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Schutzschirme für die Medienkrise

18. November 2008
von Olaf Kolbrück

sonne_sz.jpgWAZ und SZ sind erst der Anfang, die Krise der Medien bedroht die Meinungsvielfalt und die Qualität der Medien. Angesichts der wachsenden Akzeptanz von Blogs spricht Berlin sogar bereits von einer asymmetrischen Bedrohungslage für die Zeitungslandschaft. Das Krisenmanagement der Bundesregierung ist nun gefragt. Nach Banken und Autokonzernen muss nun ein Schutzschirm für die Medien her. Sonnenschirme (siehe Anzeige) reichen da nicht aus. Doch es gibt offenbar entsprechende Pläne die Off-the-record aus Kreisen zugespielt wurden und die bereits konkrete Vorschläge enthalten, wie die Medienwelt gestützt werden soll und wie die Bedingungen für ein Rettungspaket aussehen.

Süddeutsche Zeitung: CDU/CSU verpflichten sich im kommenden Wahlkampf alle Anzeigen der CSU bei der SZ zu schalten. Im Rahmen einer Anzeigen-Bürgschaft werden stornierte Anzeigen paritätisch mit Bundestagsreden von Steinmeier und Merkel gefüllt. Sollte die SZ von der Bürgschaft Gebrauch machen verfasst Kanzleramtsminister Thomas de Maizière das tägliche „Streiflicht“. Alle SZ-Redakteure erhalten obendrein einen Opel als Dienstwagen soweit das ihre Lebensplanung zulässt.

WAZ: Der Kohlepfennig wird im Rahmen des Länderfinanzausgleichs für die WAZ-Titel im Ruhrgebiet in einen Medienpfennig umgewandelt. Im Gegenzug verpflichtet sich die WAZ unter allen Lesern täglich zehn Opel zu verlosen, um so die Neuwagen-Halde in Bochum abzubauen.

G+J: Der Bund unterstützt „Capital” und „Impulse“mit Abo-Kopplungsgeschäften. Dabei werden Banken und Autokonzerne gezwungen im Rahmen ihres Rettungspaketes Abos beider Titel für das gesamte mittlere Management abzuschließen. Die Abos werden vom Bund finanziert. Zur Refinanzierung verzichten beide Titel künftig auf Steuertipps für ihre Leser. Zusätzlich ist die Platzierung einer neuen Kampagne geplant, um die derzeit mehrere Agenturen pitchen: Arbeitstitel: “Du bist Steuerzahler”.

ProSieben.Sat1: Hier plant die Bundesregierung einen Doppelschlag. Um Programmkosten zu senken und die Quote zu steigern, werden auf Druck von Merkel neue Formate installiert, die mehr Zuschauer und damit auch Werbekunden erreichen sollen als zuletzt Uri Geller. Geplant: Die Doku-Soap „Die Guido Westerwelle Chronicles“, die Comedy-Show „Ronald Pofalla — Meine Heimat“. als große Abendshow „Die große Andrea Ypsilanti SPD Crash Challenge“ sowie „Michael Glos liest das Sandmännchen“. Unklar ist noch, ob die geplante Kochshow von Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner oder Gesundheitsministerin Ulla Schmidt moderiert wird. Im Gegenzug will die Bundesregierung Werbespots schalten, in denen für die Nationalhymne als Klingelton geworben wird sowie Download-Werbung für ein Abo (keine Abzocke) der Bundestagsdebatten platzieren.

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Kommentare zu “ Schutzschirme für die Medienkrise ”

  1. Kaffeekanne am 20. November 2008 um 21:49 Uhr

    Sparsamer wäre es noch, G+J würde seine darbenden Objekte gleich komplett ins Web verlegen: Vertriebskosten sinken dann auf null, Papier- und Druckkosten liegen gleichfalls auf null, die Co2-Bilanz wäre großartige und die bestehenden Redaktionen könnten dann einen Top-Webauftritt hinlegen.
    Wer mutig ist geht diesen Schritt.

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