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Elegante PR für den Google Browser Chrome

2. September 2008
von Olaf Kolbrück

Google hat mit seinem Browser Chrome einen gigantischen Buzz erzeugt, der dem Hype um das iPhone gleicht. Ein chrome2.jpgmedialer Wirbelsturm, der ohne PR-Tamtam und klassische Werbung gelang und dafür nicht mehr als ein Comic-Buch benötigte. Dem Marketing sollte das zu denken geben. iPhone und Google-Browser Chrome zeigen: Das Produkt ist der Star. Wenn es eine gute Geschichte erzählen kann, wird diese wie von selbst weiterverbreitet. Der Browser, der momentan noch nicht einmal zum Download vorliegt, ist schon jetzt eine Lehrstück für gelungene PR.

Der bei Bloggern beliebte News-Aggregator Rivva ist heute beinahe eine thematische Monokultur. Die Postings zu Chrome sind Legion. Es ist zwar nur ein weiterer Browser, aber natürlich steckt mehr dahinter. Der Angriff auf Microsoft und den Internet Explorer, ein Betriebssystem für das Web und die dahinter schwellende Angst vor der Datenkrake Google. Droht der Welt ein Googlepol? Müßige Fragen für den Moment. Time will tell.

Bemerkenswert ist vielmehr, dass der Buzz mit dem Posting eines einzelnen Bloggers in Deutschland begann und sich dann fortpflanzte. Philipp Lenssen bekam als erster — und zu früh – Post von Google. In der Post: Ein Comic-Buch mit Zeichnungen vom Scott McCloud, dass als erklärender Appetizer für den Browser fungiert. Lenssen schrieb darüber und die Medienlawine rollte an, bis ins Tal der klassischen Medien hinein. Der Post-Praecox brachte den Zeitplan von Google ein wenig durcheinander und zwang den Konzern zu einer raschen Stellungnahme im eigenen Blog.

Learning Nummer 1:
Klassische Newsversender braucht es offenbar nicht mehr zwingend, um eine gute News um den Globus zu tragen. Blogger zeigen einmal mehr, dass sie ein ernstzunehmender Multiplikator für die PR-Maschinerie sind und etablierten Medien für die Publizität nicht mehr erste Wahl sein müssen.

Learning Nummer 2:
Das 38seitige Büchlein zeigt, das sich Inhalte auch jenseits copy&paste-fähiger Textbausteine gut und mindestens ebenso schnell verbreiten lassen. Der Comic ist dabei eine geradezu vorbildliche PR-Leistung. Die durchs Web geisternden Bilder erklären Lesefaulen auf die Schnelle die Vorzüge des Browsers.

Vor allem aber zeichnet den Comic ein wohl nur schwer messbarer Imageeffekt aus. Anders als selbst flott herunterformulierte Bedienungsbeschreibungen lässt der Comic das Produkt nicht technokratisch wirken. Stattdessen illustriert das Medium bereits die erste und wichtigste Produktbotschaft: Alles kinderleicht.
Obendrein entwickeln die Zeichnungen ein Bild der Harmlosigkeit. Google wirkt damit und darin nicht wie ein Angreifer oder ein gefährlicher, datensammelwütiger Technikriese, sondernchrome.jpg

wie ein freundlicher Helfer, der die Welt erklärt.

Vielleicht war der frühe Postversand also sogar gewollt. Das PR-Timing ist jedenfalls so elegant, wie man es sonst nur von Apple kennt. Erste Infos um die Neugier anzuheizen und die erste Medienwelle zu reiten, dann das Produkt auf den Markt bringen und auf der zweiten Hype-Welle weitersurfen. Denn wenn der Google-Browser als Testversion voraussichtlich heute Abend ab 21 Uhr zum Download bereitsteht, dürfte er millionenfach heruntergeladen werden. Mit etlichen darauf folgenden Testberichten.

Fehlt eigentlich nur, dass der Server bei Google unter dem Anstrum zusammenbricht und die passende Hype-Schlagzeile liefert: „Google-Server kollabiert unter dem Ansturm auf den neuen Browser“. Dann wäre die PR-Geschichte rund.

PS: Und natürlich gefällt mir auch das Blau in dem Comic

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Kommentare zu “ Elegante PR für den Google Browser Chrome ”

  1. Martin Recke am 2. September 2008 um 18:01 Uhr

    Der Vorwurf der Datensammelwut an Google ist ungefähr so sinnvoll wie der Vorwurf der Geldsammelwut an eine Bank. Banken arbeiten mit Geld, Google mit Daten.

  2. OlafKolbrueck am 2. September 2008 um 18:13 Uhr

    Daccord. Ich würde das Google auch nicht zum Vorwurf machen, solange es sauber läuft und man sich ausreichend dagegen wappnen kann. Auch wenn der Vergleich ein klein wenig hinkt. Google nimmt die Daten ja so enpassant mit, Banken ziehen mir aber nicht das Geld aus der Tasche, nur weil ich gerade in einer Filiale stehe. naja jedenfalls nicht so recht, wenn man mal von allen möglichen gebühren im kleingedruckten absieht.

  3. Tapio Liller am 3. September 2008 um 00:38 Uhr

    Trackback scheint zu hängen, daher einfach mal händisch der Link dazu: http://www.opensourcepr.de/2008/09/02/pr-in-chrom/
    These: Google hatte nen Startvorteil

  4. Mark Pohlmann am 3. September 2008 um 09:48 Uhr

    zum Stichwort “gute PR”: Echte News brauche keine PR, schon gar keine gute. Sie verbreiten sich auch so. Ein Monopolist wie Google hat eben auch ein Wahrnehmungsmonopol bei so strategischen Nachrichten wie dieser. Interessant wird es doch erst, wenn Google wirklich in die Nähe von Microsoft kommt, und zwar in allen Belangen, sprich: auch in seinem Gebaren. Dann wird PR wichtig. Richtig wichtig.

  5. Kaffeekanne am 3. September 2008 um 09:55 Uhr

    Google hält sich schlicht an die alte Werberregel: Product is king

  6. OlafKolbrueck am 3. September 2008 um 09:58 Uhr

    @tapioliller
    ich gebe dir recht. bigness ist sicherlich ein wichtiger faktor. Der teufel und der dickste Haufen…. Aber gute Story und Produkt funktionieren, siehe Bionade, auch im kleinen. Wenn auch bei Bionade nicht mit dieser Schnelligkeit.

  7. OlafKolbrueck am 3. September 2008 um 10:00 Uhr

    @Mark Pohlmann
    Du willst doch nicht andeuten, dass PR vor allem gebraucht wird,um ein unangenehmes Image glattzubügeln? ;-)

  8. Mark Pohlmann am 3. September 2008 um 17:31 Uhr

    @olaf: das hast du jetzt aber gesagt ;-)

  9. Jan am 3. September 2008 um 18:11 Uhr

    Für mich kam die Nachricht echt überraschend. Die haben dafür einen Perfekten Zeitpunkt gewählt. Zuerst die Ankündigung zu IE8, dann die Verlängerung der Kooperation mit Firefox und am Ende ein eigener Browser. Einfach eine gute konstelation meiner Meinung nach.

Trackbacks

  • [...] Google Chrome Comic Off The Record bringts auf den Punkt [...]

    Google Chrome | ok-blog — 2. September 2008 @ 17:36 Uhr
  • [...] off the record » Blog Archive » Elegante PR für den Google Browser Chrome Olaf Kolbrück beschreibt sehr treffend, warum die PR rund um den neuen Browser so besonders ist. Kleine Ergänzung: Auch der finanzielle Aspekt ist beeindruckend: Es gab selten zuvor eine so erfolgreiche PR-Kampagne mit einem Minimalstbudget - denn mehr als den Comiczeichner musste Google kaum bezahlen…. (tags: pr online-pr) [...]

    links for 2008-09-03 « Das Textdepot — 3. September 2008 @ 16:31 Uhr
  • [...] Und ja, der Comic von Scott McCloud, mit dem die Yahoos Googles Konzept und Funktionsweise ihres neuen Babys erklären, ist nicht nur großartig, sondern auch ein PR-Lehrstück der Kategorie Superplusgut. [...]

    netzpolitik.org: » Es ist nicht alles Chrome, was glänzt. » Politik in der digitalen Gesellschaft — 3. September 2008 @ 20:58 Uhr
  • [...] Twitterer pfeifen es von den Dächern: Start um 21 Uhr. Marketing-Blogger Olaf Kolbrück ist begeistert von Googles Marketingcoup: “Ein medialer Wirbelsturm, der ohne PR-Tamtam und klassische [...]

    Google Chrome: Ein Browser und ein Hype | freshzweinull +++ — 4. September 2008 @ 07:25 Uhr
  • [...] es google gelungen, für ein eher weniger spannendes produkt einen solchen hype zu erzeugen? olaf kolbrück hat das wunderbar [...]

    DampfLog » pr ohne pr — 4. September 2008 @ 10:11 Uhr
  • [...] dazu, dass einfach ganz viel abgeschrieben und unreflektiert kopiert wird. Das mag zwar im Fall von Chrome gut funktioniert haben, aber was, wenn sich falsche und (zuunrecht) negative Messages auf diese Weise verbreiten? [...]

    Sind NDA’s bei Blogs sinnvoll? | Grenzpfosten — 4. September 2008 @ 18:40 Uhr
  • [...] hat Olaf recht, wenn er schreibt, dass der Buzz rund um Googles Webbrowser bemerkenswert ist. Die bloggende und journalistische [...]

    PR in Chrom | Open Source PR — 7. September 2008 @ 13:57 Uhr
ivw