Hauptsache, er steht – Scirocco und die sublimen Botschaften
Eigentlich fand ich die neue Scirocco-Kampagne von DDB immer so aufregend wie Autokino bei Nebel ohne Ton, soweit Autokino überhaupt aufregend sein kann, wenn es einem dabei um den Film geht. Die Bildsprache erinnerte mich an mittelprächtige Malerei der Renaissance, die irgendwelche gelangweilten Potentaten statisch in den Vordergrund rückt.
Doch halt: quillt nicht gerade auch die Ikonographie der Renaissance über vor Symbolik und streut mit mit symbolbeladenen Landschaften im Hintergrund sublime Botschaften?
Fast wie in der Werbung?
Das machte die Anzeige dann auf dem zweiten Blick dann doch wieder interessant. Dann also verweisen die Palmen im Hintergrund, im Ursprungsland des Autoherstellers nicht heimisch, auf eine irreale Traumwelt und enttarnen damit die leere Straße als ein Trug- und Wunschbild.
Noch interessanter ist aber ein weiteres Detail, das die Kreativen geschickt und für ein flüchtiges Auge kaum wahrnehmbar im Hintergrund eingebaut haben. Eine der Verkehrsampeln, die den Blick des Betrachters durch ihr Farbenspiel im Kontrast zum weißen Objekt in Vordergrund anlockt, zeigt auf Rot. Nur die niedriger hängende Fußgängerampel zeigt auf Grün.
Damit illustriert die Symbolik geschickt die im Text aufgelöste Haltung, die Autos ihrem Zweck als Fahrzeug entledigt.
“Rasant fahren kann jeder. Rasant stehen nicht.”
Und nachdem ich mich heute wieder durch den Traffic-Jam im Rhein-Main gekämpft habe, finde ich das beinahe schon visionär. Mit dem drohenden Verkehrskollaps kommt es nämlich immer weniger auf die Fahreigenschaften an, sondern umso mehr auf die Standeigenschaften.
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Heute noch eine sublime Scirocco Botschaft in der Hamburger MoPo: Stefan Effenberg (“…tief ins Glas gekuckt”) ersteigert bei der Nacht der Legenden einen Scirocco zugunsten der Nestwerk Stiftung von Reinhold Beckmann.