Otto bloggt sich in die Mode
Unter den eher schwerfälligen Dickschiffen des Handels hat es der Versender Otto immer schon verstanden sich
vergleichsweise zügig zur Nutzung von Elementen des Web 2.0 aufzuraffen. Bewegtbilder mit Sylvie van der Vaart und Bikini-Tipps per Video, ein voreiliges aufsatteln auf eine dreidimensionale Vista-Shopping-Welt, User- Bewertungen zu Produkten, ein eher liebloser und kurzlebiger vorweihnachtlicher Otto-Blog mit Eva Padberg und nun ein Fashion-Blog. Der ist durchaus gediegen gemacht, schüttelt die üblichen Mode- und Lifestyle-Themen kräftig durch und hat sich personelles Know-how aus der Mode-Blog-Szene eingekauft. Für Twoforfashion scheint ein längere Lebensdauer eingeplant zu sein, als für die “bloggende” Eva Padberg. Der Otto-Blog wird gut erkennbar auf der Homepage angeteast und von zwei Bloggerinnen gefüllt. Zumindest Mahret Kupka, freiberufliche Modejournalistin, bloggte eh schon mit viel Augenfutter im lesenswerten Blog f&art .
Der Blog soll auch Inhalte aus der Modewelt von Otto transportieren. Das muss keine Sünde sein, wenn es denn gelingt, 
eine Balance zwischen klassischem Fashion-bloggen und Produktdarstellungen zu finden. Dafür müssen sich die beiden Autorinnen Kataloggesülze verschließen und auch durchaus einmal kritisch mit der Ware umgehen dürfen. Dann könnte es vielleicht funktionieren. Marketing-Chef Rainer Hillebrand verteilt zum Start jedenfalls erst einmal einen Freibrief, wie aus dem Lehrbuch zitiert: „Ein echter redaktioneller Mehrwert für den User kann nur durch eine unabhängige und authentische Berichterstattung generiert werden.”
Gerade auch mit Blick auf eine eher mainstreamigere Kundschaft könnte es dabei gelingen, zumindest den Eindruck eines flotteren Versenders zu entwickeln. Emotionalisierung nennt sich das bei Otto. Ein paar Einblicke in die Kundendenke wird man via Kommentare auch noch en passant mitnehmen können, sollten sich die Otto-Kunden nicht nur auf dem Bestellzettel als interaktiv erweisen. Absatzimpulse? Wer weiß. Als Produkt- und Marken-Blog wird der Blog das wohl leisten müssen. Früher oder später.
Otto wird damit nicht die Welt der Fashion-Blogs revolutionieren. Leser etablierter Blogs werden vielleicht eine Bogen um den Auftritt machen, weil er ihnen zu PR-verdächtig vorkommt. Otto-Normalverbraucher dürften Twoforfashion als erweitertes redaktionelles Angebot aber durchaus annehmen. Quasi als Kundenzeitung 2.0. Zumindest auf den ersten Blick wirkt das Projekt jedenfalls ambitionierter als die Blog-Totgeburt der Telekom. Aber das ist ja auch nicht schwer.
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