Spießer Alfons: Pfui! EU-Abgeordnete diskriminieren Berufstand!
In Werbung und Medien war das Thema Sex in letzter Zeit ziemlich allgegenwärtig, weshalb es auch seinen Niederschlag gefunden hat hier bei otr. Und gerade hatten der Olaf und der Alfons sich verständigt, alle Beiträge, die sich zwei Handbreit unterm Nabel abspielen, mal etwas verhaltener zu behandeln, da las Alfons in den Zeitungen etwas Ungeheuerliches, und zwar:
EU-Abgeordnete wollen keine Prostituierten mehr in ihren Hotels! Deshalb hat eine Gruppe von Politikern eine Aktion gestartet, die Hotel-Betreibern auferlegen will, dass Callgirls keinen Zugang mehr zu den Betten der Politiker haben sollen. Drohung: Andernfalls schlafen die Herren nur noch da, wo die Sünde keinen Einlass findet, also in Klostern. Ganz speziell in Straßburg sollen, so liest man, in den Hotels mehr Liebesdienerinnen ein- und ausgehen als Zimmermädchen.
Spießer Alfons fragt: Was soll denn das nun wieder bedeuten…?
Hatten wir uns nicht gerade darauf geeinigt, dass der Beruf der Hure, der als ältestes Gewerbe der Welt gilt, gleichgestellt werden soll mit dem Beruf einer Kellnerin, Bundeskanzlerin oder Zahnarzthelferin, sprich: öffentliche Anerkennung findet wie jeder andere Beruf auch? Dass Callgirls genauso Steuern zahlen sollen wie die Frauen im Callcenter, deren Arbeit auch nicht leichter ist? Und die Töchter von Irma la Douce entrichten bereits soziale Abgaben und können der gesetzlichen Krankenkasse beitreten — dürfen aber bei ihrer Arbeit nicht dasselbe Hotel benutzen wie Handelsreisende, Anlagebetrüger und EU-Politiker? Ist es nicht Diskriminierung, wenn einige Politiker (vermutlich nicht mal die absolute Mehrheit!) fordern, dem Fremdenverkehrsgewerbe die Matratze unterm Hintern wegzuziehen, sprich die Gunstgewerblerinnen aus den besseren Hotels zu vertreiben und sie auf die Straße zu schicken wie lästige Kakerlaken?!
Verstehen kann der Spießer, dass man die Herren des leichten Gewerbes, sprich EU-Abgeordnete, nicht mehr in Hotels übernachten lassen möchte, wo Prostituierte arbeiten! Und das ist auch gut so, denn diese Hotels sind mit Sicherheit teure Absteigen, wo der Steuerzahler möglicherweise auch versteckte Extras auf der Hotelrechnung bezahlt, weil EU-Abgeordnete eventuell eine besondere Schwäche für die käufliche Liebe haben.
Aber sind EU-Politiker keine mündigen Bürger, die selbst entscheiden können, ob sie das freie Angebot des horizontalen Gewerbes annehmen wollen oder nicht? Was ist, wenn morgen jemand kommt und fordert, dass in den Hotels kein Alkohol mehr ausgeschenkt werden darf und die Milchbar um 22 Uhr geschlossen wird? Oder dass die Herren ihre Zimmer selber aufräumen sollen und die Minibar aus den Zimmern entfernt wird, weil es dem Steuerzahler nicht zugemutet werden kann, dafür die Kosten zu übernehmen?
Von der Tempelprostitution bis zum Eros-Center, vom Strich der Straße bis zum Callgirl im 5-Sterne-Hotel: Käufliche Liebe gab es immer schon und wird es immer geben. In der Kunst und Literatur, im Film und auf der Bühne ist Pretty Woman genauso präsent wie im täglichen Leben. Bald aber nicht mehr in europäischen Hotels, speziell jenen, wo EU-Abgeordnete übernachten, was auch finanziert wird mit Steuergeldern aus Prostitution…?
Es sollte den Spießer gar nicht verwundern, wenn die Hurenverbände demnächst vorstellig werden beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Und Alfons hat noch eine letzte Frage, nämlich: Welcher Berufsstand hat der Welt mehr Unglück gebracht — Huren? Oder Politiker…?
(Die Illustration stammt übrigens von otr-Mitarbeiter Henri Toulouse-Lautrec, einem Pariser Werbegestalter für das horizontale Gewerbe.)
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“[...] Callgirls keinen Zugang mehr zu den Betten der Politiker haben sollen.”
Ach was, die Damen und Hotelangestellten zwingen also unsere [brrrr] EU-Politassen gar zu bezahltem Sex. Die legen sich einfach in die Betten, warten auf den überarbeiteten Parlamentarier oder Kommissionisten – dann schnappt die Venusfalle zu. Im Grunde werden die armen Schweine somit vergewaltigt.
In den USA treten Senatoren und Repräsentanten – nicht wirklich gern – von ihrem Posten zurück, wenn sie bei sexuellem Fehlverhalten [also alles außer bei ausgeschaltetem Licht, unter der Bettdecke, möglichst bewegungslos, mit der eigenen Frau und oben liegend] erwischt werden. Bei uns sind die Nutten schuld.
Und was ist mit unverheirateten Politikern? Soll denen auch das humane Recht auf Entspannung verweigert werden?
Die Politiker haben meine volle Unterstützung! Diese in der Regel überaus attraktiven Männer – wenn sie nicht sogar der Kategorie “sexiest men alive” zugeordnet werden können- haben es zweifellos permanent mit aufsässigen Frauen zu tun, die sich ihnen freizügig aufdrängen, wann immer es geht. Wegen ihres männlichen Sexappeals. Da machen die auch nicht vor Hotelzimmern halt.
Und mit dieser Doppelmoral nötigen – um nicht zu sagen: erpressen – die Parlamentarier die Hotelbesitzer, die dann vor der Wahl stehen: Liebe oder Hiebe!