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Spießer Alfons: BILD beweist Unsportlichkeit

15. September 2008
von

neuer-schumi.jpgFerrari hat einen erfolgreichen Testfahrer für seinen Motor. Ein Gastarbeiter aus Deutschland. Und er hat Erfolg gehabt in Monza, dieser Sebastian Vettel, ist dort im Kreisverkehr mit seinem Boliden für Toro Rosso als Erster über die Ziellinie gefahren.

Für Spießer Alfons ist Autorennen kein Sport. Sonst wären auch Düsenjägerpiloten allesamt Sportler. Und für BILD ist Vettel bereits der neue Schumi. Womit offensichtlich gemeint ist: Er hat seinen Wohnsitz ebenfalls in der Schweiz. Na, ist doch toll.

Aber betrachten wir die heutige BILD-Ausgabe: Aufmacher: Sebastian Vettel, vettel.jpgder als Schweizer für Italien arbeitet. Ihm widmet auch Franz Josef Wagner seine heutige Kolumne. Und im Sportteil beherrscht der Rennfahrer eine Doppelseite. Nicht ganz. Denn wenn man links unten in die Ecke guckt, dann ist hier noch ein Beitrag über ein kleines sportliches Ereignis zu finden, nämlich die Paralympics in Peking. Dort sitzen die Sportler allerdings nicht im Rennwagen sondern im Rollstuhl. Und holten nach 376 Entscheidungen bereits 53 Medaillen. Für Deutschland. Und das ist Deutschlands Größter auf dem Boulevard nur einen fußnotengroßen Beitrag am Rande wert. Ohne Medaillenspiegel.

Hat BILD sich in Vergangenheit nicht mal als die “Zeitung des kleinen Mannes” bezeichnet…?

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Kommentare zu “ Spießer Alfons: BILD beweist Unsportlichkeit ”

  1. potsK am 15. September 2008 um 13:11 Uhr

    den kleinen mann interessieren aber keine kleinen männer, sondern große männer in heißen kisten. oder blonde frauen für heiße kisten…..

  2. Dom am 15. September 2008 um 15:58 Uhr

    Da hat potsK leider vollkommen recht, auch wenns unfair ist.
    Was ich zu diesem Vorurteil, Rennfahrer seien keine Sportler, mal sagen muss, bzw fragen: ist der Spießer schonmal Kart gefahren? Falls ja hat er wohl den Muskelkater in Armen, Brust, Leisten und Beinen, den er am nächsten Tag hatte, wohl schon wieder vergessen. Und auch, dass der Puls während des Rennens rast und man schwitzt wie ein Schwein. All das sind für mich Merkmale, die eine Tätigkeit als Sport definieren. Wie sportlich fit ein F1 Fahrer erst sein muss, wenn mich drei Stunden im Kart schon schwer lädieren, liegt auf der Hand oder?

    P.S.: Was haben Schach und Billard auf Sportkanälen verloren? Briefmarken sammeln kann man bestimmt auch gegeneinander…

  3. Spießer Alfons am 15. September 2008 um 16:04 Uhr

    @ Dorn

    Ich lasse Seifenkistenrennen als Sport gelten. Aber wenn der beste Formel-1-Rennfahrer der Welt nur das den allerletzten Rennwagen zur Verfügung hat – wie sportlich muss er dann sein, um Chancen zu haben…?

    Von Schach (Geistessport) und Billard (Geschicklichkeitsspiel) habe ich doch gar nichts geschrieben…!

  4. AndreasK am 16. September 2008 um 09:38 Uhr

    Gut, nehmen wir in die ohnehin schwammige Definition von “Sport” noch auf: Das Sportgerät, ob Bogen, Kanu, Fahhrad oder Rennauto, darf nicht zuviel kosten. Was genau “zuviel” ist, wird im Streitfall von fachfernen Journalisten entschieden ;o)

    Das Missverhältnis der Artikel ist denkwürdig. Also ich kaufe ab sofort keine BILD mehr. Basta …

  5. Spießer Alfons am 16. September 2008 um 09:48 Uhr

    @ AndreasK

    Wäre eine Million Euro zu viel für ein “Sportgerät”? Und sollte Formel-1 auch olympische Disziplin werden?

    Meine Definition für Sport: Sport darf nicht in Zusammenhang mit Kraftstoff (= Doping-Mittel, Benzin etc.) stehen.

  6. AndreasK am 16. September 2008 um 10:05 Uhr

    @Spießer: Was hat der Kraftstoff mit dem “allerletzten Rennwagen” zu tun? Der Kraftstoff beim Autofahren ist für alle derselbe – und erlaubt.

    Auch wenn Du grade mal flugs das Argument gewechselt hast (mach ruhig, ist ja Dein Blog hier): Dieses gefällt mir schonmal besser als das vorherige ;o)

  7. Spießer Alfons am 16. September 2008 um 10:39 Uhr

    @ AndreasK

    Verstehe ich nicht: Wieso habe ich mein Argument gewechselt…? Wenn einer den allerletzten – sprich: schlechtesten – Boliden hat, dann ist er doch benachteiligt, oder? Also ist schon das unsportlich.

    Was den Kraftstoff betrifft, so habe ich vermerkt, dass nichts Sport ist, was mit Kraftstoff zu tun hat.

  8. soerensen am 16. September 2008 um 16:09 Uhr

    wenn er sich aber weiter fleißig nach oben fährt, sitzt er irgendwann im besten rennwagen.

    wenn du fussballspieler bist, hast du am anfang vielleicht auch nicht die besten mitspieler bzw. trainer.

    chancengleichheit von anfang an gibt es in kaum einer sportart.
    sportlich ist es, das anzunehmen und sich nach oben zu arbeiten.

    übrigens ist kartfahren tatsächlich viel anstrengender als fussball oder skifahren.

  9. soerensen am 16. September 2008 um 16:11 Uhr

    und sebastian vettel sitzt ja auch nicht in einem der besseren wagen und hat trotzdem gewonnen. das macht sport aus.
    auch ein viertligist hat nicht die möglichkeiten des fc bayern – das zählt im dfb-pokal dann aber doch nicht.

  10. Spießer Alfons am 16. September 2008 um 18:21 Uhr

    @ soerensen

    Warum verweist Du auf Fußballspieler? Benutzen die auch einen Motor und Kraftstoff für ihren Sport ? Ich habe nicht gesagt, dass Fußballer keine Sportler sind, sondern ich habe ausschließlich von Formel-1-Fahrern geschrieben, die als Testfahrer für die jeweilige Marke arbeiten und damit zugleich als Werbefiguren im Kreis rum fahren.

    Und wenn Formel-1-Piloten Sportler sein sollen, dann sind eben auch Düsenjägerpiloten Sportler, egal, ob die mit einem Ferrari-Motor düsen wie Vettel oder nicht!

  11. soerensen am 17. September 2008 um 13:20 Uhr

    wenn düsenjägerpiloten um die wette düsen würden, dann wären sie sportler.

  12. Spießer Alfons am 17. September 2008 um 13:32 Uhr

    @ soerensen

    Machen sie. Zum Bespiel bei der Abfangjagd. Und Bomben werfen sie auch ab, wobei die Piloten bestrebt sind, das Ziel genau zu erreichen. Also sitzen keine Soldaten am Steuerknüppel, sondern Sportler. Oder habe ich Dich missverstanden…?

  13. Ex M am 17. September 2008 um 14:29 Uhr

    @ Spießer

    Was soerensen mit seinem Fußballvergleich wahrscheinlich sagen wollte:
    Auch beim Fußball gibt es nicht die Chancengleichheit für den einzelnen, die du ja als eine Voraussetzung dafür siehst, dass ein Sport ein Sport ist.

    Und in der Tat wären Düsenjägerpiloten Sportler, wenn Sie z.B. an Flugrennen teilnehmen und sich gegeneinander messen und einen Sieger ermitteln würden.
    Und das tun sie beim Abfangjagen und Bombenwerfen eben nicht.
    Das ist doch alles nicht so schwer zu verstehen, es sei denn, man will es absichtlich missverstehen.

    Aber mehrere halbgare Definitionen von Sport in den Raum werfen und dann, wenn einer auf eine eingeht, immer von anderen reden, ist natürlich noch einfacher.

  14. Spießer Alfons am 17. September 2008 um 14:33 Uhr

    @ ExM

    Stimmt. Du hast wie immer völlig Recht.

  15. Ex M am 17. September 2008 um 14:38 Uhr

    @ Spießer

    Das freut mich natürlich. Aber irgendwie beschleicht mich das Gefühl, du meinst das nicht ernst.

  16. Kowalski am 17. September 2008 um 14:52 Uhr

    WEnn ich hier mal einwerfen darf: Sport muss aus natürlicher Körperkraft erfolgen. Autorennen fängt erst dann an Sport zu sein, wenn der Tank leer ist. Dann dürfen die Formel-I-Helden meinetwegen auch bei der Olympiade gegeneinander antreten – - – wenn sie dann noch wollen.

  17. soerensen am 17. September 2008 um 15:14 Uhr

    danke ExM. aber er will nichts verstehen.

    @kowalski

    das ist eine sichtweise. aber die diskussion gibt es schon länger.
    ist springreiten für dich dann sport?

    springreiten, aber auch rennfahren ist höllisch anstrengend.
    du bekommst muskeln und verlierst kilos.
    probier es einfach mal aus.

  18. ramses101 am 17. September 2008 um 15:26 Uhr

    @Kowalski: Nur durch Hoffnung kommt ein Rennwagen aber auch nicht gerade um die Kurve.

  19. Kowalski am 17. September 2008 um 15:40 Uhr

    @soerensen

    Springreiten ist Sport. Teamsport. Mensch und Tier mit eigener Körperkraft. Und BEIDE werden als Sieger genannt.

    @ramses

    Und ohne Sprit kommen die Dinger nicht mal an die Pole-Position, geschweige denn ins Ziel.

    @spießer

    Wenn es wirklich wahr ist, dass Audi Dir einen TT-Rennwagen geschenkt hast zum Horizontjubiläum, dann kannst Du beim nächsten Formel-I-Zirkus ja mitfahren! Sollten die Veranstalter Dir das verwehren, dann wäre das allerdings im höchsten Maße unSPORTlich :) .

  20. Spießer Alfons am 17. September 2008 um 15:49 Uhr

    @ alle

    Die Meinung, dass Formel-1-Rennen kein Sport sind, ist meine Meinung. Und jeder hat bekanntlich das Recht auf seine eigene Meinung. Also bezeichnet die Formel-1 genauso als Sport wie Düsenjägerwettfliegen!

    Um was es mir in dem Beitrag eigentlich geht, ist der redaktionelle Raum, den BILD den olympischen Sportlern im Rollstuhl gewidmet hat im Gegensatz zum Autorennen eines Deutschen, der aus steuerlichen Gründen in der Schweiz lebt und für einen italienischen Konzern arbeitet.

    .

  21. ramses101 am 17. September 2008 um 16:00 Uhr

    @Spießer: Ich hab auch nie begriffen, was die Welt an der F1 so fasziniert. Nach meiner Gewichtung würde ein Sieg (von wem auch immer für wen auch immer) vielleict unter “Vermischtes” auftauchen. Nur sieht die Leserschaft der Bild das offensichtlich anders, sonst würde die Schreiberschaft der Bild das vermutlich auch anders gewichten.

    Es gab mal diesen netten Spot für die taz in dem der typische Bild-Leser m.E. nicht überzeichnet, sondern 1:1 portraitiert worden ist. Und dem ist der Behindertensport vermutlich bestenfalls egal. Schlimmstenfalls regt er sich drüber auf, dass “die für sowas Geld ham” und das Stadion von Kleckersdorf 07 immer noch keine Wurstbude bekommt.

  22. soerensen am 17. September 2008 um 16:12 Uhr

    @ spießer

    “im gegensatz zu einem deutschen,…, und für einen italienischenrennstall fährt”

    auauauau.

    jetzt würde ich aber auf die bremse treten. ist es etwa “undeutsch” oder gar vaterlandsverrat, weil er nicht für ein teutonisches team fährt? wie tickst du denn?

  23. Spießer Alfons am 17. September 2008 um 16:27 Uhr

    @ soerensen

    Ja, stell Dir mal vor: Wenn die Deutsche Fußballnationalmannschaft gewinnt, freue ich mich riesig. Wenn die Italiener gewinnen, ist mir das schnurzpiepegal. Und da bin ich ausnahmsweise nicht nur mit BILD einer Meinung, sondern mit den meisten Deutschen.

    Und wie tickst Du…?

  24. Ex M am 17. September 2008 um 16:34 Uhr

    Was die Paralympics leisten, ist doch folgendes:
    Behinderte können sich sportlich messen. Und den Nichtbehinderten wird in faszinierender Weise vor Augen geführt, zu welchen Höchstleistungen Menschen mit verschiedendsten Behinderungen fähig sind.
    Aber wenn man mal ehrlich ist, geht es doch über diese staunende Begeisterung nie hinaus. Die Paralympics werden einfach nicht komsumiert, wie ein (sorry), “normaler” Sportwettbewerb.
    Oder hat sich irgendeiner von euch z.B. den 100-Meter-Lauf
    angesehen und sich gedacht, “Meine Güte, Läufer XY hat aber seine Form gegenüber den letzten Paralmypics noch deutlich gesteigert”?Garantiert nicht. Statt dessen hat man 100 Meter lang einfach nur gestaunt, wie schnell die mit ihren Prothesen rennen.
    Aber das ist ja auch schon mal was.
    Ich glaube nicht, dass man das das gerechte Medienecho der Paralympics herbei verordnen kann. Und ich glaube auch nicht, dass das ein spezifisches Problem der Bild und seiner Leserschaft ist. Auch dem Spiegel Online war der Sieg Vettels eine Top-Meldung wert.

    Und, @ ramses:
    Der Bild-Leser mag ja generell ein schlichteres Gemüt haben als du Intellektueller, aber ihm einfach mal so zu unterstellen, dass er den Behinderten bestimmt das Geld für die Paralympics neidet, ist eine Frechheit.
    Auch der Bild-Leser hat vielleicht Verwandte in Rollstühlen oder sitzt er sogar selbst drin. Und wenn er mit Formel-1-gucken fertig ist, bleibt er beim Durchzappen bestimmt genauso beim Rollstuhl Basketball hängen wie andere auch.

  25. Kowalski am 17. September 2008 um 16:37 Uhr

    @ soerensen
    Wenn Ballack für seinen englischen Club ein Tor schießt, nimmt das hier doch kein Mensch wahr. Wenn Poldi für Bayern aber einen reinsemmelt, dann jubelt der Freistaat ;) Ist das für Dich auauaua? Aus welchem Lande kommst Du denn?

  26. Ex M am 17. September 2008 um 16:43 Uhr

    Mein Patriotismus ist da eher an das jeweilige Interesse an den Sportarten gekoppelt.
    Ob Deutschland Fußballweltmeister wird, ist mir nicht egal.
    Ob Deutschland Handball-Weltmeister wird, ist mir nicht so ganz egal.
    Ob ein deutscher Leichtathlet irgendwo was gewinnt, ist mir egal.
    Ob ein deutscher Formel-1-Fahrer Weltmeister wird, ist mir egal.

    Und wenn Deutschland Sieger beim unsäglichen Eurovision-Song-Contest wird, schäme ich mich für mein Land. Aber das nur am Rande.

  27. ramses101 am 17. September 2008 um 17:08 Uhr

    Ex M: Wie du aus einem “schlimmstenfalls” ein “bestimmt” machst, ist zwar bemerkenswert, aber auch für alle anderen nachlesbar. Muss ich also nicht weiter kommentieren.

  28. guy incognito am 29. September 2008 um 17:25 Uhr

    @Ex M (und andere)
    das Ätzende ist ja, daß man aus dem Stigma “behindert” gar nicht “ausbrechen” kann. funktionieren die Hilfsmittel, durch die man den Sport betreiben kann, tatsächlich, darf man nicht antreten:

    http://www.taz.de/1/sport/arti.....1c3534fb04

    (was natürlich absoluter Unsinn ist, da offensichtlich auch seine speziellen körperliche Merkmale eine Rolle spielen. ansonsten wären ja die Leistungen von “ehemalig-amputierten” (oder wie man das auch immer bezeichnen will) Läufern durch die Bank besser als die ihrer “gesunden” Kollegen.

ivw