Social Commerce: Communities müssen Partner finden
Mehr als 20 Millionen Euro Werbeumsatz, diese Zahl wird zuweilen kolportiert, sind auf Sicht bei StudiVZ wohl nicht zu erwarten. Social Shopping gilt deshalb als eine vielversprechende Ergänzung. Da will auch StudiVZ-Boss Marcus Riecke kräftig mitverdienen. Eine Erlös-Perspektive jenseits klassischer Werbung hat Riecke denn auch bereits im eigenen Netzwerk gefunden: Brands4friends. „Diese Community-Vermarktung werden wir ganz stark ausbauen“, sagte Riecke der „FAZ“.
Stolz verweist er dabei auf die Kooperation mit der Shopping-Plattform Brands4friends und auf eine StudiVZ-Gruppe “mit 90000 Nutzern, die gerne billig Markenprodukte kaufen wollen.” Nur: An Brands4friends, eine Restrampe nach dem Vente Privée-Prinzip, ist Holtzbrinck ohnehin beteiligt. Und: Bei der Vorzeigegruppe dürfte es sich schlicht um die von Brands4friends promotete StudiVZ-Gruppe “Fashion Angels” handeln, über die Nutzer eine der begehrten Zugänge für den Shopping-Club erhielten. StudiVZ agiert damit bislang nur als Vermarktungsplattform, nicht aber als Social-Shop.
Echte Social-Commerce-Lösungen, die die Nutzer aktiv einbinden und den Austausch der User untereinander ermöglichen, sind derartige Vente Privée-Angebote obendrein nicht. Ein eigenständiger Auftritt als Sozialer Händler dürfte den Netzwerken zudem schwerfallen. Commerce ist sicher kein Kompetenzfeld der Communities.
Aber es gibt sie ja schon die Social-Commerce-Lösungen: Beispielsweise Edelight, Dealjäger oder die Otto-Tochter Smatch. Sie würden sich, so sagte mir Social-Commerce-Experte Jochen Krisch für eine Geschichte in Horizont-Print, „perfekt in das soziale Gefüge von StudiVZ und Co einfügen.” Integration ist also Verhandlungssache. Der Rest ist Technik.
Facebook macht es in den USA bereits vor: Bücherdienste wie Goodreads oder Modeportale wie Stylefeeder können mit einer Applikation in das eigene Facebook-Profil eingebunden werden. Nutzer tauschen sich auf diesem Weg innerhalb der Community über die neuesten Modeprodukte aus, stellen Kaufempfehlungen vor oder zeigen gleich ihr jüngstes Shoppingergebnis vor. Schönheitsfehler: Die Umsätze gehen noch an Facebook vorbei.
Eine wie auch immer geartete Kooperation und ein Revenue-Sharing mit solchen Handelsmodellen könnte daher für StudiVZ und Co der nächste logische Schritt sein. Auch damit die Netzwerke von den Erfahrungen im Umgang mit Shops und Konsumenten profitieren können. „Sie werden Partner brauchen”, sagt Smatch-Geschäftsführer Björn Schäfers selbstbewusst. Das darf man aber auch als Gesprächsangebot verstehen. Schäfers: „Wir sehen uns nicht als Wettbewerber zu sozialen Netzwerken, sondern als Kooperationspartner.“ Riecke dürfte das gerne hören.
Doch ob die Social-Commerce-Kooperationen das Problem fehlender Einnahmen lösen? Der Themenblog ist da skeptisch: “Es hilft alles nichts: Entweder Werbetreibende und Plattformen finden für den Nutzer attraktive Werbeformen, oder Plattformen wie StudiVZ verschwinden.”


















