Spießer Alfons: Auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit
Der Spießer hat einen Prospekt bekommen. Vom Econ-Verlag. Auf dem Titel ist in Großbuchstaben zu lesen: „CALL FOR ENTRIES 2000 JAHRBUCH DER WERBUNG“ — siehe die Abbildung!
Was bedeutet „CALL FOR ENTRIES“…? Es bedeutet: ANRUF FÜR EINTRAGUNGEN. Quasi ein prospektiver Anruf zum Eintrag. Und wo sollen wir uns eintragen? Ins Jahrbuch der Werbung, denn das Jahrbuch der Werbung veröffentlicht „die beste branchenspezifische Werbung und dokumentiert so Trends und Veränderungen in der Kommunikation“. So steht es im Prospekt. Was aber ist, wenn die Macher der besten branchenspezifischen Werbung ihre Arbeiten gar nicht eintragen lassen, sondern nur die Hersteller der zweitbesten ihre Werke einsenden…?
Na, ist ja auch egal. Das Buch selber ist eine der besten Marketing-Ideen. Während es sonst üblich ist, dass die Autoren für ihre Buchbeiträge ein Honorar bekommen, bekommt der Verlag hier von den Autoren eine Eintrittsgebühr ins Buch. Genauer: „Der Teilnehmer verpflichtet sich hiermit zur Zahlung der für eine Veröffentlichung im Jahrbuch der Werbung für die Bearbeitung der Beiträge und die Reproduktion entstehenden Kosten, pro veröffentlichtem Wettbewerbsbeitrag.“
Eine Seite kostet Euro 920,-, ½ Euro = 610,-, 1/3 Euro = 510,-, ¼ Euro = 480,-. 1/5 Euro = 320,- und 1/6 = Euro 260,–. Film/-TV-Spots = Euro 1.950,-, Funkspots = Euro 770,-, Online-Werbung = Euro 990,-, Multimedia = Euro 1.250,-
Rechnet man nur mal 500 Seiten mit durchschnittlich nur Euro 1000,-, dann sind das 500.000 Euronen, die die Autoren dieses Buches bezahlen müssen, um Autoren dieses Buches zu sein. Und warum sonst noch? Je nun, die Autoren können ihr Buch mit nach Hause nehmen und es der lieben Mutter zeigen. Die wird wahnsinnig stolz darauf sein.
Natürlich wird das Buch vom Verlag an die Leser verschenkt. Natürlich…? Natürlich nicht! Das Werk kostet 98,- Euro. Und davon sehen die Autoren keinen Cent…
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? Das gibt’s doch schon gefühlte 100 Jahre … Auf jeden Fall schon zu lange. Naja, und an best-of-all-Sammlungen, die sich ihre Einträge bezahlen lassen, hapert’s ja nun auch nicht … Natürlich ist das JDW die Resterampe von allen anderen echten Kreativwettbewerben, aber: Auch der ADC funktioniert doch so. Ich meine: Wie viel kostet noch gleich eine Einreichung? Achja, wie viel kostet mich im Gewinnfall nochmal die Platzierung im Buch?
JJ hat vollkommen recht: So was ist bei allen mir bekannten Werbefestivals (Cannes & Co.) leider gang und gäbe. Also nichts Neues.
Trotzdem: Das ist so ungefähr das Gleiche, als wenn bei den Olympischen Spielen die Medaillengewinner ihre Medaillen selbst zahlen müssten. Oder tut das vielleicht der jeweilige Verband?
@JJ
Ja, die ‘innovative Geschäftsidee’ ist uralt und die Liste lang ….
Aufruf zur (bezahlten) Anmeldung für Wettbewerbe
Einkaufspreise für realisierte Platzierungen
Veröffentlichungspauschalen für Wettbewerdokumentationen, Jahrbücher, etc.
(Bezahlten fürs) Vorträge (halten dürfen), auf Veranstaltungen für die Teilnehmer tief in die Tasche greifen müssen
(Bezahlten fürs) Seminare (halten dürfen), für die …, usw.
und oft ohne ausdrückliches, für Dritte erkennbares Disclosure / Disclaimer.
@JJ @Hugo E. Martin
Und weil das nicht neu ist, hat der liebe Spießer das schon in Vergangenheit (Beispiel: ADC) aufgespießt. Beim Jahrbuch der Werbung aber hat sich das gesteigert: Der 1. Band im Jahr 1964 hatte 368 Seiten, Band 45 aus dem Jahr 2008 hat 782 Seiten.
‘Call’ heißt zwar auch Anruf, in diesem Zusammenhang aber ‘Aufruf’. Genau wie ‘call to arms’ nich Anruf für die Arme[n]* heißt, sondern ‘Zu den Waffen’ oder halt wörtlich: Aufruf, die Waffen aufzunehmen.
*’tschuldigung, konnte mir das ‘n’ nicht verkneifen.
es ist bei filmpreisen aber das gleiche. um einen film in venedig, beim bären in berlin oder auch beim oscar ins rennen gehen zu lassen, zahlen die studios kohle ohne ende.
na und? so ist die welt. es geht beim film und in der werbung eben
auch nicht um den friedensnobelpreis.
@ Dierk
*grins* So gut ist mein Schulenglisch allemal, dass ich das weiß. Aber warum soll Deine Übersetzung die richtige sein und meine falsch…? Ich wollte damit eigentlich zum Ausdruck bringen: Warum, in devil’s name, in Englisch?!
@ soerensen
Interessant. Ich wusste gar nicht, dass es Filmbücher gibt, wo Filme abgedruckt werden und die Produzenten dafür Geld bezahlen müssen.
@ spießer
schon mal etwas von diesen oscar-statuen gehört?
selber hersteller wie von der clio-statue.
läuft auch bei beiden veranstaltungen ähnlich.
agenturen oder eben filmstudios zahlen geld um ihre beiträge an den start zu bringen. festivalsieger verdienen dafür in zukunft mehr. in dem einen fall, weil mehr leute ins kino gehen, im anderen fall, weil mehr kunden mit dieser agentur zusammenarbeiten. ganz einfach, müsstest auch du verstehen.
das jahrbuch der werbung ist ne ordentliche nummer kleiner, aber eben auch eigenwerbung. jeder kunde sieht es sich an – und vielleicht entdeckt er eine neue agentur, die er nun sympathisch findet. oder auch nicht.
@ soerensen
Mein Thema da oben ist das “Jahrbuch der Werbung”. Nett, dass Du noch andere Themen beisteuerst, aber darüber habe ich bereits in Vergangenheit oft und ausführlich berichtet.
lieber spießer,
andere haben ein paar kommentare weiter oben vom adc, cannes und von wettbewerben an sich gesprochen. vielleicht wollte ich dazu etwas sagen. sorry, es ging ausnahmsweise nicht um DICH.
wenn du einen persönlichen blog willst, kann ich dir wordpress.com empfehlen. kannst dort bestimmt auch die kommentarfunktion unterdrücken.
@ soerensen
Du scheinst etwas konfus zu sein. Wen hast Du denn mit Deinem Kommentar namentlich angeschrieben?
oh, das war wohl die gewohnheit –
ich habe mich ihnen angeschlossen. es geht dir hier nicht um das thema. also lassen wir es.
@ soerensen
Dagegen ist ein Kraut gewachsen: Johanniskraut.
Zurück Zum Thema: Andernorts, bei Film und Funk, Ablass zu zahlen, um zu den Geehrten gehören zu KÖNNEN, macht die Sache ja nicht logischer. Das ist bezahlte PR über Bande und eine Geschäftsidee, die schlicht besser ist als jede Kaffeefahrt für Rheumadecken.
In diesem Zusammenhang: Alfons: Bitte lass uns das “Jahrbuch der Blogs” herausbringen, als Blog oder als Buch. Über die Preisliste denke ich dann mit Markus nach.
hat der Spießer nicht in vorherigen Beiträgen/Kommentaren (bin jetzt zu faul das rauszusuchen) in etwa das hier gepostet:
“…war Werbeleiter beim Verlag Burda und hab da hunderte (o-ton) ‘erfolgreicher’ Werbekampagnen rausgehauen…kann man alles nachlesen und prüfen im: Jahrbuch der Werbung…”
Also wenn der Spießer wirklich O-Ton “hunderte erfolgreiche Werbekampagnen” im Jahrbuch der Werbung untergebracht hat dann haben die an Dir ein schöne Stange Geld verdient…
@ peinlich ist es in der Tat, wenn man anderen falsche Worte in den Mund schiebt mit dem Hinweis “in etwa”. Wenn Du schon zitierst, dann bitte korrekt.
Außerdem: Meine Kampagnen sind zum großen Teil im Jahrbuch der Werbung erschienen, von dem ich eingangs vermerkt habe: “eine der besten Marketing-Ideen”. Und…? Ich war auch mal Werbeleiter der Bild-Zeitung. Und…?
Du trägst Deinen Nick zu Recht
dann jetzt ein richtiges Zitat:
“Und warum sonst noch? Je nun, die Autoren können
dann wenn es nie für einen richtigen Award reicht, zumindest einen kaufenihr Buch mit nach Hause nehmen und es der lieben Mutter zeigen. Die wird wahnsinnig stolz darauf sein.”@ peinlich
Und…? Wo ist Dein Problem…?