Kriegserlebnisse für 39,90
Wenn alte Männer von ihren Kriegserlebnissen berichten, ist das zumeist recht langweilig,
wenn sich nicht begnadete Erzähler sind. Das Buch 39,90 von Frederic Beigbeder war so ein Fall. Der Film 39,90 könnte so einer werden. Es passt, dass der so vermeintlich kritische und zynische Stoff bei Myspace als Trailer zu sehen ist.
Im Buch erzählte der Werber Frederic Beigbeder von seinen Heldentaten in der großen Werbenation Frankreich und so mancher deutsche Recke dachte: Ja, so war das damals, bevor alles den Bach runterging. Als man noch zwischen zwei Meetings auf Kundenkosten zum Quickie nach Paris flog, als an jedem Wochenende eine Party im Strandhaus in Sylt stattfand und die Kunden-Deadline am Montag nur ein vage formulierter höflicher Vorschlag war. Kreative waren die Könige der Welt. Wie bei Titanic, nur schwebten sie wirklich über den Dingen. Manchmal war es auch wie bei „Drei Männer im Schnee“. Aber das ist ein anderer Film.
Das Buch selbst war so ein die Frontbericht alter Herren. Einiges Wahres, manches zum Schmunzeln, der größte Teil langweiliges überdrehtes Heldengetue. Damals in den Ardennen und so. Nun also der Film zum Buch: wieder 39,90. Und wieder werden die Großväter in den Film gehen, um hinterher vom Krieg zu erzählen, die Enkel werden reingehen, um zu sehen, wie das damals war mit Sex, drugs und Rock’n’roll, wo doch heute vom schönen Dreiklang nur noch der iPod geblieben ist. Keine Zeit.
Und dann werden sie trotz Sneak-Kino-Bloggern rauskommen aus dem Kino, die Enkel, die alle „was mit Medien“ machen, im Büro noch Überstunden schieben beim Texten dieses verdammten Flyers und das wahrscheinlich spannender finden als den Film. Auch weil man sich das alles gar nicht mehr so recht vorstellen kann, mit den Drogen und so. Weil man selbst die paar Biere nach dem letzten BAC eine Woche lang bereut hat. Die Tanja hat man auch bereut, aber das ist eine andere Geschichte.
Jedenfalls wird man die fertige Copy dann schleunigst beim Chief Detonation Officer abgegeben, bevor er fragen kann, wie er war, der Film, um dann selbst zu erzählen, wie das denn war. Damals. Im Krieg. Mit den Frauen. Mit den Drogen. Den Meetings in Paris, zu denen der Kunde auf seine Kosten eingeflogen wurde, ja der Kunde, mit dem man jetzt immer im Bielefelder Bahnhof tagt.
Goldene Zeiten. Damals vor dem Bypass, vor der zweiten Scheidung, vor dem Entzug. Kriegsverletzungen. Auszuhalten. Bis die Ledernacken kamen. Die Numbercruncher. „Alles haben sie der Branche genommen, diese Controller“, wird er seufzen. „Und was ist uns geblieben? Ein bisschen Cannes und die Martinez-Bar.“ Aber dann wird er den Kopf heben und raunen. „Aber wir rächen uns. Jeden Tag. Mit der Werbung, die sie verdient haben.“
Ach ja, was wollte ich sagen? Den Trailer zum Film gibt es auch bei Youtube.
Noch ein paar Credits:
Filmstart: 31.Juli
Originaltitel: 99 francs
Regie: Jan Kounen
FSK: Ab 16













…also ich fand gestern die Vorstellung des Films in 3sat ganz spannend – aber ich bin ja auch kein Werbetexter … und fremde Kriegsgeschichten sind bekanntlich ja immer interessanter
Dieser Vorbericht liest sich ja schon wie ein abendfüllender Biergarten-Plausch zwischen den alten Haudegen und den multimedialen Newbies (für die nur diese Bier-Mix hype Getränke bitte) – ich würde wahrscheinlich auch gespannt den Geschichten von damals folgen
) und am Ende gehen wir dann alle nach hause und verabschieden uns mit den Worten…
ich bin gespannt auf den Film nach Buch (ja auch wir lesen noch manchmal – nicht nur in Blogs) und Hörbuch…
Haudegen: “Ach damals, glaub mir da war alles besser!” Newbie: “Ja da hast du bestimmt wie immer recht…noch ein Bier aufn Weg?” Haudegen: “Nee du lass mal lieber…”
*schöne Preview*
Was heißt hier alte Kämpfer.
Klischee-klischee: sexistisch, faul, macho, schlampert. Wie immer halt.
Nun ja , in der “guten alten Zeit” hat man die WerberInnen ja wirklich noch eher in der PoS oder der VkF-Unit oder beim Bildschirmtexttexten angetroffen als in der sexy TV-Sparte oder so.
Na du hast vielleicht ein altes Bild von Werberinnen.
Bisse auch Werbeopa.
Auch hier, Floillein Vloni: Arigato gozaimashta. Vielen Dank! Die Klischees bringt hier ja wohl nur eine voll zum Tragen, und das bist Du. [Quote]: “Wie immer halt” … – Ein größeres Cliché könnte es wohl kaum geben, n’est ce pas?!
[Wegen rüpelhaften Inhalts gelöscht. Admin]
Olaf hat kein “altes” Bild von Werberinneren, sondern ein Bild einer “alten Werberin” vor Augen, dünkt mich so.
@vroni
opa ist sogar faktisch korrekt.
Spirou,
guck mal Filme an. Wo Werber vorkommen.
Was siehst du da? Na?
Klischees. Und zwar nur.
Zeig mir einen Kinoflim, der halbwegs normal mit dieser Berufsgruppe umgeht.
Das ist das “wie immer halt”. Comprendere?
Aber da war halt ein echter spirou.
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Nein, don’t tell me things: Es gibt sehr wohl Filme, die nicht platt Klischees bemühen, z.B “Good Night, and Good Luck” (Reg. Clooney) z. B. über Journalisten.
Über Werber habe ich bis im Kino NUR falschen Mist gesehen, ob das jetzt mit Gary Grant oder was halbwegs Mittelneues von Diris Dörrie was (Film “Männer”, Uwe Ochsenknecht soll als verlotterter Künstlerbube ein smarter asshole Art Direktor werden, und wirds, klischeehafter gings nicht…
, danke Doris…
)
….bei anderen Filmen mit dem Thema Werbebranche fallen mir promt “Was Frauen wollen ein” und “Wie werde ich Ihn los in 10 Tagen” ein – meine Güte eher Frauenfilme? oder (na ja egal), da gehts dann ja auch um WerberInnen (erfolgreiche!)….
habe den film vorgestern (preview) gesehen.
ich sage es einfach mal ganz knapp: großartiger film, großartiger hauptdarsteller.
Habe mich gestern Nacht im Hamburger Abaton durch den Film gequält. Der ist nicht nur zum Kotzen, sondern der ist gequirlte Scheiße im Topf. Ausgeburt eines vom Koks geschädigten Gehirns. Hat mit der realen Werbewelt soviel zu tun wie BILD mit Wahrheit und ist auch nicht mit “Parodie” zu begründen, weil die Paranoia des Protagonisten die Hauptrolle spielt. Spießer Alfons verleiht diesem Film 5 Kotzbrocken von möglichen fünf.
@ Spießer, Soerensen
Danke für die Tipps.
Wenn der Spießer sagt, der Film ist zum Kotzen, dann muss er ja doch ganz gut sein. Obwohl das Buch unterirdisch ist.
…und der Spießer sagt auch: Ex M ist ein intelligentes Kerlchen.