Spießer Alfons: Die Mauer im Kopf
Es gibt ja Werbungmacher, die meinen, Werbung müsse immer witzig sein. Damit das Volk lachen soll. Und manchmal fallen die Leute sogar um vor Lachen. Weil sie sich totgelacht haben.
In Berlin beispielsweise klebt ein lustiges Plakat. Darauf wird die Frage gestellt: „Berliner, wollt Ihr mal wieder eine Mauer sehen?“ Und dann wird ein Flug zur Chinesischen Mauer angeboten — ha! ha! ha!
Ein Plakatanschlag auf den guten Geschmack. Mal ganz davon abgesehen, dass es Mauern zuhauf gibt in Berlin, so gibt es die Mauer, mit der damals die Stadt getrennt wurde, auch noch heute. Und zwar in vielen Köpfen, speziell von Ultra-Linken, die so weit links stehen, dass sie rechtsradikal schon wieder rausgucken. Und die wünschen sich die alte Gefängnismauer zurück. Mit Wachhunden, Stasi und Schießbefehl. Also genauso lustig wie das Plakat.
(Spießer Alfons dankt Folke für den sachdienlichen Hinweis!)
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Aus meiner Sicht sollte Werbung durchaus mit etwas Witz daher kommen – schlimm ist nur das viele meinen, alles Lachhafte sei witzig. Sind wir uns einig darüber, dass ‘witzig’ und ‘komisch’ oder ‘lustig’ nicht dasselbe sind?
Diese Werbung beweist, dass Auftraggeber und -nehmer eben genau keinen Witz haben. Sie haben vielleicht Backsteine, dummerweise aber nur in ihren Köpfen. Und die werfen sie dann im nächsten Jahr in Schaufenster, ‘weil Scherben Glück bringen’.
PS: Nein, provokant ist das ganze auch nicht. Im besten Fall hat es Schockwert, aber der wirkt bekanntlich nur einmal und kurz. Wirklich provokant ist etwas, das unsere gewohnten Sichtweisen herausfordert und aus dem entstehenden [inneren] Konflikt Neues entwickelt.
Ich find die Werbung weder “Ultra-Links” noch “rechts” …sondern ein wenig witzig. Ergo: immer noch besser, als so vieles aufdringlich Schrilles und arg Lautes.
Und zur hier herangezogenen Politik: “die Mauer wieder haben” wollen ja in der Tat viele, hier wie dort. Vielleicht hat das einen Grund? ..der weder “Ultra-Links” ist noch “rechts”. Mannomann.
Und: “Schock”, gar einen “Schockwert hat es” und “Sichtweisen werden herausgefordert” oder eben nicht…? Achjottchen. Ist das nich alles ‘n bisschen zu hoch gegriffen?
@ Jeeves – Du hast völlig recht. An der Mauer in Berlin wurden ja auch nur ein paar Menschen erschossen – und denen ist es heute eh egal, ob die Mauer da ist oder nicht. Ich denke, es gibt Symbole, über die sollte man nicht scherzen, witzeln oder “Achjottchen” sagen.
@ Jeeves
Es handelt sich bei der Berliner Mauer um eine Gefängnismauer, mit der unschuldige Menschen eingekerkert waren. Wer flüchten wollte, wurde erschossen. Darüber kann man zwar Witze machen; wer aber damit Wirtschaftswerbung treibt (sprich: Geld verdienen will), ist in meinen Augen ein Ignorant.
Ich greife lieber nach oben als in die Tonne, Jeeves.
Herzlich willkommen in Deutschland, dem einzigen Land in dem permanent “mutige”, “außergewöhnliche” Werbung gefordert und genauso permanent über eben jene geschimpft wird. Wir in Deutschland leben das Motto “Traut euch doch mal, aber nur ein bisschen und so, dass es keiner merkt” wenigestens noch konsequent.
Aber wir haben ja auch viel Schlimmes erlebt (Weltkrieg I+II, DDR, Dschungelcamp) – da wird man sich als Deutscher wohl noch mal über sowas empören dürfen.
Tjaha: mit einfachen Abräumern braucht man uns Deutschen gar nicht erst zu kommen, wir denken verantwortungsvoll und vor allem moralisch korrekt auch immer über die Folgen solcher Scherze nach.
Wundert mich, dass der Zentralrat der Juden oder wenigsten Michel “Paolo Pinkel” Friedmann sich noch nicht zum Plakat geäußert haben und den Rücktritt des Art Directors, quark: der ganzen Branche, gefordert haben. Oder wenigstens ‘ne Gewerkschaft oder sowas. Egal.
Meine Meinung: das Momentum des Plakats stimmt. Ich hab gegrinst, ich hab’s mir gemerkt. Mag aber auch an meinem verkommenen Charakter liegen. In diesem Fall würde ich mich natürlich schämen.