Spießer dürfen Audi fahren
Mein Kollege im Blog, Spießer Alfons, muss nicht nur den Kopf hinhalten, wenn sich erzürnte Werber darüber erregen, wie er ihre unkreativen Kampagnen und ausgeborgten Ideen abkanzelt. Manchmal hält er seinen Kopf sogar selbst als Testimonial hin hin. Diesmal macht es Photoshop möglich, dass Spießer Alfons einen Audi TT fahren kann. Erschienen ist die Anzeige heute im Print-Special zu “25 Jahre Horizont“.
“Zum 25. Geburtstag von Horizont darf auch ein Spießer mal wieder Audi fahren”, heißt es dazu im Text. Und damit sich die Brücke von Testimonial zur Marke jedem erschließt erklärt die Copy: “Klare Sprache. Topthemen. Immer auf dem Punkt. Bei uns heißt das Vorsprung durch Technik. Und bei all der Feierstimmung bitte eins nicht vergessen: vorsichtig fahren. Macht der Spießer ja schließlich auch.” Dazu der übliche Abbinder zum Verbrauch – vom Audi natürlich.













mal ehrlich: jemanden gratulieren und dabei sagen wie toll man selbst ist – das ist doch keine art!
Man sollte nicht immer päpstlicher sein als der Papst. Ich finde es amüsant.
indigener Albino-Schwarzafrikaner in landestypischer Behausung.
Inhalt sechs. …..Aber schönes Layout.
Aber Nils hat schon Recht. Die Hamburger Sparkasse nervt auch gerade mit dem Spruch: “Wir gratulieren 1 Million Hamburgern, dass sie bei der besten Bank sind” (sinngemäß). Keine Ahnung, woran das liegt. Vielleicht daran, dass man sich als Werber zu sehr für das zu Bewerbende begeistert und es tatsächlich als Außenstehender bewirbt, anstatt im Blick zu behalten, dass alle Welt das als direkte Botschaft vom Absender sieht.
So bescheiden, wie Audi hier seine “Eigenwerbung” verpackt – wer das kritisiert, scheint nicht aus der Werbebranche zu sein! (Oder eine andere Automarke zu fahren
)
Ne supercoole Glückwunsch-Anzeige – nicht nur das Layout!
Weiß jemand, von welcher Agentur das kommt?
Hä? Peter…….
einen quasi Neger vor Hütte mit einem Verbrauchabbinder
und dem doppeldeutigen Wort “spiesser”…..verpackt?
(Deine Brille möcht ich mal für einen Tag aufhaben.)
@ Matt – ich kann diesen Agenturspruch vom “Neger vor der Hütte” nicht mehr hören! (Von wem stammt eigentlich dieser Nonsens-Spruch? Vermutlich ist er noch aus jener Zeit, als man “Neger” sagen durfte und die Kinder das Lied sangen “Zehn kleine Negerlein” und dazu Negerküsse aßen!)
Es gibt eine These, die lautet: “Say, what you show. And show, what you say!” Was die Werbewirkung betrifft, ist das die logische Lösung.
@Peter: Lustig, das hab ich anders gelernt: Never say what you show.
@ ramses101 – ich bin doch gar nicht Peter Lustig
Von wem hast Du das denn gelernt – vom einem CD? Ich kann mich daran erinnern – von Grundschule bis Uni: Always say, what you show! Dass das bis heute richtig ist, weiß ich von Vortgragsveranstaltungen.
Auf die Werbung bezogen, bedeutet das: Willst Du Kreativpreise gewinnen? Oder Verständnis beim Verbraucher?
In der Grundschule mag das ja sinnvoll sein: Zeig einen Baum und schreib “Tree” drüber, schon weiß man, was Baum auf englisch heißt. An der Uni hätte man mich auch komisch angeschaut, wenn ich über Buchhaltung referiert und Marketingcharts an die Wand geschmissen hätte.
Ob das in der Werbung funktioniert – zeig eine betaute Flasche Bier und schreib drüber “Erleben Sie die pure Frische” – möchte ich doch arg bezweifeln. Das ist reine Schablonendenke (ist “lecker”, hat der Konsument so “gelernt” etc). Ich glaube, dass Anzeigen und Plakate mit einem “Twist” besser funktionieren. Das ist eben der Unterschied zwischen Stuyvesant und Lucky Strike.
Ich halte auch nichts davon, die Leute mit “Werbekunst” zu erschlagen. Aber bisserl mehr als Saft zu zeigen und Saft drüber zu schreiben, darf es dann doch bitte sein.
(Wobei ich die hier besprochene Anzeige in dieser Hinsicht gar nicht so platt finde)
Kreativ gelenkt hat den Auftritt übrigens Heimat in Berlin.
@ramses101
@Peter
Liegt die wahrheit nicht immer in der Mitte? Es gibt Zielgruppe und Produkte, da passt die Schablone. “lecker, kauf mich – ein bisschen feel-good-atmo drunter und aus die maus”. Und es gibt Dinge, die verlangen geradezu nach einem “Twist”.
ich kenne viele FCMGler, die sich keinen deut darum kümmern, wie grottig und unkreativ man ihre kampagnen findet, wenn sich das Produkt rasend verkauft. Nicht trotzdem, sondern deswegen. Und die die jeden meter rechts oder links des weges scheuen, weil das die Zielgruppe verschrecken würde. (Soll kein Zielgruppen-Bashing sein)
Schon klar, mir ging es auch weniger um Abverkauf als vielmehr um Image. Wenn ich als Autohändler einen Audi verkaufen will, muss ich natürlich schreiben, was der kann, was er kostet und zeigen wie er aussieht.
Und die lecker-will-ich-haben-Nummer mag auch funktionieren – aber auch nur bei Dingen, die im Prinzip gar kein wie auch immer geartetes Image brauchen (das ist jetzt natürlich arg vereinfacht) wie Ofenkäse oder was auch immer. Da reicht es natürlich zu zeigen: Hier, komma lecker Käse essen.
Bei Bier sieht die Sache schon anders aus. Wenn mir Bitburger mit der Werbung Lust auf Bier macht, geh ich an den Kühlschrank und hol mir ein Jever raus. Die Astra-Werbung hat Astra hingegen zur absolut kaufbaren Alternative gemacht. Und zwar mit Werbung, die eben nicht das zeigt, was man bei der Headline erwartet: “Alsterblick für alle”, “Don’t drink and drive” und so weiter.
Hätte Astra einfach nur gesagt: Lecker, billig Bier, wäre das nie und nimmer drin gewesen.
fünf ringe für audi