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Die glorreichen Drei: Was Marcel Reich-Ranicki, Elke Heidenreich und Kevin Kuranyi gemeinsam haben

12. Oktober 2008
von

Literatur und Fußball, Intellektuelle und Fußballer verbindet so einiges. Manchma gibt es sogar von Fußballern Büchern. Was beide darüber hinaus verbindet, ist der Sinn fürs Drama. Das Gefühl dafür, wie ein Eklat aussehen muss, das verbindet Marcel Reich-Ranicki, Elke Heidenreich und Kevin Kuranyi.

Marcel Reich-Ranicki legt ein Rant hin über den Deutschen Fernsehpreis der ZDF-Gala, wundert sich über den Blödsinn im TV und bei der Gala zur Verleihung des Plexiglas-Phallus, lehnt den Preis ab und zeigt, dass auch ein Literaturpapst manchmal nicht intelligent genug ist, zu wissen, worauf er sich einlässt oder intelligent genug, jeden Blödsinn für die eigene Vermarktung zu nutzen. Der Mann ist ein Intellektueller: Also darf man annehmen: Der Altmeister des erhobenen Zeigefinger zeigt einmal mehr, wie man mit einem gelungenen Eklat PR in eigener Sache macht.

Da weiß auch Elke Heidenreich, Literatur-Madonna, was die Stunde geschlagen hat. Sie hechelt mit einem klaren Placet über die Gala (“Hirnlose Scheiße”) hinterher, als hätte sie zum ersten Mal erlebt, was ihr Arbeitgeber zuweilen so produziert. Doch die Überraschung nimmt ihr niemand ab und für eine Schlagzeile reicht ein Me-too-rant natürlich nicht. Also muss sie, wohl auch in Dramentexten belesen, die heroische Handlungen stilisieren, noch mit einer satten Forderung nachlegen: “Von mir aus schmeißt mich jetzt raus”.

Doch auch da kommt Heidenreich zu spät. Den besten Abgang als beleidigte Leberwurst hat längst Kevin Kuranyi hingelegt. Einfach auf französisch verabschiedet, weil er in den Nationalelf nicht mal auf der Bank sitzt. Was wahrscheinlich nur Kuranyi wundert. Aber es ist der erfrischendeste Abgang. Weil Kuranyi ihn nicht mit einigen Headline-tauglichen Zitaten orchestriert hat. Oder hat der mittlerweile aus der Nationalelf gefeuerte – äh – Torjäger auch das bloß schlicht wieder verbockt?

Vonwegen: Der Schalker beweist intellektuelle Fallhöhe. Marcel Reich-Ranicki und Kevin Kuranyi sind Brüder im Geiste: Sie vertrauen auf den Long Tail. Reich-Ranicki, der für den Eklat eine TV-Show abstaubt. Kuranyi, dem sein Schweigen Publizität für Tage bietet. Bis er sich dann bei Beckmann, Kerner, Raab, Stern, Kicker und Co erklären kann.

Und Heidenreich? Darf beim ZDF weiter “Lesen” moderieren. Blöd gelaufen. Beim Fußball nennt man sowas Wasserträger.

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    Marcel Reich-Ranicki Fernsehpreis — 13. Oktober 2008 @ 13:16 Uhr
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