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Spießer Alfons: Offener Brief an Mike Krüger wg. Hagebaumarkt u. a.

19. Juli 2008
von

Lieber Mike Krüger —

hagebau.jpgHeute war Spießer Alfons im Hagebaumarkt, für den Du doch immer so witzige Reklame machst. Alfons fand es aber gar nicht witzig heute bei Hagebau! Der Spießer hatte nämlich die Absicht, gemeinsam mit seinem Freund Jens eine Duschwand für eine Badewanne zu kaufen. Die gab es auch bei Hagebau, sogar in diversen Alternativen. Eine davon wollte Alfons sofort käuflich erwerben und gleich mitnehmen. War aber nicht möglich. Es war keine Wand da zum Gleichmitnehmen. Nur zu bestellen waren sie, und zwar alle! Lieferbar in zehn Tagen — wenn es denn klappt, so der Verkäufer, der in diesem Fall gar kein Verkäufer gewesen ist.

Warum in einem Abholmarkt solche Alltagssachen nicht vorrätig hat, wollte der Spießer vom Verkäufer wissen. Der erklärte, es läge nicht an ihm; sein Chef will das aber nicht. Vermutlich, weil die Lagerkosten zu hoch sind. Darum ist der Baumarkt lieber ein Austellungsmarkt zum Bestellen. Wer aber bestellen will, der geht nicht in einen Baumarkt!

So ging Alfons denn ein paar Schritte weiter. Zum Toom-Baumarkt, der sich jetzt WOW! nennt, was umgedreht MOM heißt. Da waren auch verschiedene Duschwände ausgestellt. Alle zum Bestellen, lieferbar in ca. 14 Tagen. Nur eine sollte am Lager sein. Die war aber leider nicht vorrätig. WOW!

Weiterfahrt zum Praktiker-Baumarkt, wo der Preis spricht und wo es keine Rabatte auf Tiernahrung gibt. Immerhin gab es eine Duschwand, und diese sogar mehrfach. Das Ding war allerdings ein klappriges Billigteil, das der Spießer nicht wollte.

Nächste Station in derselben Straße schräg gegenüber: Max Bahr. Nirgendwo zu finden waren Duschwände als Aufsatz für Badewannen. Also Verkäufer gefragt. Der zeigte dem Spießer das Versteck im Regal, wo dasselbe Modell ein halbes Dutzend mal zu finden war. Es war nicht das optimalste, aber der Spießer kaufte es, zumal es nur 99 Euro kosten sollte und kein weiterer Baumarkt in nächster Umgebung ansässig ist.

An der Ladenkasse: „Macht 139 Euro!“, sagte die Kassiererin. Alfons stutzte und Freund Jens entgegnete: „Der Verkäufer hat aber gesagt, die Wand kostet 99 Euro!“ Ungläubiger Blick der Dame, danach diverse Telefonate durch den Baumarkt. Es bildete sich eine Schlange an der Kasse. Endlich die erlösende Bestätigung: 99 Euro. Die Dame fand kein Wort der Entschuldigung sondern kassierte mürrisch den Betrag.

Warum Spießer Alfons das schreibt, lieber Mike? Weil er das mal gesagt haben wollte. Und wenn er die Werbung von Hagebau, Toom, Praktiker und Max Bahr sieht und hört, dann denkt der spießige Kunde: Ihr könnt mich alle mal — ich bestelle lieber im Internet! Erstens spare ich viel Zeit und teuren Sprit, zweitens kann ich dabei sogar Preise vergleichen. Und drittens bekomme ich das Teil auch noch bequem in die eigene Hütte geliefert. Also, Mike, mach lieber lustige Musik statt den Nippel durch die Werbelasche zu ziehen!

Du willst wissen, warum Alfons gerade an Dich schreibt, obwohl die anderen Märkte doch auch nicht besser sind? Ganz einfach: Hagebau ist der einzige, der ein bekanntes Gesicht hat, nämlich Deines! Und in anderen Baumärkten muss man zuständige Verkäufer erst ausrufen lassen.

Viele Grüße
Dein Alfons

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Kommentare zu “ Spießer Alfons: Offener Brief an Mike Krüger wg. Hagebaumarkt u. a. ”

  1. KMTO am 19. Juli 2008 um 20:57 Uhr

    Schon witzig, daß rechts die ganzen Google Baumarkt Anzeigen stehen… Perfekt getargetettet…

  2. Dierk am 19. Juli 2008 um 21:20 Uhr

    ‘Optimalste’?

    Ach ja, kein Obi in deiner Nähe? Und nein, ich wüsste im Moment auch keinen in Lachstadt.

  3. Spießer Alfons am 19. Juli 2008 um 22:21 Uhr

    @ Dierk

    Grundsätzlich hast Du Recht. ;) Aber mein Freund, der DUDEN, gesteht uns Schreibern zu: “Es heißt also z. B.: „Das ist die optimale (nicht: optimalste) Lösung.” „Wir waren die einzigen (nicht: einzigsten) Gäste.” Doch auch diese Adjektivgruppen können gelegentlich gesteigert werden, weil aus bestimmten Gründen der höchste oder geringste Grad noch verstärkt werden soll: privateste Angelegenheit, extremste Richtung, vollste Diskretion.”

  4. Stefan Winterbauer am 19. Juli 2008 um 23:03 Uhr

    Ein Erlebnis, das ich so oder so ähnlich auch schon am eigenen Leib erfahren durfte. Baumärkte sind leider kaum noch konkurrenzfähig mit Online-Angeboten und verkommen, wie viele Ketten, zu reinen Waren-Schauhäusern. Man geht hin, fingert die Ware in echt an, um die Haptik zu befriedigen, anschließend vergleicht man im Internet Preise und bestellt möglichst versandkostenfrei. Wenn sich die Ladenketten nicht bald mal auf die Stärken ihrer Präsenz in der Offline-Welt besinnen, wird es bald für einige düster aussehn. Hier eine kleine Geschichte, wie aus den genannten Gründen der Kauf eines Gartenstuhl-Sets bei Hagebau nicht zustande kam: http://konsumenten-blog.de/200.....ndentreue/

  5. Dierk am 20. Juli 2008 um 10:06 Uhr

    Tja dass gute Wörterbücher und Grammatiken beschreibend und nicht vorschreibend sind, finde ich vollkommen i.O. Heißt das aber, dass der, der es besser weiß, sich dem Plebs beugen muss?

    Wenn Superlative steigerbar sind, wie sieht das dann mit Elativen aus?

    PS: Weder die alte Duden Grammatik [1998] noch der Duden Band 9 in seiner 5.Auflage von 2001 haben was zum Superlativieren des Superlativ zu sagen.

  6. Spießer Alfons am 20. Juli 2008 um 10:21 Uhr

    @ Dierk

    Ich habe die Duden-Redaktion zitiert. Und im Duden findest Du z. B. auch den Hinweis auf das “allergrößte” Vergnügen. Steigerungsform also: groß, größer, am größten, am allergrößten.”

    Und beim Elativ “beste”: Die beste Mutter; die allerbeste Mutter ;)

    Ich pflichte Dir bei: Wenn der Volksmund lange genug etwas falsch spricht, übernimmt es der Duden als “amtlich”. Zum Beispiel die Redewendung: “Aus aller Herren Ländern”. Da darf man auch “Länder” sagen, obwohl das grammatikalisch falsch ist, würde es in der Umkehr doch bedeuten: Aus den Länder aller Herren.

  7. Vroni am 20. Juli 2008 um 13:13 Uhr

    Lieber Spießer,
    als alte Heimwerkerin möchte ich anmerken, dass mit dem Zuladen einer Palette Ytong-Bausteine, Rotbund-Putzgips, oder kompletter Badewannen oder auch Duschwände ein normaler PKW oft leicht überfordert ist. Nicht jeder nennt einen Sprinter oder Transit sein eigen (außer Profi-Handwerker).

    Zukunftstheorie:
    Das in den Heimwerkermarkt einfallen und das ersehnteTeil gleich nach Steinzeitlerart gleich rausschleifen ist zwar lustig, wird aber in Zukunft unattraktiver werden, weil immer mehr Leute entweder gleich auf den PKW verzichten (in der Stadt) oder auf kleinere Autos umsteigen. Dann wird Bestellen und liefern lassen deutlich attraktiver.

    Zum Internet:
    Ich bin der Meinung, dass ein Baumarkt sehr wohl eine real life Austellungs-Ecke werden darf. Genau wegen der Haptik. Und genau diese Hölzer, dieses Glas bestelle ich dann auch bei diesem Baumarkt im Internet.

    Aber nicht bei einem anderen, der nur im Internet ist. Denn bei dem sind die Abmaße möglicherweise etwas anders, das Holz fühlt sich anders an… etc.

  8. Spießer Alfons am 20. Juli 2008 um 13:42 Uhr

    @ Vroni

    Danke schön für die sachdienlichen Hinweise! ;) Dazu folgende Antworten: Die Duschwand hatte Platz im normalen PKW (Golf) meines Freundes.

    Du bist eine Ausnahme; die meisten Leute gehen in den Baumarkt (bzw. MediaMarkt etc.) schauen sich die Produkte an, lassen sich alles schön vorführen und erklären und verabschieden sich mit den Worten: “Muss ich mir noch mal überlegen!”

    Und dann gehen sie heim und suchen nach dem ausgeguckten Produkt im Internet. Nicht nur nach einem Lieferanten, sondern in erster Linie unter “Preisvergleiche” nach dem billigsten. Und dort bestellen sie dann. Und der Baumarkt vor Ort guckt in die Röhre.

  9. Vroni am 20. Juli 2008 um 17:47 Uhr

    Die Holzhacker, die nur nach dem Billigsten suchen und denen wuscht ist, wie die Duschwand ist (lumpig dünn oder anständig, nettes Tropfenmusster oder fürs Putzen ungünstig quer gerippelt) die mögen gern sich Internet-Schrott bestellen.

    Nach 2 Jahren hauen Sie’s wieder raus (weil die Frau schimpft… :-) . War dann ein teuerer Kauf.

    Ich denke, Baumärkte dürfen weibliche Kundschaft nicht vergessen.
    Und die wollen die Lampe, die Türklinke, die Duschwand und die Holzmaserung des Parketts vorher sehen und anfühlen. Und geanu DAS kaufen/bestellen

    Bei genormten Schrauben und Allerweltskram, der wirklich überall gleich ist (Gartenschlauch, Spachtelmasse), stimmt das, was du sagst.

    Nicht ohne Grund wird OBI immer mehr zum Ausstellungsraum: Überall da, wo es mehr in Richtung Interieur, Stoffe und gestaltete Oberfläche geht. Duschwand war vielleicht für deine Argumentationsrichtung ein ungünstiges Beispiel :-)

    Der Baumarkt vor Ort wird nicht in die Röhre gucken, wenn er a) kein G’lump hat und b) wenn er ein kluges Online-Bestellsystem, das der Kunde gleich vor Ort im Baumarkt bedienen kann.

  10. Spießer Alfons am 20. Juli 2008 um 19:21 Uhr

    @ Vroni

    Missverständnis! Die (zumeist jungen Leute) gucken nicht nach Billigware, sondern danach, wo sie das, was sie gesehen haben, am günstigsten kaufen können. Dabei geht es natürlich um Markenprodukte, die man überall zu gleicher Qualität, aber zu unterschiedlichen Preisen bekommt. Und wenn so ein Kunde das Produkt dann bei Obi gesehen und gefühlt hat und hernach im Internet bei Billig-Maxe bestellt, dann guckt der Baumarkt in die Röhre.

  11. Vroni am 21. Juli 2008 um 15:36 Uhr

    @ Spießer

    Markenprodukte, ja dann.
    Das, gefühlt 100 Jahre alte, Mediamarkt-Problem aller maunzenden Fachhändler.

    (Ich persönlich würde aber dann auch nicht bei Billig-Internetmaxe bestellen. Wer weiß, in welchem Zustand das ankommt.)

    Nur: Sind Hagebau oder OBI noch “Fach”-händler oder nicht schon auch Kette, die alles haben (außer Katzenfutter) und mit Günstigpreisen ködern. Im Grund müssten solche locker gegen das Internet mithalten können.

  12. Heide am 21. Juli 2008 um 16:10 Uhr

    @Vroni
    Ich wünsche mir vom Baumarkt der Zukunft, dass ich die Ware dort ansehen, anfassen und ordern kann – und der Baumarkt mir die Ware innerhalb von max. 24 Stunden liefert, und nicht nur an die Haustür, sondern bis in die Wohnung – auch wenn diese im 5. Stock liegt … .

  13. Vroni am 21. Juli 2008 um 16:55 Uhr

    @ Spießer

    Was du alles wünschst… :-)

    Bis an die Haustür ist ja mega^^-Service, hüstel. Hatte erleben müssen, dass ein Fahrer (Sublieferant eines Baumarktes), versuchte, mir schwere, nässeempfindliche Baumarkt-Ware bei Regen (!) auf die Straße zu knallen.

    Das geht gar nicht. So können die natürlich nicht gegen das pöse Internet mithalten.

    Das ebenfalls nicht von Pappe ist. Verzögerte Lieferungen und billige Logistik-Dienstleister, Ware hastig ohne zu klingeln an der Haustür abgelegt und verschwunden/gestohlen. Brauch man nicht wirklich.

    Der Ungeist ist die Billigheimerei, ob real life oder Internet. Wenn die Logistik schlecht bezahlt wird, baut sie Scheiß. An dem liegt es. Überall. Muss klar sein.

  14. Spießer Alfons am 21. Juli 2008 um 16:57 Uhr

    Liebe @Vroni – schon wieder ein Missverständnis: Ich bin doch nicht die Heide, sondern ich bin der Alfons – huhu! ;)

  15. Vroni am 21. Juli 2008 um 17:03 Uhr

    Hab schon gemerkt, das du heut bloß twittern willst.
    :-)

ivw