Die nächste Partei kommt aus dem Web
Zugegeben, vielleicht ist es zumindest für deutsche Verhältnisse gegenwärtig noch eine etwas steile These, dass die nächste Parteigründung im Web stattfindet. Aber die Mobilisisierungs-Kampagne von Barack Obama in Social Networks, auf Fund Raising-Sites mit Millionen von Einzelspenden und per e-mail hat gezeigt, dass die Begeisterung der Massen via Web besser erzeugt werden kann, als mit noch so vielen bunten Partei-Regenschirmen in der Fußgängerzone.
Das Netz wird künftig insbesondere für Graswurzel-Bewegungen eine immer stärkere Rolle spielen und warum soll man dann nicht auch gleich die Parteigründung samt Parteiprogramm per Wiki und mit flachen Hierachien erarbeiten.

Aber wozu eigentlich noch Parteien? Parteien, und wahrscheinlich wird sich das deutsche Wahlsystem als eines der letzten weltweit darauf einstellen, werden eines fernen Web-Tages überhaupt keine Rolle spielen, weil die Interessen sich in irgendwelchen stets neu auf einander treffenden Gruppen verbinden werden, die dann nur lose miteinander vernetzt sind, Koalition auf Zeit bilden, und so politischen Prozessen eine ganz neue Dynamik geben.
Schließlich lassen sich Gruppen bei Facebook und StudiVZ nicht nur für die Rückkehr von Nogger Choc nutzen, oder um langweilige Politiker-Profile aufzuspielen, sondern können ebenso für die Aggregierung des politischen Willens einer digitalen Gesellschaft oder die Willensbildung und Mitgliedersteuerung einer Web-Partei genutzt werden.
Facebook, als Basis des “Graswurzelprotestes und Plattform der freien Diskussion” ist schließlich beinahe schon ein alter Hut, wenn auch noch nicht Standard. Parteigründungen sind also nur der nächste logische Schritt. Schon wird ja in den USA im Internet über das Polit-Programm von Obama als Präsident gestritten und diskutiert.
Die Partei 2.0 sollte ein Klacks sein, denkt Obama doch sogar schon unter der Überschrift “Google für Governement” weiter in Richtung einer transparenten Regierung, deren Finanzquellen und Ausgaben durchsuchbar sind, wenn auch gegenwärtige Ansätze noch optimierbar sind.



















Zugegeben, vielleicht ist es eine steile These, aber ich habe das Gefühl, dass die US-Amerikaner im Jahr 2008 auch Crazy Frog Millionen von US-Dollarn gespendet hätten…
Anstatt dass man das Geld für sinnvolle Dinge nutzt (also Bildung, Gesundheits- und Sozialwesen), werden irrwitzige Summen für den Wahlkampf gespendet. Und das alles wird dann noch von den Medien hochgejubelt.
Fragt sich da einer noch nach Moral, Sinn und Verstand der angeblich mächtigsten Nation der Welt?
Ich will nicht etwas verurteilen, was ich vielleicht nicht verstehe. Aber ich möchte zum Ausdruck bringen, dass mir das Verständnis fehlt für das, was gerade zwischen Alaska und Florida passiert. Und vor allem wie die Medien weltweit damit umgehen.
Wenn Angela Merkel ihren Wahlkampf 2005 dermaßen aufgezogen hätte wie Obama 2008, wäre sie von den deutschen Medien geschlachtet worden. Und das wahrscheinlich auch zurecht.
so steil ist these gar nicht.
es gibt längst schon die IGEBLOP:
http://www.dieweltistscheisse......8/igeblop/
Langsam wird es immer bedenklicher, wenn man im Vorfeld der aktuellen Wahl beobachtet, dass ein beträchtlicher Prozentsatz des Wahlkampfes online geführt wird, kann man sich vorstellen, wie sich das in kommenden Jahren noch steigern wird.
Das Google-Mitarbeiter in die Regierung sollen, halte ich für bedenklich, ausführlicher Informationen zu diesem Thema hier:
http://www.googlefalle.com/
@ Sachar – Da beisst sich die Katze leider in den Schwanz, ohne Geld keine Medienpräsenz und ohne jene kein Erfolg heutzutage. Im Prinzip stimme ich Ihnen zu, nur, 2005 ist in unserer schnell lebigen Zeit schon Antike. Und
Medienwirksamkeit auszunutzen war schon immer ein amerikanisches Faible.
@sachar
Hm, Funding ist ja hier nicht so ein Thema angesichts der staatlichen Parteienfinanzierung. Aber mehr Dialog und Interaktion im Web würde auch Merkel und Co gut stehen. Obama will ja künftig sogar Gesetzesvorhaben im Web diskutieren und kommentieren lassen. Vielleicht wird es so eine Art “Governement Blog”. Kein falscher Ansatz.
@britta Warum sollen nicht mal zur Abwechslung intelligente Leute in einer Regierung arbeiten?
@weltherrscher, das ist doch verkappte Web 2.0-Monarchie, die natürlich im Sinne Platos bei dir gut aufgehoben wäre.
Ich glaube nicht, dass man die Systeme in Deutschland und den USA so einfach vergleichen kann. In Deutschland sind die Parteien noch wesentlich stärker – wenn auch mit Tendenz fallend – in der Bevölkerung verankert. In den USA muss man diese Nähe zu den Menschen medial inszenieren – wirklich geben tut es sie aber nicht. Das stört die Menschen in den USA aber auch nicht, da die Politik aus Washington dort eh viel mehr als sportlicher Wettkampf gesehen wird – die wichtigsten Entscheidungen fallen in den Staaten.
In Deutschland wird Politik als etwas sehr ernstes und wichtiges betrachtet. Inszenierung von Volksnähe – wie bei Schröder qua Bild – wird nicht unbedingt honoriert. In diesem Sinne sollten Parteien eher wieder versuchen, sich in der Bevölkerung stärker zu verwurzeln. Wie das geht, haben Linkspartei und Freie Wähler (und leider auch die Rechten) in den vergangenen Jahren vorgemacht. Als Tool zur Herstellung dieser Verankerung ist Web 2.0 sehr geeignet. Wieso sollte man auf der Webseite einer Stadt nicht über eine Umgehungsstraße diskutieren können. Und wenn das funktioniert, sollten die Tools auf den anderen politischen Ebenen ebenfalls installiert werden.
Dass die Parteiendemokratie durch Web 2.0 am Ende angelangt ist, glaube ich übrigens keineswegs. Schlichte Koalitionen in Sachfragen würden zu einem sehr unbeweglichen System führen, in dem konsistente Entscheidungen beinahe unmöglich wären. Die Schweiz ist dafür ein sehr gutes Beispiel. Ich möchte mir nicht vorstellen, welche Folgen dieser Politikstil in einem “großen” Land wie Deutschland hätte.
Olaf, ich gebe Dir in einem Punkt zu 100 Prozent recht: Die Parteien in Deutschland müssen endlich anfangen, über das Netz mit dem Bürger zu kommunizieren. Das bedeutet also auch, Fragen zu beantworten und auf Kommentare einzugehen. Bisher verläuft die Kommunikation lediglich in eine Richtung und ist daher auch wenig erfolgreich.
Ich habe mit mehreren Politikern (auf diversen Ebenen – von Kommunal bis MdB) gesprochen, alle stimmen zu. Doch sagen sie dann: Leider fehlt die Zeit. Und das Geld.
Ich kann diese Argumentation nicht wirklich nachvollziehen, für mich klingt das wie eine billige Ausrede. Aber genau das ist es ja, was man Politikern häufig vorwirft: Dass sie nie um eine billige Ausrede verlegen sind.
Nichts für ungut, aber eine Partei aus und für das Internet gibt es schon, die PIRATENPARTEI. Trotz dessen Namens keine Gag-Partei, sondern mit einem sehr interessanten, ernstgemeinten und zeitgemässem Programm – auf open source Basis
Auf Landesebene treten sie schon an, auf Bundesebene dann (hoffentlich) im nächsten Jahr.
Olaf, den konnte ich mir bei dem Thema nicht verkneifen.
http://www.tsgnet.com/pres.php.....=Lpmcsvfdl