ist es immer der Kunde, der die schlechte Kampagne gewollt hat. Die Agentur hat immer nur das Beste vorgeschlagen. Aber wie das Schicksal so spielt: Die Werber sind jung und brauchen das Geld.
@vroni
@Spießer Alfons
Vielleicht sollte man einfach mal überlegen, ob wir nicht hin und wieder gleich den Richtigen aus dem Sack ziehen. Den Marketingchef nämlich, der Briefing und Endergebnis zu verantworten hat. Wird aber im Einzelfall schwierig sein herauszufinden, wie bspw. bei einem Laden wie Unilever mit seinen endlosen Hierachieebenen, auf welcher Entscheiderebene da der Daumen gehoben wurde.
@ Olaf
Ist ganz einfach: Wenn die Kampagne gut ist, dann war’s die Agentur. Ist sie schlecht, dann war’s der Kunde.
Notabene: Alfons ist ein Spießer, der die Werbung auch als Konsument betrachtet. Und der ist halt so naiv zu glauben, dass Werbung von Werbeagenturen gemacht wird. Das behaupten die Agenturen auch immer – frag mal in Cannes, Berlin oder Miami!
Dass jeder Kunde die Werbung bekommt, die er haben will und für die er letztendlich auch die Verantwortung trägt, ist doch klar. Sonst würde er ja seine Agentur wechseln.
@ Spießer
Stimmt, der Konsument ist in der Regel wirklich naiv, was die Hintergründe von Werbung angeht. Sieht der Konsument eine Werbung, die er langweilig findet, denkt er, der Werbeagentur ist nichts Besseres eingefallen. Hat ein Unternehmen einen unverständlichen englischen Claim (“Slogan” würde der Konsument wohl sagen), dann muss das wohl am Werbetexter liegen. Und spielt ein Testimonial mit, dann ist das auch eine Idee der Werbeagentur.
Das ist das gute Recht des Konsumenten, die Dinge so vereinfacht zu sehen.
Aber muss man diese naive Sichtweise in einem Blog für “marketing, webung und medien” immer so eins zu eins übernehmen?
Genau: Was interessiert Fachleute aus Werbeagenturen denn die Meinung von Verbrauchern zur Werbung!
@ Spießer
Die Meinung von Verbrauchern zur Werbung interessiert mich schon. Die Meinung eines Kolumnisten, der behauptet, die Meinung der Verbraucher zu vertreten und sich dabei absichtlich doof stellt, weniger.
@ Ex M
Ich finde es echt toll von Dir, dass Du alle meine Beiträge so aufmerksam liest und ständig kommentierst
@ Spießer
“…ist doch klar. Sonst würde er ja seine Agentur wechseln.”
So klar ist das gar nicht. Möglicherweise herrscht im System Agentur-Kunde-Entscheiderebenen unhinterfragt der Glaube vor (dieser Verdacht verstärkt sich bei mir jedenfalls von Jahr zu Jahr) , dass Werbung halt so sein müsse; werbisch, dümmlich. Und “emotional” wird mit “braucht keine Substanz” verwechselt. Nach dem Motto: Es gibt eh keine Alternative. Sonst wärs noch was viel Schlimmeres: PR-Sprech oder Corporate-Babbel.
Kann also an den Prämissen, den impliziten Annahmen, den Glaubenssätzen dieses Systems liegen:
Also machen sie alle ungefragt das Gleiche und der Werbekunde verlangt ebenfalls nie was anders.
Kann doch sein. list-modus aus.
@ Ex M
“Aber muss man diese naive Sichtweise in einem Blog für “marketing, webung und medien” immer so eins zu eins übernehmen?”
Das erste Mal, dass ich Ex M recht geben muss.
Doch der Grund, weshalb Alfons das macht, ist klar wie Kloßbrüh:
Provokative Vereinfachungen sichern ihm polarisierende Debatten. Sonst wär hier tote Hose. Insofern machts Alfons dann wieder richtig. Gell, Alfons? *duck*
@ Vroni
„An dieser Stelle finden Sie die ziemlich überhebliche und völlig unmaßgebliche Meinung eines Spießers, von der sich nicht nur die Redaktion, sondern auch der Verfasser selbst in aller Form distanzieren möchte. Spießer Alfons: HIS WORD IS A MESSAGE!“
Und nun zur Sache: Wie gefällt Dir eigentlich Dieter Bohlen…?
Pidde wer?
@ Vroni
Womit Du die Richtigkeit der Werbung voll bestätigst: Dein Cholesterin-Wert ist im Normalbereich!