Kerstin Plehwe: “Parteien glauben noch an Botschaftskontrolle”
Für die Printgeschichte zu den Auswirkungen des Wahlkampfs von Barack Obama im Web auf die deutschen
Verhältnisse habe ich auch ein Interview mit Kerstin Plehwe geführt. Sie ist Politik-Beraterin und Vorsitzende der Initiative ProDialog. In dem Buch “Von der Botschaft zur Bewegung – Die 10 Erfolgsstrategien des Barack Obama” beschäftigt sie sich aktuell mit den Learnings des Wahlkampfs.
Barack Obama hat mit seinem Wahlkampf im Internet viel Aufmerksamkeit erzielt. Lässt sich dies im deutschen Wahlkampf adaptieren?
Kerstin Plehwe: Viele Parteien glauben, dass ein ähnliches Phänomen in Deutschland nicht wiederholbar ist. Wir werden 2009 daher eher punktuelle Umsetzungen sehen. Das Thema Communities wird dabei sicherlich eine Rolle spielen.
Warum werden innovative Elemente bislang nur so zurückhaltend eingesetzt?
Kerstin Plehwe: Die Parteien glauben immer noch eher an Botschaftskontrolle und fürchten sich davor, dass andere eigene Slogans für ihre Kampagne basteln. Ein Kommunikationsverlauf, der bottom-up und nicht top-down verläuft, ist für viele weiterhin ein Horror. Das Grundprinzip im Wahlkampf von Barack Obama war dagegen die Freiheit, seine Botschaft im Web anders und neu verpacken zu dürfen und beispielsweise seinen Unterstützern die Möglichkeit zu geben, eigene Websites zu bauen. Obama will Partizipation. Die Parteien wollen dagegen immer noch in erster Linie gewählt werden.
Welche Schlussfolgerung sollten die Parteien aus dem US-Wahlkampf im Web ziehen?
Kerstin Plehwe: Für einen Dialog ist ein kultureller Wechsel nötig. Das erfordert auch Veränderungen in der Organisation und der Struktur der Parteiapparate, bis hin zu den Freiwilligen-Organisationen. Wer glaubwürdig sein will, muss sich auf das Gespräch einlassen und es auch fordern.
Auffallend war in den USA der Einsatz des Web zur Generierung von Kleinspenden. Wird es dies auch in Deutschland geben?
Kerstin Plehwe: Die Deutschen sehen mit Blick auf die staatliche Finanzierung nicht so sehr die Notwendigkeit, ihre Parteien zu unterstützen. Angesichts knapper Budgets werden die Parteien im Online-Fundraising aber sicherlich noch deutlicher auftreten. Bislang waren die Ansätze dazu aber eher bieder und wenig kreativ.












Habe das Buch gelesen und bin ehrlich gesagt begeistert davon, wie Obama die modernen Medien benutzt… da können nicht nur Poliker, sondern auch Marketingleute einiges von lernen