HORIZONT.net HORIZONTjobs HORIZONTstats

Spießer Alfons: Im Jammertal der Medien liegen die Hände im Schoß

25. September 2008
von

Verlage und andere klassische Anbieter von Werbeträgern jammern, dass es nicht mehr so gut läuft, das Geschäft mit der Werbung. Die Anzeigenschaltungen gehen zurück und die Spots sind auch weniger geworden. Und was tun die Leute, die in den Medienhäusern für dieses Business zuständig sind? Sie jammern. Und im Seitenblick auf das Internet begründen sie ihr bescheidener laufendes Geschäft damit, dass eben viele Werbung treibende Unternehmen mehr und mehr Werbegeld online anlegen. Was ja auch nicht gänzlich falsch ist.

Nur statt zu wehklagen, müssten die Damen und Herren Anzeigenleiter in den großen Verlagshäusern mal die Hände aus dem Schoß nehmen und in dieselben spucken! Dazu sollten sie ihre Hirnzellen in Bewegung setzen! Sind nicht die Printmedien immer noch Werbeträger, die hierzulande Millionen Menschen gezielt erreichen? Liefern die Medienhäuser der Werbewirtschaft nicht nach wie vor Leistungswerte ihrer Titel, bezogen auf Zielgruppen und deren soziodemografische Merkmale? Dazu Analysen über das Verbraucherverhalten et cetera…?! Und: Sind nicht alle erfolgreichen Produkte via Print und TV in den Markt eingeführt worden?!

Die Damen und Herren Anzeigenleiter möchten zwar, dass die Werbung treibende Wirtschaft Anzeigen schalten soll, um Kunden zu werben und das Geschäft in Gang zu bringen. Aber was tun die Damen und Herren Anzeigenleiter selber, um ihr Geschäft in Gang zu bringen und Kunden zu werben? Machen sie das, was sie ihren Kunden empfehlen, sprich Anzeigen schalten, um den Werbungtreibenden zu erklären, dass Massenprodukte nach wie vor Massenmedien brauchen und das Internet nur als Ergänzungsmedium zu betrachten ist? Warum informieren die Anzeigenverkäufer die Firmen und Agenturen nicht über die Leistungswerte der gedruckten Werbeträger mit genau dem Werbemittel, für das sie werben, sprich: Anzeigen? Glauben Sie selber nicht an die Kraft der Anzeige? Haben sie keine Beispiele von Inserenten, die nachweisbare Erfolge mit Anzeigen erzielt haben? Wo ist die Fachkampagne einer Zeitschrift oder Zeitung, von der potentielle Anzeigenkunden sagen: „Mann, das habe ich ja gar nicht gewusst, dass ich meine Zielgruppe so einfach erreichen kann!“? Wo ist eine solche Kampagne? Und warum fragen die Verleger ihre Anzeigenleiter nicht danach…?!

Die Kampagne des VDZ (“Print wirkt”) ist eine hervorragende Dachkampagne. Wenn sich daran aber keine Einzelkampagnen anschließen, die für den Transfer auf die Titel sorgen, dann kommt die Wirkung auch nicht bei den einzelnen Print-Titeln an. Und Anzeigenverkäufer, die erklären: “Ich habe zu dem Werbeträger, den ich vertrete, nichts mehr zu sagen, weil ich schon alles gesagt habe!” — diese Schreibtischsesselverwalter sind von der Pflicht zur Werbung befreit. Genauso auch von der Pflicht, ihren Dienst anzutreten.

Spießer Alfons hat mal den Beruf des Verlagskaufmanns gelernt. Und viel von dem, was er aus seiner Lehrzeit noch in Erinnerung behalten hat, hat bis heute Gültigkeit. Dazu gehört auch die spießige Regel, für die Alfons das Copyright in Anspruch nimmt: „Wer seine Kunden befriedigen will, indem er die Hände in den Schoß legt, der sollte in einem Bordell arbeiten!“

Facebook und Co: Teilen und aufbewahren Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • Facebook
  • TwitThis
  • LinkedIn
  • del.icio.us
  • email
  • MisterWong
  • Y!GG

Ähnliche Artikel

Tags: , , , ,

Kommentare zu “ Spießer Alfons: Im Jammertal der Medien liegen die Hände im Schoß ”

  1. Ralf E. Hansen am 26. September 2008 um 08:44 Uhr

    genauso so ist Herr Spießer Alfons, dem ist nichts hinzuzufügen

    Beste Grüße
    Ralf E. Hansen

  2. Wolfgang G. Külper am 26. September 2008 um 09:09 Uhr

    Ja und nein.
    Viele Direktkunden (manchmal auch die Agenturen) kennen sich heutzutage kaum noch aus, welches Medium sie in erster Linie benutzen sollen.
    Wir hier in Österreich haben dann auch noch den “Nachteil”, dass wir eine -staatliche- 5% Werbeabgabe beim Print haben, die viele ausländische Firmen nur mit Kopfschütteln akzeptieren oder von vornherein ablehnen.
    Als nächstes gibt es ja dann auch noch die Flut aus Deutschland und manchmal aus der Schweiz, die mit einem Österreich-Teil und ihrer konstanten Qualität bei der Kundschaft auch nicht schlecht ankommen.
    Was ich damit sagen will, der Markt ist schon sehr “competetive”
    und selbst muss man schon viel Werbung machen, d.h. sowohl bei der Leserschaft als auch beim Anzeigenkunden.
    Denn: wer nicht wirbt – der stirbt, dass gilt z.Zt. besonders für den Print.

  3. Ulrich am 26. September 2008 um 10:06 Uhr

    Im Prinzip schon richtig. Verlage haben meiner Meinung nach das Problem, dass die Werbe-Budgets ihrer Kunden anders aufgeteilt werden wie früher. Deshalb wird der Print-Werbegeldkuchen kleiner und der Online-Werbegeldkuchen größer. Nur, dass Agenturen oft noch in Reichweite denken, das Geld, dass von Print zu Online wandert also nicht im Online-Auftritt des gleichen Verlages ankommt sondern nur in den wenigen reichweitenstärksten Online-Seiten.

    Meiner Meinung nach, größtes selbstgemachtes Problem der Verlage: Sie verschenken ihre Produkte, sprich Content und was verschenkt wird, wird oft auch als wertlos empfunden. So werden aus Zeitungen beispielsweise Online-Anzeigenblätter. Marketingtechnisch schlimm: Restplatzverwertung.

    Nun, wer ist schuld an der Misere? Meiner Meinung nach Agenturen und Verlage gleichzeitig. Zwei (meist) ideenlose Dinosaurier treffen aufeinander und sehen verwundert zu, wie andere die Content- und Vermarkterwelt gestalten.

  4. Armin Hierstetter am 26. September 2008 um 17:20 Uhr

    Nur einen Punkt hat der Spießer vergessen: Die Unfähigkeit/Unlust, neue Wege beim Anzeigenverkauf zu beschreiten, will auch gut kaschiert sein. Tipp: Intern immer schön sinkende Leistungsdaten als Buhmann vorschicken. Klappt immer, hält schwache Chefs in Zaum und lenkt auch noch vom Thema ab! Außerdem löst es mittelfristig das Problem langfristig: eingestellte Magazine brauchen keine Werbung.

  5. theObserver am 27. September 2008 um 17:06 Uhr

    Klingt schlüßig. Aber auch nach einem Appell, endlich beim Arbeitgeber mehr Anzeigen zu schalten. ;-)

ivw