Spießer Alfons über Überschriften
Bei seiner heutigen Morgenlektüre sprangen dem Spießer vier Anzeigen ins Auge, über deren Headlines man nicht nachdenken sollte. Der Reihe nach:
1. Opel wirbt mit „Wegfahrpreisen“. Was sind „Wegfahrpreise“? Nach dem Gefühl des Spießers sind es Preise zum Wegfahren. Wären „Mitnahmepreise“ nicht sinnvoller…?
2. Purina wirbt für sein Katzenfutter „Felix“ in versaler Headline mit der Redewendung: „Aller guten Dinge sind drei…“ Offensichtlich weiß der Texter gar nicht, was er damit sagt, denn es bedeutet: Nach zwei Fehlversuchen rechtfertigt man sich damit, es noch ein drittes Mal zu probieren. Mit anderen Worten: Die ersten beiden „Felix“-Sorten können Katzenfreunde total vergessen, weil die Katze sie offenbar nicht mag. Also nun der dritte Versuch mit der dritten Mahlzeit! (Im Sinne des Inserenten wäre die Headline passender gewesen: Alle guten Dinge sind drei.)
3. BUNTE wirbt für Spatenbräu und meint: „Ohne BUNTE wäre es nur ein Bierzelt.“ Schlussfolgerung des Spießers: BUNTE-Chefin Patricia Riekel tanzt im „Hippodrom“ auf dem Tisch. Oder berichtet BUNTE exklusiv aus diesem Bierzelt? Oder warum sonst wäre es ohne BUNTE nur ein Bierzelt…?
4. Eine junge Frau sitzt am Rande eines Pools und plantscht mit den Füßen im Wasser. Dazu der Texter in versaler Headline: „Ich mag’s frisch. Und meine Kleider auch.“ Was lesen wir daraus ab? “Persil bleibt doch Persil“…? Der Spießer liest: „Ich mag’s, dass meine Füße frisch sind. Und meine Kleider mag’s auch.“ Klingt irgendwie sinnfrei, oder…?
Aber wie gesagt: Bloß nicht darüber nachdenken! Denn schließlich werden Werbetexter für ihre Arbeit bezahlt, Anzeigenleser nicht!
Twittern












Ich wette, die Werbetexter haben alle drei Anzeigen durchdacht an den Start gebracht (sofern es Werbetexter waren – und nicht etwa Junioren, Praktikanten oder wer sich sonst des Textens berufen fühlt), doch dann kamen irgendwelche PMs/Berater daher, die das ganze mal eben “kreativ überarbeitet” haben. Und der Texter steht da mit über dem Kopf zusammengeschlagenen Händen und fragt sich, ob seine Bezahlung (Schmerzensgeld) wirklich ausreicht, um das zu ertragen. Ich glaube, wer ernsthaft als Werbetexter arbeitet, der produziert solchen Scheiß nicht – kriegt ihn aber immer wieder vorgesetzt.
@ tom
Rufen wir doch mal die betreffenden Texter auf, damit sie uns das hier selber erklären!
Tja, Tom, da hast du leider völlig recht: Als Texter, der seinen Job ernstnimmt, kann man am komplett beratungsresistenten Dilettantismus so mancher Kunden nur noch verzweifeln…
Aber mal ehrlich, was erwarten wir denn noch von einer Werbelandschaft, in der sogar millionenschwere Mega-Kampagnen mit hirnverbrannten Überschriften versaubeutelt werden?
Ich nenne hier nur die Headline “Wie perfekt kann man ein Auto bauen?”, mit der seinerzeit der VW Phaeton eingeführt wurde.
Um ein berühmtes Beispiel zu gebrauchen: Das ist genauso schwachsinnig wie die Frage “Wie schwanger kann eine Frau sein?”…
WILLST du alles falsch verstehen, oder bist du zu engstirnig?
1. Wegfahrpreise bezieht sich wohl auf “wegfahren”, in den Urlaub fahren/ Ausflüge machen. Dafür braucht man nicht sofort viel Geld, man kann es auch später zahlen.
Was kann man da falsch verstehen?
2. BUNTE: Ohne BUNTE wäre es ein GANZ NORMALES Bierzelt. Da Bunte aber auf den People-Bereich spezialisiert ist, und im Hippodrom viele Promis sind, wird es durch die Symbiose aus Anwesenheit von Promis und dem Medium BUNTE, das darüber berichtet, es also allen zugänglich macht, es somit von den anderen Bierzelten abhebt, über die nicht so berichtet wird, zu einem besonderen Bierzelt.
Was kann man da falsch verstehen?
@ June
Ja, ich bin engstirnig. Vermutlich, weil ich die BUNTE nicht lese. Und was in den anderen People-Magazinen und in der Boulevardpresse über die Promis bei Spatenbräu berichtet wird, das habe ich offensichtlich falsch verstanden.
Auch dachte ich, dass man seine Urlaubsreise immer vor dem Wegfahren löhnen muss. Was ich Engstirniger jedenfalls bei TUI immer gemacht habe.
Ich danke Dir für Deine sachdienlichen Hinweise!
@ tom & textmaschine: Hab ich das richtig verstanden? Die geilen Headlines stammen immer vom intelligenten Agenturtexter, die dämlichen vom saublöden Kunden?
@ Kowalski
Nö, hast du eindeutig falsch verstanden. Von “immer” war nämlich überhaupt keine Rede.
Es ist jedoch erschreckend, wie oft WEDER Agentur NOCH Kunde bemerken, wie sinnfrei bzw. kontraproduktiv bestimmte Headlines sind…
lieber tom,
zunächst hoffe ich, solltest du texter sein, dass deine texte für deine kunden ohne widersprüche arbeiten: lies dir in ruhe deinen ersten absatz durch. wenn du ab “sofern es werbetexter waren …” ein zucken spürst, ist alles okay
falls du kein texter bist und dich in werbeagenturen nicht so richtig auskennst, lass dir eines gesagt sein: auf texter hört niemand. schon gar nicht die zahlende kundschaft. texter sind billige lohnschreiber. es sei denn, du bist eine koryphäe und alle haben so richtig respekt vor dir!
einen respektvollen gruß vom reklameheinz
@ Kowalski: jo. Haste recht verstanden
Ein Läufer läuft nu mal schneller als sein Manager, weil er täglich trainiert. Ein Fußballer spielt besser Fußball als ein Sponsor, weil er mehr Talent hat. Und ein Müllmann weiß besser, was zu tun ist, als ein Nicht-Müllmann…
@ Michael: solange es kein Geld gibt, zuckt nix. Oder andersrum: im Kundenauftrag (für Geld) zu texten ist was anderes, als hier oder sonstwo zu “schreiben”, da isses mir egal, obs richtig, falsch oder irgendwas dazwischen ist.