Popel Opel
Vielleicht muss Uri Geller ran und den Kapitalismus retten. Bailout an die Außeridischen. Wenn nun selbst die Autobauer wie General Motors und Opel um Miliardenhilfe ringen und mit staatlicher Unterstützung der Wettbewerb ausgehebelt wird, dann spricht bei solcher Tolldreistigkeit bei der Unterstützung jahrelangen Unvermögens auch nichts dagegen, einen Spendenbrief ans Universum zu schicken oder vielleicht sinnvollerweise mal Argan-Öl zu subventionieren. Wozu aber Opel? So attraktiv wie ein abgestandenes Kölsch und bald mehr Markenleiche als ein alter Borgward .
Apropo Markenleiche: Wie haben sich alle gefreut, als nach dem Wahlsieg von Barack Obama Zeitungen wie im Wahn gekauft wurden. Wie wurde dies als Beweis für die Lebendigkeit des Mediums gefeiert, weil manche Zeitung plötzlich bei Ebay für ein paar Minuten mehrere hundert Dollar kostete, bevor der Preis ebenso schnell wieder auf Altpapierniveau sank.
Gerade auch von einigen Münchner Blättern kam solcher Jubel, in deren direkter Nachbarschaft nun selbst die Flagschiffe wie die SZ die Segel recht ungalant einholen müssen.
Denn der Run auf die Obama-Blätter ist nur ein kurze Hype gewesen. Wie das letzte kurze Hoch eines Todkranken, bevor der Schnitter ihn holt. Denn es ist keine Finanzkrise, sondern eine Strukturkrise, die die gesamte Holzflotte schon die Segel abschlagen lässt. Man kommt schon gar nicht mehr mit, mit all den Krisenmeldungen und muss dem Spiegel danken, dass er einmal internationale Fieberstände zusammenfasst.
Warum also kommt der Staat nicht auch gleich Gruner + Jahr bei seiner Todesliste zu Hilfe. Meinungsvielfalt, Demokratie, Pluralismus retten und so weiter?
Was aber die Branche eigentlich benötigt: Mehr Mut, mehr Mut zu neuen Ideen und zu Investitionen. Gerade zu schmerzhaft wird einem jetzt bewusst, dass die Controller noch nie etwas von der Medienlegende Henri Nannen gehört haben: “Ich werfe das Geld mit beiden Händen zum Fenster raus und es kommt unten vermehrt zur Tür wieder rein“.
Innovationen aber, die den Markt und ein Unternehmen voranbringen, sind noch nie auf der Basis von Subventionen geboren worden. Dazu ist aber gerade jetzt die Zeit. Jetzt, wo die Komfortzone nur noch eine Erinnerung ist, kann man sich auch mal ein paar Schritte in neue Bereiche wagen. Schmerzhafter kann das auch nicht werden.
Womit wir wieder beim Thema Opel wären. Würde jemand Opel vermissen? Der Kunde sicher nicht, der angesichts siechender Absatzzahlen offenbar kein Interesse an der Marke hat. So wäre jede Hilfe wohl nur eine künstliche Lebensverlängerung, die einem komatösen Patienten noch ein paar Jahre am Tropf hält und erfolgreichen Marken den Wettbewerb erschwert, die in den vergangenen Jahren eine weniger verschlafene Modellpolitik und weniger erratische Werbestrategien mit imperativen Slogans wie “Entdecke Opel” auf den holprigen Weg brachten.
Hilfe für Opel wäre einzig und allein mit einem Bekenntnis zu sich selbst und zum eigene Markenkern sinnvoll. Nicht aber mit Wunschdenken wie es 2007 noch Opel-Marketingchef Alain Visser formulierte: “Opel ist flexibler, pfiffiger, sinnlicher und sexier als die anderen deutschen Volumenmarken”.
Das war nie der Markenkern von Opel und wird es auch nie sein.
Genausogut könnte man Uri Geller als Apologeten der Aufklärung und des Skeptizismus sehen.
Der Markenkern von Opel war immer schon dem Volksmund (Neudeutsch: wisdom of the crowd), besser als jedem Rolandbergerianer oder Mckinseyianer, klar: “Jeder Popel fährt nen Opel”.
In Zeiten in denen die langweilige Mitte des Konsums tot ist, ist das natürlich ein schlechtes Vorzeichen. Es ist aber kein Satz für den man sich schämen müsste, so wie es Opel scheinbar tut.
Es ist ein Satz, der eine Menge über die Volumenkraft der Marke aussagt. Den man auch sinnvolll nutzen und positiv umdeuten kann. Das hat Opel nicht verstanden. Und wenn es das Management nicht versteht, dann ist jede finanziellle Hilfe unnütz. Weil sich die Marke mit dem Geld dann nur weiter teure Etiketten anschafft, um wie Argan-Öl zu wirken, obwohl es doch immer noch nach Sonnenblumenöl schmeckt.
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Ehrlich gesagt finde ich ziemlich platt, was Du da formulierst – und das nicht nur, weil ich selbst einen Opel fahre.
Fangen wir mal mit der Frage an, ob jemand Opel vermissen würde. Ich denke schon, denn trotz aller Absatzeinbußen der vergangenen Jahre/Jahrzehnte ist Opel einer der meistverkauften Automarken Deutschlands und Europas. Das sind einige Menge Leute, die der Marke vertrauen und sie gut finden. Insofern: Ja!
Zu: Jeder Popel fährt einen Opel. Vielleicht hast Du damit recht, dass das das Image ist, aber kann ich das zu meinem Markenkern ernennen? Dass ich stinknormal, bieder und für niemanden attraktiv bin? Aus diesem Grund soll jemand 15, 20 oder 30tsd Euro für ein Auto von mir bezahlen? Ich halte das für ziemlichen Quatsch. Opel muss den Normalbürgern Autos bieten, die diese als innovativ halten. Autos, bei denen der Mercedes-Fahrer anerkennend nickt, wenn er sie sieht, weil er denkt: “Donnerwetter! Besser als ich gedacht hätte.” Opel ist besser als man denken würde – deshalb “Entdecke Opel”.
Wenn ich so viel Kohle für ein Auto ausgebe, dann will ich auch denken, etwas cooles fahren zu können. Dass wir als Marketing-Heinis Opel damit immernoch nicht cool finden, spielt keine Rolle. Denn uns treffen die “Normalos” ja nie und “unsere” Alfas halten die “Normalos” auch für bescheuert – weil die ja noch öfter in der Werkstatt stehen als ihr Popel.
Zusammengefasst: Ich finde Opel hat in den vergangenen Jahren einige Schritte nach vorne gemacht und ich finde es schade, dass sie jetzt erstmal mit anderen Problemen kämpfen müssen, bevor sie ihn weitergehen.
Außerdem hat GM nen Super Social Media Newsroom
So, und jetzt setz ich mich in meinen Corsa und fahr in die Muckibude.
Bissle mit heißer Nadel gestrickt. Ich hoffe, trotz Grusel-Grammatik versteht man, was ich sagen wilö
))
Da hast Du absolut recht, mein lieber Spießer. Abgesehen davon, dass der ein oder andere treue Kunde die Marke schon vermissen würde. Aber was die Marketingabteilung (oder wer auch immer für das Kommunikationskuddelmuddel verantwortlich ist) da in den letzten Jahren angerichtet hat, ist gruselig. Umso mehr, da die Ingenieure und Designer viel geleistet haben. Die Produkte sind allemal besser als ihr Image bzw. die Kommunikation dafür: “Entdecke Opel”, “Frisches Denken für bessere Autos” etc. Das man ein Markenimage grundlegend wandeln kann, ist seit Audi bewiesen. Tolle Ideen für die Marke sind machbar, siehe “Die Mantaverschwörung”. Nur nicht von denen, die dafür bezahlt werden. Oder hat einer von all den Kommunikationsspezialisten die das hier lesen die C’Mon-Kampagne mit den Strickpüppchen für den Corsa verstanden?
@fummel. Nur zu Verständnis: Der Spießer hat mit diesem Posting nichts zu tun.
Und die C’Mon-Kampagne mit den Strickpüppchen für den Corsa habe ich auch nicht verstanden. Der Kunde? dont know.
@Christian
These: Leute, die “stinknormal, bieder und für niemanden attraktiv” sind wollen ja nicht auch noch eine Marke die das widerspiegelt. Nebenbei, Deshlab laugfen auch kaufhäuser immer schlechter. Klar kaufen da noch Massen ein nicht aber Massen genug.
Den Auftrag formulierst du korrekt:
“Opel muss den Normalbürgern Autos bieten, die diese als innovativ halten. Autos, bei denen der Mercedes-Fahrer anerkennend nickt, wenn er sie sieht, weil er denkt: “Donnerwetter! Besser als ich gedacht hätte.”
Nur tut es das? Schau dir mal in Foren allein die Qualitätsdebatte über Opel an. ojeojeoje.
Aber micht interessiert hier nur die Kommunikation und das image, und das ist nicht so wie noch weiland zu Opel Admiral-zeiten in denen man gut auf eine Alphamännchen-Marke (damals Bonzen-marke) verzichtete und lieber understatement mit opel zeigte.
[...]wieder Wahlkampf?! Das Vorglühen ist jedenfalls in vollem Gange. Da werden schon mal im Kern amerikanische Konzerne gerettet und eine Marke Opel, die nicht erst jetzt, sondern schon seit Jahren – in jedem Fall solange mich erinnern kann – am Abgrund[...]
Ich habe 14 Jahre bei Opel in Rüsselsheim gearbeitet.
Zuerst wurde der Ruf durch Lopez` Sparpläne enorm geschädigt (früher hatten Opel-Fahrzeuge den Ruf Zuverlässig zu sein, dies wurde durch den Launch des Opel Omega A unter Lopez komplett ad absurdum geführt, die Zulieferer, die gnadenlos im Preis gedrückt wurden, die Fertigung vieler Teile, die an GM-Töchter verkauft wurde und die dann in Spanien oder Brasilien bei Halbierung der Kosten 90% weniger Qualität lieferten (Ja, die Mitarbeiter bei Opel waren immer Stolz auf “ihr” Produkt und haben ihr bestes gegeben). Natürlich wurde die Produktion der Teile bei den GM-Töchtern von Jahr zu Jahr teurer.
Und da wäre da noch die Mutter, GM, die schon immer die Gelder aus Rüsselsheim rauszog. In den Rekordjahren von Opel – mit 14-15mrd Umsatz und 1-2mrd Gewinn – machte GM pro Monat mehr Verlust als Opel im Jahr an Reingewinn.
Der Konzern heute ist schon zerschlagen, wann immer Gewerkschaft und Betriebsrat zu irgendwas ihre Zustimmung verweigern, wird sofort mit der Auslagerungs-/Kündigungs-keule gewunken. Das einst stolze Motorenwerk in Kaiserslautern ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Das Flagschiff von Opel – Rüsselsheim – in dem einst 55tsd Menschen arbeiteten, ist zusammengeschrumpft zu einer Montagehalle, Lackiererei und Rohbau. Und nur noch ein paar tausend Produktiven.
Bochum – wo seid 40 Jahren Kadett/Astra gebaut werden, wird ausgespielt gegen Standorte in Belgien, UK und Polen.
Wer mit einer Abfindung gehen kann und keine 200000 Euro für sein Haus abzahlen muss geht. Opel hat dank Aussaugen bis aufs Mark, unfähiger Manager auf allen Ebenen, Auslagerungen verloren. Nun gehts für GM drum, nochmal etwas Geld rauszuholen. Am Ende wird das Werk vielleicht an einen Japaner/Koreaner verkauft. GM wird das nichts nützen, der Fisch stinkt halt vom Kopfe her.
Jeder Popel fährt nen Opel, stimmt schon – wenngleich Opel tolle Autos gebaut hat in der Vergangenheit. Aber der Stern ist am Sinken. Dank GM.
gruß
Zum Thema Opel-Qualität: http://tinyurl.com/6fkq26 (Status Quo).