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Google stiftet Verlagen und Communities die letzte Opferkerze

Als Kind wollte ich mal Pfarrer werden und vielleicht wäre das keine schlechte Alternative gewesen zum Journalismus, denn die Zukunft sieht düsterer aus als das Innere eines Beichtstuhls. Die Kirchen aber werden wieder voller und mit Bittkerzen lässt sich demnächst jede Menge Geld verdienen, wenn Redakteure, Verlagsmanager und mit ihnen die Community-Macher ihre Stoßgebete gen Himmel schicken. Es sein denn, man arbeitet bei oder mit Google, das auch den Social Networks nun das Anzapfen von Geldquellen vormachen könnte und mit einem neuen Modell wahrscheinlich die letzte Opferkerze finanziert.

Die alte Tante “New York Times” wird bereits mit der Titanic verglichen und bei der WAZ zieht Hombach mit einem 30-Mio-Sparkurs samt vermutetem Stellenabbau die finanzielle Notbremse und macht sich damit wohl zum Vorbild der Branche, bevor alle vor die Hunde gehen. Das ist nicht nur die Folge einer Qualitätskrise off- und online, sondern auch die einer Ideenkrise, die seltsamerweise nur das Auflagen-Doping und die Abowerbung  nicht befällt.

Doch aber genau Ideen und der Mut zu echten Innovationen sind jetzt gefragt. Sonst ist diesem Zitat nichts hinzuzufügen: “Frankly, it’s time to fight to save your journalism job or get the hell out.” Der Journalistenschredder zitiert es genüsslich unter der Überschrift Armageddon.

(Beispielsweise könnte man einmal darüber nachdenken, ob man sich nicht schleunigst vom überholten Konzept gedruckter Nachrichten von Gestern verabschiedet und stattdessen täglich einen Satz guter, langer Hintergrundgeschichten mit Nutzwert zum aktuellen Geschehen im Tabloid liefert. Quasi der tägliche Focus, die tägliche FAS im 16-seitigen handlichen Kleinformat ohne die Antiquitäten, die jeder schon dreimal im Web und in der Tagesschau gesehen hat.)

Wahrscheinlicher aber ist, weil der Ruf der Presse nach antiyzklischem Verhalten immer nur den Werbekunden, nie aber den Verlagen selbst gilt, dass die Qualität erst einmal gänzlich vor die Hunde gehen muss, bis die Medien merken, dass sie mit Füllmaterial allein auf Dauer keine standfesten Verlagshäuser bauen können.

Es ist ja nicht nur die Auflage, die sinkt, und manch einen Unternehmensberater in Hintergrundgesprächen dazu drängt, einem Großteil der Verlage nun noch eine 5-Jahres-Frist einzuräumen, bevor die letzte Ölung bestellt werden muss.  Auch das klassische Geschäftsmodell der Verlage -Werbeerlöse- schmilzt schneller dahin als eine billige Kerze, weil sie von Google und anderen rechts und links überholt wurden und werden.

Die Idee, einfach auch einmal in MamiPapiKatze-Community ohne klaren und uniquen Nutzwert zu machen, weil das Geld nicht mehr auf der Straße liegt, sondern auf den Servern, erweist sich dabei vielfach auch zunehmend als Irrtum. Selbst die Platzhirsche röhren auf leeren Weidegründen.  Mehr als 20 Millionen Euro Werbeumsatz sind beispielsweise bei StudiVZ auf absehbare Zeit wohl nicht drin. Und selbst das wäre eine Summe, schon lange vor dem Abgang von Marcus Riecke bei dem Netzwerk kolportiert, die vermutlich einer Verdopplung der aktuellen Werbeerlöse gleichkäme. Dabei kann Riecke für das schleppende Wachstum nicht einmal etwas.

Selbst dem Primus Facebook geht es nicht viel besser. 110 Millionen Nutzer weltweit, voraussichtlich 265 Millionen Dollar Umsatz und damit das eigene Klassenziel vermutlich verfehlt. Weil die Werbekunden nicht so recht wollen, und die Nutzer nicht so recht wollen (siehe Beacon) wie die Werbung und Facebook. Der vermaledeite Social Graph will sich nicht monetarisieren lassen. “Even Facebook has no idea what will work”, registriert Newsweek. Und bei 2Dollarundeinpaarzerquetsche pro Nutzer ist auch Kerzenverkauf am Kirchenportal in diesen Zeiten kein schlechtes Business-Modell.

Google, wie kann man es anders erwarten, aber hat schon eine Lösung. Da ist die Idee, den Ranking-Mechanismus des Pagerank für Websiten quasi auf die Bewertung des Freundeskreises eines Nutzers in einem Netzwerk zu übertragen. Damit könnte dann nicht nur bewertet werden wie groß der eigene Freundeskreis bei Facebook oder auch StudiVZ ist, sondern auch wieviele Freunde diese Freunde haben, samt der damit verbundenen Posting- und Kontaktfrequenz. Über diese Form des Influence-Tracking könnte Google dann die Displays der Werbekunden einflussreichen und multiplikationsstarken Gruppen und Personen zuordnen und den Werbedialog mit einflussreichen Netzwerkmitgliedern aussteuern. Die Werbekunden bekommen damit endlich ihren zugeschnittenen Social Graph, die Communitys ein paar dringend erhoffte “Adword”-Prozente und Google vollere Taschen inklusive einer unverzichtbaren Position im Bereich Social Media.

Und wenn man einmal mit neuen Lösungen zugange ist, kann Google ja auch gleich noch die Adwords bebildern.

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Kommentare

  • meistermochi 24. Oktober 2008 (19:16 Uhr)

    DAS ist darwinismus.

  • Kaffeekanne 24. Oktober 2008 (20:17 Uhr)

    “Wenn ich morgens ins Büro komme und mich über die Nachrichtenlage informieren will, schaue ich ins Internet. Zeitungen spielen da quasi keine Rolle mehr”, sagt Matthias Harbort, Verantwortlicher für die Nationale Initiative Printmedien des Bundeskanzleramts. Macht nicht nur er so.
    http://cartaweb.de/614/die-bundesregieru...

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