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Klage: Facebook karrt StudiVZ vor US-Gericht

19. Juli 2008
von

Das US-Netzwerk Facebook verklagt die deutsche Community StudiVZ wegen Ideendiebstahls. Genauer wegen: „Copying the look, feel, features and service“. Es wirkt wie ein Eingeständnis des Scheiterns. Facebook kommt in Deutschland am Platzhirsch StudiVZ nicht vorbei, wächst hierzulande langsamer als erwartet. Blau ist längst nicht so sexy wie Rot. Die Klage vor einem kalifornischen Gericht ist weniger das Ergebnis plötzlich aufgetauchter neuer Erkenntnisse, sondern nur eine neue Runde im Poker um die Vorherrschaft im Markt und 10 Millionen Nutzer im Netz von StudiVZ, SchuelerVZ und MeinVZ. (Facebook ca. 1 Mio in D). Doch die juristische Blutgrätsche ist keine reine Verzweifelungstat.

Gespräche zwischen dem Management beider Netzwerke gab es in den vergangenen xstudivz.jpgJahren immer wieder. Schon 2006 wollte Facebook StudiVZ für 5 Prozent seiner Anteile kaufen. Daraus wurde nichts. Holtzbrinck sackte die Community ein.

Ein Mann, der die damalige Verhandlungen mit Facebook durch ungeschickte Forderungen erschwert haben soll, könnte auch nun zum Fallbeil für StudiVZ werden. StudiVZ-Gründer Ehssan Dariani, dessen notorische Eskapaden der Marke schon in der Vergangenheit schadeten, könnte Facebook als wichtiger Zeuge dienen. (Dariani: „Wir haben uns anfangs an einem erprobten Model orientiert.“ )

xfacebook.jpgFest steht: In den vergangenen zwei Jahren hat Facebook sich nicht am vermeintlichen Copycat gestört, ließ das Klonschaf, trotz bekannter Verdachtsmomente weiter auf der Communnity-Wiese weiden. Folgt nun die Schlachtung als letzter Ausweg, bevor die europäische Expansion von StudiVZ Facebook noch mehr schadet ?

Pikant: Die Samwer-Brüder (Alando, Jamba) waren einst auch bei StudiVZ mit an Bord, verkauften ihre Anteile aber an Holtzbrinck. Die drei Brüder Oliver, Alexander und Marc investierten inzwischen bei Facebook, sollen eigentlich das Wachstum hierzulande voranbringen.
Die Samwers könnten zum Risiko für StudiVZ vor Gericht werden: Was wissen sie über gerichtsverwertbare Beweise? Was dürfen, was können sie sagen? Lässt sich die Ähnlichkeit auch anhand von Programmcodes, bei denen schon in der Vergangenheit Ähnlichkeiten ruchbar wurden, gerichtsverwertbar belegen?

Fest steht auch : Mit der Klage hat Facebook den Einsatz erhöht. Denn Gespräche zwischen beiden Seiten in den vergangenen Wochen verliefen im Sande. Offenbar wollte man sich bei StudiVZ nicht bluffen lassen.
Nun muss jedenfalls StudiVZ regieren und sich zu den Vorwürfen äußern oder seine Website umzubauen. Letzteres ist natürlich Kokolores, weder technisch machbar, noch angesichts der umfassenden Vorwürfe sinnvoll.

Angesichts der kostspieligen US-Gerichte scheint es derzeit nur zwei Alternativen zu geben. Ein Vergleich, der für StudiVZ fast schon einem Sieg gleichkäme, das bislang alles andere als gewinnträchtige Projekt für Holtzbrinck aber nochmals verteuern würde. Oder eine Einstellung des Verfahrens, weil StudiVZ an Facebook verkauft wird. Wobei Facebook durch einen Prozess den Preis drücken könnte.

StudiVZ sollte jedenfalls vorgewarnt sein: Facebook hat inzwischen Erfahrung in Plagiatsprozessen und gerade erst einen Rechtsstreit mit ConnectU beendet. Die Macher von ConnectU hatte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg verklagt: Grund: Ideendiebstahl: Facebook bewies in dem vier Jahre andauernden Prozess nicht nur langen Atem, sondern auch Raffinesse: Für den Vergleich hatte Facebook sich offenbar sogar arm gerechnet.

Möglich aber auch, dass Facebook nun von allen guten Geistern verlassen ist, und ein Exempel statuieren will. Die Karthago-Lösung, um alle Copycats von China bis Patagonien das Fürchten zu lehren und in die Knie zu zwingen. Denn Facebook wird sie nicht alle einzeln verklagen können, zu teuer, zu langwierig.

Quasi die gute alte Strategie des Bill Gates Web 1.0: Wenn du sie nicht besiegen kannst, verklag sie in Grund und Boden.

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Kommentare zu “ Klage: Facebook karrt StudiVZ vor US-Gericht ”

  1. Michael Bahr am 20. Juli 2008 um 11:26 Uhr

    Was geht den da ab. studiVZ hat ja schon eine unglaubliche Ähnlichkeit. Ich finde Facebook sollte gewinnen, obwohl ich nicht da angemeldet bin. Eine Art Gerechtigkeit muss es ja geben. Es ist einfach eine schlecht gemachte Kopie.

  2. Oscar am 21. Juli 2008 um 13:35 Uhr

    Wenn ich mir die Überschrift genau anschaue:

    Wusste gar nicht, dass man vor Gericht gekarrt wird.

    Hieß das nicht eher “vor Gericht zerren”?

  3. OlafKolbrueck am 21. Juli 2008 um 15:18 Uhr

    @Oscar
    Stimmt. Vors Gericht gekarrt wird seltener. Sollte aber auch gehen. ist auf einem karren vielleicht bequemer. ;-)

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