Politik 2.0: Wenn Politiker bloggen und twittern
Man kann sich wie Berlins regierender Bürgermeister Klaus Wowereit mal PR-wirksam und standortpolitisch sinnvoll kurz auf einem Start-up wie Plazes zeigen oder bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit auf eine schicke 3D-Welt-Schlagzeile hoffen, indem man beim Second-Life-Konkurrenten Twinity ein virtuelles Berlin eröffnet. Sorry, ein Open-Beta-Berlin, was natürlich noch webzwonulliger klingt. Wer kaum ein Party auszulassen scheint, der ist eben auch bei Politik 2.0 mit dabei.
Man kann auch wie SPD-Gereral Hubertus Heil ein wenig twittern, bis das Thema so durchgenudelt ist, dass “Spiegel-Online-Tv” einen twitternden Müntefering in einem peinlichen Beitrag als den Echten durchgehen lässt. PR bleibt es dennoch.
Die digitale Welt als Wille und Möglichkeit.
Natürlich muss man deutsche Politiker für ihre ersten Gehversuche loben (sie lesen schließlich soviel über den Erfolg von Barack Obama, weil er so schlau auf die ganzen tollen Social Media Tools setzt), wenn sie sich denn schon mal in Sachen Politik 2.0 vorwagen. Gleichgültig wieviel unfreiweilligen Humor ein Pofalla auf Dialog-Tour dabei produziert. Doch es bleibt Stückwerk, der vor allem ein wenig Hype für den eigenen Namen liefern soll. Ein echtes Konzept steckt nicht dahinter.
Um so etwas ähnliches wie ein Konzept zu sehen, dass nicht mit dem Namen Barack Obama langweilt, muss man in die Niederlande klicken. Maxime Verhagen, der Steinmeier der Niederlande, zeigt sich unter “Hier is Minister Verhagen” als bloggender Minister des Außerordentlichen, liefert twittrige Statements, bietet vertiefende Links und zeigt per Google Earth, wo er gerade in der Welt ist.
Gut, dass ist jetzt nicht der Beginn eines wunderbares Dialogs im Web, und auch sein “Getwitter” gleicht mehr einen Telegramm auf digitalem Entzug, aber es ist ein Anfang, der mehr verspricht, als kurzes PR-Gezwitscher und Fototermine gegen das digitale Vergessen. Es ist vielleicht ein wenn auch holpriger Weg, um die eigene Arbeit und eigenes Denken dauerhauft im Web zu etablieren. Länger als ein ausgezwitscherter Hubertus Heil. Sein letzter Tweet war am 4.September.
So ist das eben mit dem wahren Leben im Falschen. Die unechten wie Münte sind immer noch dabei und selbst Helmut Schmidt hat beim Rauchen immer noch zwei Finger zum twittern frei.
Twittern











Hm, Da gibt es ja noch diesen Schweizer Nationalrat, Blocher. Der bloggt auch. Vielleicht sollte man auch nicht so große Ansprüche an die Politiker .1 stellen, immerhin sind die meisten schon deutlich älteren Datums. In den jüngeren Breitengraden tut sich da sicherlich schon einiges, was von .1 zu .9 führt, irgendwie. Zuerst ändern sich die Politik betreibenden, dann die Polis.